Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Spoiler: Diese Woche wird’s politisch.

Chief Keef & Zaytoven – GloToven

King Sosa der Allmächtige (besser bekannt als Chief Keef) und Producer-Genie aka Piano-Wunder Zaytoven verschmelzen auf “GloToven” in einer perfekten Symbiose aus Trap und Drill. Wenn Zaytoven an den Keys sitzt, kann man sicher sein, dass ein Klangteppich entstehen wird, auf dem sich die geschundene Seele ergießen möchte. So geschehen im 2016er Mixtape “Camp GloTiggy”, in dem Zay schon einmal für Chief Keef produzierte. Herrlich verzerrte Gesangsmelodien auf klimpernden Piano- und Glockensamples, hypnotisch vorgetragene Lyrics zwischen Louis-V-Sweater, Muscle-Cars und einer Menge Real-Trap-Shit, die einem gut und gerne ein Jahrtausend Knast einhandeln können. Bei Chief ist also noch alles in Ordnung und beim Alten. Den Moment auf dem Album hat allerdings weder Keef noch Zaytoven noch ein roter Faden, sondern der einzige Feature-Gast auf dem Album: Lil Pump. Ja, genau der Lil Pump, dessen sich wiederholenden Flows man langsam überdrüssig wird, droppt im Vorbeigehen mehr Flows als auf seinem gesamten “Harverd Dropout”-Album und heizt den “GloToven” nochmal richtig an. Wärmt eure Boxen also schonmal vor und macht euch ein kuschlig warmes Wochenende vor dem “GloToven”.

Lieblingstracks: „Old Heads And Regretful Hoes“ feat. Lil Pump, „F What the Opp Said“

Mero – Ya Hero Ya Mero

“Den Scheiß den ich hier bringe ist mein Hobby” – Es gab in der Deutschrap-Geschichte wohl kaum jemanden der so schnell aus seinem Hobby einen Beruf gemacht hat. Mero ist in aller Munde, ob bei den Kids auf dem Schulhof oder in kontrovers geführten Diskussionen unter HipHop-Heads. “Ya Hero Ya Mero“ heißt das erste Album von Mero und dessen sinngemäße Übersetzung auf Deutsch hieße „Alles oder Nix“. Und wie heißt sein Label? Ihr wisst. Die Köpfe rund um Mero haben die Zeichen des Hypes erkannt und so bekommen wir das Album des jungen Rüsselsheimers in Windeseile präsentiert. Auf zwölf Tracks zeigt uns Mero Ausschnitte aus seiner Gefühlswelt, die irgendwo zwischen „Ich werde es allen beweisen“ und „Ich kaufe meiner Mutter ein Haus“ liegt. Mero versteht es wie ein alter Hase, diese Gefühle in Melodien zu packen – Melodien, denen man sich nicht entziehen kann. Überhaupt sind die arabesken Hooks die große Stärke von “Ya Hero Ya Mero” – Ob auf “Hops”, “Hobby Hobby” oder “Enes Meral”, jede einzelne Gesangslinie könnte direkt aus der Feder von Ibrahim Tatlises himself stammen. An einigen Stellen steuert Mero aber mit seinen energiereichen Doubletimepassagen über das Ziel hinaus und holpert an einigen Takten vorbei. Auch die ein oder andere Line über seinen Flow und seine Reime hätte man stecken lassen können, aber geschenkt. Mero hat sich mit seinem schnellen Debüt-Album Zeit verschafft, um an all diesen Dingen zu arbeiten und man darf gespannt sein, was uns in der Zukunft erwartet.

Lieblingstracks: „Hobby Hobby“, „Träume werden wahr“

MUSA – Berliner Negritude

Nachdem Musa Ende letzten Jahres noch schnell mit „Gott sei Dank“ einen unserer Lieblingssongs des Jahres rausgebracht hat, haben wir von „Berliner Negritude“ viel erwartet. Und unsere Erwartungen wurden erfüllt. So leichtfüßig und sommerlich „Gott sei Dank“ klingt, klingt zwar nicht das ganze Album – dennoch war Musa schon immer ein Meister darin, komplexen politischen Themen den richtigen Rahmen zu verleihen, wie auch mit BSMG mit der passenden Kombination aus Aufklärung und Empowerment auf tanzbaren Beats geschehen. BSMG haben uns beigebracht: Brüder schaffen mehr gemeinsam. Aber auch im Alleingang schafft es Musa mit „Berliner Negritude“ abzuliefern. Und so alleine ist er dabei gar nicht: Produziert hat natürlich Ghanaian Stallion und Features von Megaloh, Amewu, Mortel, Pronto und Chima Ede sorgen dann doch für die Fortführung des brüderlichen Gedankens.

Lieblingstracks: „Treppenhaus“, „Gott sei Dank“

Waving The Guns – Das muss eine Demokratie aushalten können

Waving The Guns melden sich mit ihrem vierten Album „Das muss eine Demokratie aushalten können“ zurück und stellen, wie der Titel schon verrät, die Werte der bürgerlichen Gesellschaft und das Zeitgeschehen auf die Belastungsprobe. Den ersten Stresstest gab es bereits im Januar in Form des Doppelvideos „Perlen vor die Säue/Das muss eine Demokratie aushalten können“ und sie ließen erahnen, dass sich trotz Milli Dances Professionalisierung zum Vollzeit-Rapper, an der Grundhaltung des Rostocker Kollektivs nichts geändert hat. Noch immer wird der Bourgeoisie in Form von Punchlines der Kampf angesagt und sich klar gegen die Werte der restlichen Rapszene positioniert. Inhaltlich also alles wie gehabt, allerdings gab es bei WTG dann doch die eine oder andere Veränderungen gegenüber der Vorgängeralben. Admiral Adonis hat die Gruppe aus der Hansestadt verlassen, so sind WTG ab sofort nur noch in Form von Milli Dance und den beiden Producern Dub Dylan und Dr. Damage anzutreffen. Neben der personellen Veränderung, gibt es eine Innovation im Soundbild der Platte, keine Angst, die Beats bleiben im Kern samplebasiert und DJ Loaf glänzt an den Cuts, dennoch experimentiert das Produzentenduo mit melodiösen Elementen aus Funk und Soul, die perfekt den typisch Milli Dance’ischen Rap-Singsang ergänzen. Apropos ergänzen: Auf den insgesamt 15 Tracks des Albums erhält der WTG-MC musikalische Unterstützung von AzudemSK und Kumpel Sketchone. Fazit: Trotz des Ausscheidens von Admiral Adonis kompensiert Milli Dance den Wegfall mit Leichtigkeit und überzeugt mit seiner bekannten humorvollen Eloquenz, die den perfekten Soundtrack für „Große Dinger in kleinen Hallen“ darstellt.

Lieblingstracks: „Das Privileg feat. Sketchone“ , „Es hätte so ein schöner Abend werden können“