Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Naja, was soll man sagen. Solange stellt heute alle anderen Releases in den Schatten. Heißt aber nicht, dass der Rest nicht genau so überzeugend ist. Hört einfach selbst, es lohnt sich.

Solange – When I Get Home

“When I Get Home” fließt wie zuckersüßer Honig in unseren Ohren. Anders ist das neue Album von Solange einfach nicht zu beschreiben. Wieder einmal hat Solange praktisch über Nacht ihr neues Album angekündigt aber schon lange im Voraus an ihrem dritten Langzeitspieler gearbeitet. Queen S hat sich dafür das Who is Who der Amerikanischen HipHop/RnB-Szene ins Boot geholt. Producer-Credits und Feature-Parts kommen nämlich unter anderem von Dev Hynes, Pharell, Tyler The Creator und Gucci Mane (ja, sogar mit ganzem Feature-Part) – Wir sind aber natürlich so gemein und verraten euch nicht auf welchen Tracks. Solange hat das auch nicht getan und den “Astroworld”-Move ausgepackt – in den Songtitel wird nicht auf die Features hingewiesen. Wofür auch? Die Tracks sprechen für sich und bedienen sich an souligem RnB, der mit Jazz-Elementen, scheppernden Drums und satten Bässen Bewegung im Körper produziert. Wir sind verliebt. Danke Queen S.

Lieblingstracks: “My Skin My Logo”, “Sound Of Rain”

Shlohmo – Rock Music

Um uns bei Laune zu halten bis am 22. April ENDLICH Shlohmos nächster Lanzeitspieler „The End“ droppen wird, beschallt uns der WeDidIt-Honcho erstmal mit „Rock Music“. Begleitet von epische Synthesizern, gurgelnde 808s und elektronischen Gitarrenriffs nimmt er uns mit in die endlose Sound-Welt, der wir spätestens seit dem 2015er Meisterwerk „Dark Red“ komplett verfallen sind. Ist WeDidIt auch 2019 noch das coolste Kollektiv? Jap! Bleibt Shlohmo einer der spannendsten Producer, den wir vor ein paar Jahren in den unbekannten Soundcloud-Tiefen gefunden haben? Jap! Und wir „The End“ unsere Sehnsucht nach utopischen, ergreifenden Soundkonstrukten für immer befriedigen? Hoffentlich – „Rock Music“ ist dafür ja schonmal ein vielversprechendes Anzeichen.

Lieblingstracks: „Still Life“

T-Pain – 1UP

Nach dem Gewinn der abstrusen Reality Show „The Masked Singer“ nutzt Crooner T-Pain die Gunst der Stunde und steigt wie der Phönix aus der Asche, um sich mit seinem Comeback-Album „1UP“ den Thron des King of Autotune zurück zu erobern. Schon mit der im Januar erschienen Single „Getcha Roll On“ feat. Tory Lanez war klar, T-Pain möchte zurück ins Rampenlicht und beweisen, dass er immer noch seine Daseinsberechtigung im Game hat. Immerhin hat u. a. er Autotune salonfähig gemacht und somit vielen Rapper-/Singerkollegen zu Ruhm und Reichtum verholfen, die auf den fahrenden Zug mit aufgesprungen sind, ohne Respekt zu zollen. Den Unmut darüber macht sich der Crooner vor allem auf dem Track „Goat Talk“ feat. Lil Wayne platzt. Auf den restlichen zehn Tracks des Albums bekommt man aber wieder einen gemäßigten T-Pain zu hören, der u.a. mit „It’s my Dog Birthday“ einen Song seinen beiden Französischen Bulldoggen widmet (cute) und zusammen mit hochkarätigen Featuregästen wie O.T. Genasis, Russ, Boosie Badazz, Profit Dinero und Flipp Dinero Clubhymnen abliefert, die seinen Hits aus den 2000ern in nichts nachstehen. Das kann man auf der einen Seite gut finden, da man das Gefühl hat, dass T-Pain immer noch ein gewisses Händchen für Banger und eingängige Hooks besitzt, auf der anderen Seite kauft man einen mittlerweile 40- Jahre alten Mann auf „Be Your X“ nicht mehr so wirklich ab, dass er einfach nur der Ex von Irgendjemanden sein will. Sei’s drum insgesamt ist T-Pain mit „1UP“ ein heißer Anwärter auf den Titel Comeback des Jahres (Sorry, Soulja Boy).

Lieblingstracks: „Getcha Roll On” feat. Tory Lanez , „Goat Talk” feat. Lil Wayne

Little Simz – GREY Area

“I’m Jay-Z on a bad day, Shakespeare on my worst days” – Das Lil Simz mit riesem Selbstvertrauen ausgestattet ist, haben wir aus ihren ersten beiden Alben schon rausgehört. Was Lil Simz aber mit “Grey Area” veranstaltet bedarf einer Steigerung des Wortes Selbstvertrauen. Simz offener Umgang mit ihren eigenen Unsicherheiten und das offenlegen ihrer Beweggründe für ihr egoistisches und zynisches Verhalten, lässt uns unseren imaginären Hut ziehen. Zeichneten die vorherigen Projekte ein rauhes und schemenhaftes Bild von Little Simz, beleuchtet “Grey Area” nun ihre im Dunklen gelegenen Ecken ihrer Persönlichkeit und bringt dadurch viel mehr Farbe ins Spiel. Ihre Kindheit, ihr Aufstieg als Rapperin und ihre zerbrochenen Beziehungen, werden in so einer reflektierten aber auch gleichzeitig energiegeladenen Art und Weise behandelt, dass man “Grey Area” nicht bloß hört, man lässt es mit sich geschehen. “Grey Area” ist Little Simz on a good day.

Lieblingstracks: “Sherbet Sunset”, “Flowers”

Lil Skies – Shelby

Lil Skies liefert mit “Shelby” sein zweites Album, nachdem er im letzten Jahr mit seinem Debüt “Life of a Dark Rose” in die Rap-Superstar-Liga aufgestiegen ist. Thematisch hat sich nicht viel verändert. Also fast. Natürlich ist Lil Skies immer noch ziemlich faded unterwegs. Die Gesangsmelodien entwickeln auf leichtfüßigen Trap-Beats immer noch eine psychodelische Wirkung, aber sein Leben hat sich seit seinem unfassbaren Erfolg im letzten Jahr natürlich verändert – Genauso wie die Gästeliste. War auf dem letzten Album Landon Cube noch der einzige Featuregast, gesellen sich auf “Shelby” zusätzlich Gucci Mane und Gunna hinzu. “Mo Money Mo Problems” rappte schon Mitte der 90er ein gewisser Notorious B.I.G. und das ist genau das wodurch Lil Skies gerade durchgeht. Er schafft es aber wie ein Großmeister die Waage zwischen Turn-Up, Flexen, ehrlichen Emotionen und bescheidener Selbstreflexion zu halten. Lil Skies geht es besser denn je und seine Reise ist hier noch lange nicht beendet.

Lieblingstracks: “i”, “Stop The Madness” feat. Gunna, “No Rainy Days”

2 Chainz – Rap or Go to the League

“Rap Or Go To The League” ist 2 Chainz bisher erwachsenstes Album. War sein vierter Langspieler aus dem Jahre 2017 “Pretty Girls Like Trap Music” noch voller Hood-Stories aus der Trap, geht es im aktuellen Album um das Leben von 2 Chainz in all seinen Facetten. Dieses spiegelt sich als allererstes im Titel wieder, das daran erinnert, dass 2 Chainz ein begnadeter Collage-Basketballspieler war, bevor er sich zum Ziel nahm als Rapper durchzustarten. Aber auch die vielschichtigen Lyrics und das Soundbild bilden das Facettenreichtum von “Rap or Go to the League”. Von RnB-Balladen (ja ihr habt richtig gelesen) über den altbekannten Turn-Up-Plugtalk, bis hin zu nachdenklicherem Conscious-(T)Rap zeigt sich 2 Chainz von seiner bisher persönlichsten Seite. Die einzige Schwäche die sich Chainz leistet, ist der Umstand, dass er sich ganze zehn Features auf sein Album geholt hat. Diese passen zwar jeweils soundtechnisch auf die einzelnen Tracks (was kann man bitte auch mit einem Young Thug- oder Kendrick Lamar-Feature falsch machen) lenken aber zu sehr von 2 Chainz ganz persönlicher Geschichte ab. Am Ende bleibt es aber immer noch ein sehr stabiles Album mit starken Solo-Tracks. Konsequent zu Ende gedacht, wäre “Rap Or Go To The League” aber zu seinem absoluten Meisterwerk geworden. So bleibt Steigerungspotential für die kommenden Projekte.

Lieblingstracks: “Forgiven” feat. Marsha Ambrosius, “High Top Versace” feat Young Thug, “I Said Me”

Lazy Lizzard Gang – Liebe > Kriege

Die Lazy Lizzard Gang macht ihren Namen mal wieder alle Ehre und hat sich ordentlich Zeit gelassen mit der Veröffentlichung ihres, bereits für Oktober letzten Jahres, angekündigten neuen Tapes „Liebe > Krieg“. Doch pünktlich zu den ersten Sonnenstrahlen erwachen auch unsere Lieblings-Schuppentiere so langsam aus ihrer Winterstarre um, wie der Titel schon verrät, ganz viel Liebe und Harmonie unter die Echsen, aber auch Menschen zu bringen. Der Aufruf zu einer besseren Welt erfolgt dabei mit den altbewährten Stilmitteln Autotune und Gesang, die die Bewohner des peruanischen Urwalds, auf verträumten Beats und Instrumentals von u.a. AsadJohn verpacken. Damit ihre positiven Vibes auch bei (uns) Zweibeinern ankommen, fungiert Joey Bargeld auf dem Track „Zeit“ als Botschafter zwischen Echsen und Menschen. Auch auf den restlichen Tracks des Tapes wie z.B. „Peace & Bananas“, „Mango“ und „Crocodile Ganja 2“ zeigt uns die Lazy Lizzard Gang einmal wieder, dass es für ein liebevolles Zusammenleben keine komplizierte Formel braucht. Zeit, frisches Obst und Ganja sind die Keys to Success, oder einfacher ausgedrückt: „Liebe und Kushpaffen ist größer als Kriege und Schusswaffen“. Eine eindrucksvolle Message, von der wir uns Menschen durchaus eine Schuppe abschneiden können.

Lieblingstracks: „Zeit” feat. Joey Bargeld , „Peace & Bananas”