Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Der Frühling streichelt uns schon sanft mit den ersten Sonnenstrahlen – heißt: Wir sind gut drauf. Das könnte aber auch an den vielen dopen Tapes liegen, über die wir uns diese Woche freuen dürfen. Also: höret, genießet und freuet euch!

Offset – Father of 4

Nach langem selbsteingebrocktem Hin und Her erzählt uns Offset endlich seine langersehnte persönliche Geschichte. Auf „Father of 4“ entsteht der Eindruck, dass lange unterdrückte Themen die nicht in den Migos-Rahmen gepasst hätten, endlich ans Tageslicht kommen. Auf atmosphärischen Soundkonstrukten hat er aber nun schlussendlich genug Platz und Freiheit, um uns von seinem Leben zu erzählen: Geschichten von einer schwierigen Kindheit und dem Zwiespalt zwischen dem Rapstar-Lifestyle und dem Aufziehen von vier Kindern. natürlich darf aber auch gewohnter Turn-Up nicht fehlen oder ein paar Schüsse in Richtung aller Kritiker („Clout“ mit Cardi B). Aufgelockert wird das Ganze mit Features von u.a. Gucci Mane, J. Cole, Travis Scott und 21 Savage. „Father Of 4“ ist dabei sehr wohl ein starkes Solo-Debüt und beweist, dass auch der letzte Migos als Solo-Artist funktioniert.

Lieblingstracks: „Don’t Lose Me“, „Quarter Milli“ feat. Gucci Mane

B-Tight – Aggroswing

Während sich viele aktuell an den 90ern anbiedern, macht B-Tight wieder einmal sein eigenes Ding. Die goldenen 20er Jahre sollten als Idee für B-Tights Mischung aus Rap und Swing herhalten. Ob man jetzt mit Swing etwas anfangen kann oder nicht, den Spaß den Bobby bei der Erschaffung seines Hybrids hatte, kann man aufjedenfall raushören. Bei Spaß soll es aber nicht bleiben, denn B-Tight lässt es sich nicht nehmen, mit dem notwendigen Ernst an die Sache zu gehen und persönliche Themen zu bearbeiten, sowie einen originalgetreuen Swing-Sound zu kreieren, in denen ein Kontrabass genauso gehört wie Trompeten. So klingt es also wenn Aggro auf Swing trifft.

Lieblingstracks: „Schüsse in die Luft“, „Mein Glaube“

Gunna – Drip Or Drown 2

Gunna lädt zu einer neuen Runde drippen oder ertrinken ein. Mit seinem ersten „Drip or Drown“ und dem Kollabo-Tape „Drip Harder“ mit Lil Baby hat sich Gunna in die Top-Liga der Atlanta-Rapper gehievt und beweist uns auch dieses mal, dass er uns mit seinen hypnotischen Tracks in die Drip-Trance versetzt. Thematisch geht es, wie schon der Titel verrät, um eine Welt aus allem was teuer ist und dafür sorgt, dass man sich von der Masse abhebt. Designer-Klamotten, allerhand Schmuck und die exotischsten Autos. Gunna verpackt das Ganze nur nicht offensiv, sondern wirkt wie ein Maler, der ein surreal verwischtes Bild malt. Wer nicht genau hinhört, könnte sich an dem sehr ähnlichen Klangbild der Tracks stören oder es eben als das sehen, was es ist: Ein sehr gutes Album mit einem klanglichen Rahmen, roten Faden und erfrischenden Ausflügen wie in „3 Headed Snake“ mit Young Thug. Also hört und seht genau hin oder ertrinkt.

Lieblingstracks: „3 Headed Snake“ feat. Young Thug, „Who You Foolin“

Lil Pump – Harverd Droptout

16 Songs von Lil Pump auf einem Album. Wer jetzt erwartet hat, dass der „Harverd Dropout“ nun seine ganze musikalische Range auspackt, darf enttäuscht sein. Was Pump dafür ausgepackt hat, sind seine Ketten und der Wahnsinn in Form von klimpernden und teilweise nervtötend vor sich hin quietschenden Samples auf verzerrten 808s. Wer in dieser Beschreibung eine negative Kritik rausliest hat aber weit verfehlt. Lil Pumps „Harverd Dropout“ muss in den Kontext gesetzt werden und ist der Soundtrack, mit dem man sich mit seiner Squad auf den ultimativen Abriss vorbereitet. Für willkommene Abwechslungen sorgen die hochkarätigen Featuregäste wie Lil Uzi, Quavo, Offset oder sein Gucci-Gang Weggefährte Smokepurpp. „Harverd Dropout“ erfüllt die Erwartungen, die an ein Lil Pump-Album gesetzt sind, doch fordert einem nach kompletter Spielzeit einiges an Kraft ab. Man darf gespannt sein, wann sich Lil Pump mit kommenden Projekten aus seiner ignoranten Komfortzone wagt.

Lieblingstracks: „Multi Millionaire“ feat.Lil Uzi Vert, „Fasho Fasho“ feat. Offset

Kwam.e – Original Rudeboy, Vol. 1

Kwam.e zersägt auf seiner sechs Track starken EP mit seiner Stimme die Kicks, Drums und Snares wie ein originaler Rudeboy. Man fragt sich bei Kwam sowieso immer, wie er es hinbekommt den Sound der Golden-Era so perfekt auf Deutsch umzusetzen und nach 2019 klingen zu lassen. Es bleibt unmöglich dem Vibe zu entfliehen und Kwam.e’s Roughness lädt einen nicht zum Kopfnicken ein – Nein, es zwingt einen den Kopf wie ein Metronom ausschlagen zu lassen.

Lieblingstracks: „You know the Deal“ feat. Tommy Hill, „Digga juckt mich nicht“ feat. Eloquent

Harry Quintana – Raro

Seit zehn Jahren führt Harry mit Rap eine On-Off Beziehung. Doch wenn der Billionaire-Boy den Audi Sport anlässt und uns eine EP schenkt, dann kann man vorher schon behaupten, dass diese ein Klassiker ist. So teilt Prinz Harry auch diesmal mit routinierter Delivery die Weisheiten des Lebens mit uns: Das Streben aus der Mittelmäßigkeit nach Größerem. Ganz besonders deutlich wird das auf „Ingolstadt Village“, auf dem Harry selbstreflektiert und kritisch auch sein eigenes Teilzeit-Rapper-Dasein behandelt. Neben all der Knowledge bringt uns „Raro“ aber auch massig Bars mit, die uns zum schmunzeln bringen und ist insgesamt in ein soundtechnisch zeitgemäßes Gewand gehüllt. Eben genau der Stoff aus dem Klassiker gemacht sind.

Lieblingstracks: „Bruno Mars“ feat. LGoony, „Ingolstadt Village“

Kehlani – While We Wait

Ach Kehlani, wenn wir auf jemanden warten würden, dann auf dich. Wenn du uns im Wartezimmer, dann auch noch mit „While We Wait“ verwöhnst, dann warten wir bis ans Ende der Zeit. Ok, genug Warte-Jokes. Aber ohne Spaß: Kehlani liefert mit ihrem neuen Mixtape mal wieder einen kleinen Reminder, wieso die kalifornische Sängerin einen so hohen Stellenwert in unserer Musikwelt hat. Ihr klare, melodische Stimme schmiegt sich so perfekt an die warme Instrumentierung, dass man sich nicht mehr davon losreißen kann. „While We Wait“ ist außerdem einfach nur so ganz nebenbei in ein paar Monaten entstanden um die Zeit bis zum kommenden Album zu überbrücken, das die werdende Mutter ihre Tochter widmen wird. Wir sind zu soft, wir haben Tränen in den Augen.

Lieblingstracks: „Nunya“ feat. Dom Kennedy, „RPG“ feat. 6LACK

Higher Brothers – Five Stars

Die 88rising-Jünger haben uns mit „Five Stars“ die perfekte musikalische Unterlegung für’s anstehende Wochenende geliefert. Zwischen Upbeat-Bläser-Samples und fröhlich-springenden Produktionen, die sich quer durch’s ganze Tape ziehen, finden sich immer wieder, etwas entspanntere Anspielstationen – es ist also für jede Beschäftigung über die freien Tage etwas dabei. Und als ob wir damit nicht schon zufrieden wären, liefern sie mal eben so einen der spannendsten Turn-Up-Kollabo-Tracks des Monats (oder Jahres?): „One Punch Man“ mit ULT-Spitter Denzel Curry und Ski Mask The Slump God. Außerdem tummeln sich noch Gäste wie Schoolboy Q, JID, Soulja Boy (JA!!!!), Guapdad4000, NIKI und rising-Kollege Rich Brian auf dem Starstruck-Tape. Scheißt auf jegliche Party-Playlisten, lasst einfach „Five Stars“ laufen.

Lieblingstracks: „One Punch Man“ feat. Denzel Curry & Ski Mask The Slump God, „Open It Up“, „Won’t Believe“ feat. Schoolboy Q

Lil Halima – for the dark days

Nur vier Tracks aber so wunderschön, dass man sie stundenlang auf Loop laufen lässt – Lil Halimas „for the dark days“-EP ist die zuckersüße Melancholie, nach der wir uns schon immer gesehnt haben. Die norwegische R&B-Queen überzeugt mit ihrer sanften, so kraftvollen Stimme – auch wenn sie teilweise in sehr poppige Gefilde abdriftet – auf ganzer Linie und die rollenden Drums tragen uns wie auf Wolken in eine bessere Welt. Es ist Zeit, den uprising Stern auf eure Watchlist zu packen, da kommt noch einiges auf uns zu.

Lieblingstracks: „Hold Me“

Night Lovell – GOODNIGHT LOVELL

Einer unserer Unterwelt-Lords liefert uns mal wieder höllischen Output zu dem wir Nachts in langen schwarzen Roben wieder auf dem Friedhof flexen können. Oder auch nicht, egal. Wichtig ist eigentlich nur, dass „GOODNIGHT LOVELL“ ein verdammt überzeugendes Tape ist. Zwischen knatternden Drums und vibrierenden 808s bleibt aber alles beim Alten: ignorante, düstere Lines, Lovells raue Stimme und exzellente Featuregäste wie Lil West, Wifisfuneral, Gnar und natürlich $uicideboy$. Dass der kanadische Höllenlord sein Rap-Rad nicht neu erfindet, ist aber nichts Schlimmes. Ganz im Gegenteil: Perfektes noch perfekter machen ist die viel größere Kunst.

Lieblingstracks: „JOAN OF ARC“ feat. $uicideboy$, „I LIKE BLOOD“ feat. Wifisfuneral

Jay Pop – Oceanspray

Herzaugenemojis schweben durch die Luft, wenn Jay Pop seinen „Oceanspray“ versprüht. *Pff, pff* – Könnt ihr die Liebe riechen? Könnt ihr die süßen Melodien hören? Könnt ihr es spüren, wie Jay Pop eure Seelen streichelt? Ja? Wir auch! Das Erotik Toy Records-Member lässt uns mit seinem langersehnten Langzeitspieler durch die Zeit reisen – ältere Werke des Bremers treffen auf neuere. Doch egal aus welchem Jahr – ja vielleicht sogar Jahrhundert, ihr wisst die Liebe ist unsterblich – zwischen klimpernden Synthies, knisternden Snares und einem Tightill-Feature gibt es nur eines: FEELS. Und davon unendlich viel. Mann kann es eigentlich nur lieben.

Lieblingstracks: „Einsam“, „Scheiß Money“, „Oceanspray“