Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Der Frühling klopft temperaturtechnisch an die Tür. Was kann es da besseres geben, als sich mit seinen Besten und einer Bluetooth-Box in die warmen Sonnenstrahlen zu begeben. Wir haben euch dafür, wie immer, die besten Tapes der Woche rausgesucht. Gönnt euch!

Disarstar – Bohemien

Disarstars „Bohemien“ ist ein Album zwischen politischen Statements und persönlichen Anekdoten aus seinem Leben – Das können wir schonmal vorausschicken. Da Disarstar nicht als der unpolitischste Mensch bekannt ist, verwundert das aber auch kaum. Zwischen klassischem Boom-Bap, mischen sich immer wieder modernere, auch rauere Klänge und gesungene radiotaugliche Hooks. Ja, wir haben das gerade gesagt. Dieses sorgt leider dafür, dass sich nicht immer ein roter Faden durch das Album zieht. Schade, denn Disarstar hat „Bohemien“ wie gewohnt mit intelligenten Zeilen über kritikwürdige Zustände unserer Gesellschaft gespickt. Falls sich Disarstar mit „Bohemien“ zur Aufgabe gemacht hat, die volle Aufmerksamkeit des Hörers einzufordern, hat er diese mit Bravour gemeistert. Es gibt nämlich zwischendurch einige Momente an denen das Ohr sich an den poppigen Hooks zu verabschieden droht. Dafür baut das Album nach einem starken Start „Wie im Rausch“, aber ab der Hälfte der Spielzeit Momentum auf: „Alice im Wunderland“, „Riot“ und „Robocop“ geben uns nochmal Energie. Ist es nicht das, was Disarstar ausmacht? Uns von den abgefuckten Themen rund um rechte Politik, Straßenschlachten und Polizeigewalt zu erzählen? Wie dem auch sei, Disarstar hat sich für „Bohemien“ soundtechnisch aus seiner Komfortzone bewegt, bleibt aber an einigen Stellen noch zu vage. Was nicht unbedingt schlecht sein muss: Die Kunst der Kunst ist es nun mal zum Nachdenken anzuregen.

Lieblingstracks: „Wie im Rausch“, „Alice im Wunderland“

Wicca Phase Springs Eternal – Suffer On

Wicca Phase Springs Eternal liefert uns mit „Suffer On“ den Deep Talk, den man mit seinem Seelenverwandten am knisternden Lagerfeuer führt: Liebe, Schmerz und Leid auf melancholischen Gitarrenakkorden und minimalen Elektroeinflüssen – Was nicht verwundert, der Mitbegründer der Gothboiclique kommt tief aus der Emo-Trap-Soundcloud-Bubble und war bis 2013 Mitglied der Emo-Indie-Rock-Back Tigers Jaw. All das gipfelt nun in „Suffer On, in der aus jeder Pore die Verletzlichkeit des Menschlichen Seins tropft. Ein Blick auf die Tracklist zeigt schon vor dem Drücken der Play-Taste, wo die Reise hingeht: „I Need Help“, „I Wake Up In Pain“ oder „Put Me In Graves“ lassen keine Zweideutigkeit aufkommen. Klare Melodien und der Wechsel zwischen Tracks, die nur mit Gitarren musikalisch untermalt werden wie „Crushed“, werden durch Tracks wie „Rest“ aufgelockert, in denen die 808 reinballert und hektische Hi-Hats vor sich hinarbeiten. Das sorgt dafür, dass „Suffer On“ einen nicht in ein tiefes Loch runterzieht. Es fühlt sich eher an, wie ein guter Freund, der unsere Probleme und unser Leid mit uns teilt – Am knisternden Lagerfeuer. Mit Gitarre.

Lieblingstracks: „Just One Thing“, „Does Your Head Stop“

CZARFACE & Ghostface Killah – Czarface Meets Ghostface

Alle Backpacker da draußen aufgepasst: The saga continues – Czarface, das Trio, bestehend aus Inspectah Deck, 7L und Esoteric ist zurück und verbündet sich auf „Czarface Meets Ghostface“ mit Wu-Tang Clan Member Ghostface Killah zu einer HipHop-Superhelden-Truppe à la Marvel’s The Avengers. Dabei findet der lyrische “Infinity War” auf insgesamt zwölf Tracks, die ausschließlich von 7L und Jeremy Page produziert wurden, statt. Das Producer-Duo liefert dabei die perfekte Soundkulisse, die an den rohen East Coast Sound aus der Wu-Tang Clan Ära erinnert. Die 90er Jahre Ästhetik wird dabei noch durch weirde Skits, bestehend aus Wrestling Monlogen, Film- und Cartoon Zitaten verstärkt und liefert den drei MCs Inspectah Deck, Esoteric und Gosthface Killah das perfekte Set, um sich in Tag-Team Manier die Bars gegenseitig um die Ohren zu hauen. Summa summarum ein solides Projekt, das erlaubt die Kombo bestehend aus Inspectah Deck und Ghostface Killah auch abseits des üblichen Wu-Tang Clan Kosmos zu genießen.

Lieblingstracks:
„Face off“ , „Mongolian Beef“

Fruchtmax – Pussy Juice Tsunami

Fruchtmax meldet sich mit seiner „Pussy Juice Tsunami“-EP zurück am M-I-C. Auf vier Tracks erzählt uns Fruchti, was bei ihm in der letzten Zeit so ging. Neben seinem Fetisch für Pussy Juice, werden die Stacks gestapelt, mit beiden Händen ausgegeben und danach in der Trap in „Drei Sechs“ einfach neue gemacht. Hustler sein verpflichtet. Auf energiereichen Beats, die vor 808-Sauce nur so drippen, redet Fruchtmax mit frecher Berliner Schnauze und träumt vom Leben im Eigenheim – Natürlich rennen darin seine 20 Kinder rum und halten ihn auf Trap, sorry, Trab. Peter Fox aus seinem Haus am See lässt grüßen. Wir sprachen eingangs von vier Tracks. Wundert euch nicht, wenn ihr aber fünf Tracks auf der EP vorfindet. Der fünfte ist der Remix zu „Pimp“. Man darf gespannt sein, wie Fruchtmax seinen Kosmos, auf einem eventuell folgendem Album am Leben erhält. Für vier Tracks reicht die Aufmerksamkeitsspanne aber allemal.

Lieblingstrack: „Drei Sechs“