Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

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Es ist Freitag Abend und wir können das Wochenende schon riechen. Deshalb gibt’s hier auch wieder die besten Tapes der letzten sechs Tage. Genießt.

Kool Savas – KKS

Mit einer Woche Verzögerung veröffentlicht Kool Savas sein fünftes Studioalbum „KKS“. Ein Akronym das wohl wie kein anderes für eine der größten Karrieren in Deutschrap steht, die mittlerweile mehr als zwei Dekaden andauert. Fünf Jahre nach „Märtyrer“ wagt sich Essah erneut in den Ring, um seinen Titel als King of Rap zu verteidigen und zeigt sich nicht nur auf dem bereits im Vorfeld veröffentlichten Track „KKS“ mehr als angriffslustig, auch auf „KDR“, „Ende der Vernunft“ „Wasser reichen“ und „Batman“ werden lyrische Punches gegen die Konkurrenz und die Industrie verteilt. Mit Tracks wie „Krieg & Frieden“ und „S auf der Brust“ feat. Sido, zeigt sich Savas aber auch von seiner sanften Seite und liefert zwei nachdenkliche Balladen ab. Trotz seiner fünfjährigen Schaffenspause passt „KKS“ perfekt in die bisherige Diskografie des Berliners, man merkt Savas einfach an, dass er immer noch den gleichen Hunger am Rappen verspürt wie zu seinen Anfangszeiten und er ein MC durch und durch ist. Mit seinen spitzzüngigen Punchlines schafft Kool Savas ein Album, das sich deutlich gegen den vorherrschenden Zeitgeist der Raplandschaft positioniert und wird vor allem die eingeschworene Fanbase des King of Rap ansprechen.

Lieblingstracks: „Universum/Hawkings“ , „Batman“

AJ Tracey – AJ Tracey

AJ Traceys selbstbetiteltes Album zeigt genau das, was wir schon von Anfang an wussten: Der Londoner ist extrem vielseitig. Wir können schon hören, wie einige Hardcore-Fans aufschreien werden, die erwartet haben, dass AJ weiterhin die Streetvideos auf GRM-Daily releast. AJ hat Größeres vor und das kann man raushören. Von seichten Dancehall Rhythmen wie in „Jackpot“ oder „Butterflys“, purem flexen wie in „Psych Out“, bis hin zu klassischem Grime wie auf „Horror Flick“ – Die gesamte Range wird routiniert beherrscht. Thematisch bleibt es zumeist aber (leider nur) auf Materialistischem fixiert. Fazit? Ungewohnt AJ Tracey auf so sanften Tunes zu hören. Es zeigt aber auch, dass er seinem internationalen Anspruch treu bleibt.

Lieblingstracks : „Country Star“, „Prada Me“, „Horror Flick“

Deniro Farrar – Re-up

Deniro Farrar hat eine Stimme wie ein raues Sägeblatt. Diese setzt der Rapper aus Charlotte auf „Re-Up“ immer wieder geschickt ein – Nämlich genau dann, wenn er sich mit einem Featuregast den Track teilt (Nachzuhören unter anderem gleich auf der ersten Anspielstation „Homicide“). Ansonsten erzählt er uns auf „Re-Up“ (über fein selektierten aktuellen Trapbeats) von den alten, aber immer noch brandaktuellen Themen aus der Hood: Alle sind am Hustlen, alle wollen da raus. Das Geld, das in der Hood verdient wird, wird dann auch gleich in „Magic City“ verzockt und so geht der Teufelskreis wieder von vorne los. Neues Geld aus der Trap um in die „Trap Hall of Fame“ zu kommen. „Re-Up“ ist ein kurzweiliges Mixtape und hebt sich angenehm von ähnlichen Releases rund um die Trap ab: Deniro nimmt eine andere, ehrlichere Perspektive ein und schießt nicht ständig mit der Draco herum oder flex mit Ice auf dem Handgelenk. Gerade das macht es so authentisch.

Lieblingstracks: „Homicide“, „Magic City“, „Trap Hall of Fame“

Choker – Forever & A Few

Anscheinend bekommen wir jetzt jeden Freitag eine neue EP von Choker. Und das ist mehr als okay für uns. Mit seinen Frank Ocean-Vibes und feinen Akustik-Gitarrenriffs verzaubert er uns nämlich auch auf „Forever & A Few“ wieder voll und ganz. Was kann man dazu noch mehr sagen? Ach ja, wir hoffen, dass auch bald die restliche Musik-Welt auf das Talent aus Michigan aufmerksam wird.

Lieblingstracks: „Gruppy“

Pöbel MC – Pöbel Sports Tape

Pöblos Rhetorico Erotica der Erste aka unser Lieblings-Pöbler liefert mit seinem „Pöbel Sport Tape“ den Gegenentwurf zum allgegenwärtigen körperlichen Optimierungswahn und stellt auf insgesamt acht Tracks seine mentale Fitness unter Beweis. Auf einem modernen 808-Klangteppich brilliert der gebürtige Rostocker mit gewohnt energetischen Flow und dribbelt sich mit gekonnter Rhetorik, vorbei an Materialismus, Doppelmoral, Chauvinismus, Sexismus und Homophobie, um im Alleingang Gesellschaftskritik par excellence einzunetzen. Durch seine humorvolle Attitüde schafft es Pöbel MC dabei niemals so zu wirken, als würde er mit erhobenen Zeigefinger moralisieren wollen und grenzt sich dadurch klar von der oft negativ konnotierten „Zeckenrap-Fraktion“ ab. Insgesamt ein starkes Tape, das einlädt zum pöbeln und tanzen.

Lieblingstracks: „Rammeln“ , „Schlau & Aggressiv“