Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

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Immer wieder Freitags… Wir haben hier wieder die besten Tapes für euch gesammelt, schön aufbereitet und analysiert. Zwischen bekannten Gesichter Wie Tightill und Fredo, findet ihr heute auch wieder ein paar Untergrund-Diamanten. Genießt es.

Tightill – Infinity

Die unendliche Weite der Musik gibt es jetzt auch als Album:„Infinity“. Oder besser gesagt, Tightills neues Album ist wie eine gemischte Naschtüte – Falls ihr sie nicht komplett alleine verputzt, ist für jeden etwas dabei. Der Erotik Toy Records-Member geht diese Woche nach Kollabo-Tapes mit seinem Crew-Kollegen Doubtboy und unzähligen Freetracks nun mit seinem Debütalbum an den Start. Nachdem er uns sagt, dass er ein „Prinz“ ist, und fit wie ein „Pitty“ auf einem Dubstep-Grime Beat vorwärts geht, schickt uns der Bremer direkt ins „Traumland“. Auf funky 80er Disco-Vibes, erzählen Tightill und Funky M (besser bekannt als Donvtello) von einem wunderschönen Ort, der in der fernen weiten Welt wartet. Nach einem Loblied auf den „Booty“, ohne die es uns alle nicht geben würde, nimmt uns Tightill mit auf die Freestyle-Hymne „Emotion Days II“. Zu diesem Zeitpunkt wurden schon vier Genres mit Rap vermischt und es geht munter weiter. „Unten am Fluss“ ist eine lupenreine Neue Deutsche Welle-Nummer und sein persönliches „Down by the River“, absolute Ohrwurm-Garantie und ein Kandidat für Überbelastung des Replay-Buttons. Nachdem er sich „Unten am Fluss“ mit seinem Herzblatt getroffen hat, geht Tightill in einen dreckigen Proberaum. Aus diesem dröhnt ein Deutsch-Punk Brett, das sich anfühlt als wäre man „Böse auf Speed“. Habt ihr mitgezählt? Sechs Genres (Sieben, wenn man Rap mitzählt) und wir sind erst bei der Hälfte des Albums. An dieser Stelle sei gesagt, dass hier nichts gekünstelt oder aufgesetzt wirkt. Tightill setzt einfach nur die Musik um, die er gerne selber hört und das hört man auf jedem einzelnen Track raus. Der Erotik Toy-Prinz hat ein mehr als gelungenes Erstwerk geschaffen, in dem er seine ganze Vielfalt und Persönlichkeit hineingesteckt hat. Fernab von Playlist-Sounds ist „Infinity“ ein erfrischendes Album, mit dem der Bremer für mehr als Willkommene Abwechslung in der Deutschen Raplandschaft sorgt. Eben einfach unendliches Talent, das uns eine neue unendliche Welt öffnet. Danke dafür, Tightill.

Lieblingstracks: Unten am Fluss, S.P.R.I.T.Z.E, Mama

Choker – Dog Candy

Schon in der letzten Woche segnete uns Choker mit seiner „Mono No Moto“-EP und legt diese Woche gleich die nächste nach. In Dog Candy beweist er wieder einmal, dass er der verlorene Zwilling von Frank Ocean sein MUSS. Gekonnt verschmelzt er wieder die verschiedensten Genres zu einem wolkig, warmen und verspielten Sound. Ob er auf „Dualshock“ über Missverständnisse in der Liebe singt oder wie in „Master P“ auf Synthies-unterlegten Beat, zwischen leichtem Soul und Rap hin und her switcht: Nie kommt Langeweile oder etwas störendes auf. Man lässt es mit sich geschehen und es fühlt sich großartig an. Zum Abschluss gibt es auf „Kiko“ ein fluffig, verspieltes Soundkonstrukt, dass uns mit einem leicht waberndem Bass endgültig dahinschmachten lässt. Dieser EP, schaut man hinterher wie der Person, in die man sich gerade vor Sekunden verliebt hat.

Lieblingstracks: ALLE

Fredo – Third Avenue

Fredo zeigt direkt mit dem ersten Track wie ernst er es meint: Es ist „Survival of the Fittest“ – Hart und ernst spittet er sich den Struggle von der Seele. Zwei Tracks vorbei und man hat schon den Hunger eines ganzen Albums gehört. Aber es folgen noch elf. Harte Bässe, Sounds aus der Trap und ein Fredo, der während der Aufnahmen so fokussiert gewesen sein muss, dass dabei nicht ein Lächeln über die Lippen kam. Den emotionalen Höhepunkt bildet „Love You for That“, auf dem Fredo seiner Mutter ein Lobeslied singt und ihr für ihren Rückhalt dankt.“Third Avenue“ ist kein Album, das man sich anhört, wenn man entspannen möchte. Es ist eher eines dieser Alben, das man sich anhört, bevor man sich an die großen Ziele im Leben ranmacht. Ein Album, das einen pusht und motiviert – Bitterernst und ohne großartige Layer. Fredo erzählt euch von dem Struggle, den er durchgemacht hat und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Die London Streets haben „Third Avenue“ geschaffen, genauso wie sie Fredo geformt haben.

Lieblingstracks: „Survival of the Fittest“, „Mhmh“ „All I ever wanted“ „Third Avenue“

BoatHouse & Ajani Jones – ONE PUNCH

Das letzte Mal das Ajani Jones in unserem Magazin seinen Platz einnahm ist mittlerweile schon wieder knapp ein Jahr her. Damals haben wir den Chicago Rapper gerade erst entdeckt und konnten uns nicht mehr von seiner „Cocoons“-EP losreißen – Seine organischen Produktionen und das lyrische Talent, war einfach zu überzeugend. Nach „Eternal Bliss“ ist Ajani nun mit dem nächsten Tape zurück. Dafür hat er sich nicht nur mit dem Minnesota-based Producer BoatHouse zusammengetan, sondern sich auch wieder Lable-Kollege Kweku Collins als Feature-Gast ins Boot geholt. Die BoatHouse-Produktionen sind zwar härter, als Ajanis vorige Beat-Betten – wummernde 808s und kickende Drums schlängeln sich quer durch die ganze EP – doch legen sich perfekt unter seinen Staccato-Flow. „ONE PUNCH“ ist nun das ausschlaggebende Argument, Ajani Jones für immer im Auge zu behalten.

Lieblingstracks: „PRONTO“ feat. Kweku Collins, „NATIVE SUN“

Xavier Wulf – Battle Star X Part 1

Xavier Wulf hat schon die verschiedensten Phasen in seiner Karriere durchgemacht. Nachdem er als Ethelwulf und Member des Raider Klan 2012 mit straightem Memphis-Rap begonnen hat, entschied er sich 2013 die Gang zu verlassen. Fortan rappte er nur noch unter seinem echten Namen und wurde zur SoundCloud-Legende. Mit seinem letztjährigen „East Memphis Maniac“-Album hat er erste Schritte unternommen, sich mit seinem Sound aus seiner Komfortzone herauszubewegen. Mit „BATTLESTAR X PART 1“ wagt sich Xavier für seine Verhältnisse nun weit ins All hinaus und hat sich Marcelo als Producer an seine Seite geholt. Auf „SPACE PUNKS“ und „SPIKE WULF“ hören wir einen Mix aus dem Alten und dem „East Memphis Maniac“-Xavier, der routiniert seine imaginären Gegner zerfleischt. „MOONSTAR“ und „PLANET VALENTINE“, bilden die überraschenden Momente der EP, da Xavier nun wirklich aus seiner Zone steppt und mit Autotune unterlegter Stimme in seine Feelings kommt. Nicht, dass Xavier nie über seine Gefühle gesprochen hat – Die Kombination aus Xavier, Autotune und den auf und ab springenden Pierre-Bourne-Type-Bässen (sorry Marcelo, aber er hat die Dinger großgemacht) bleibt auch nach mehrmaligen Hören einfach ungewohnt. Den versöhnlichen Abschluss bildet „GALACTIC RANGER“, der das Beste aus allen Welten zusammenbringt und auf eine noch harmonischere Fortsetzung der „BATTLESTAR X“-Serie hoffen lässt.

Lieblingstracks „SPIKE WULF“, „GALACTIC RANGER“