Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Die zweite Woche des Jahres geht seichte, aber gut weiter. Heute servieren wir euch unsere drei Lieblingsreleases, wir hoffen, sie schmecken euch genauso wie uns.

Döll – Nie oder jetzt.

War er 2014 mit seiner „Weit entfernt“-EP in aller Munde, war es an der Release-Front lange Zeit relativ ruhig um Döll. Nach dem Kollabo-Album mit seinem Bruder Mädness erscheint nun (endlich) das Solodebüt des in Neukölln lebende Südhessen. Darauf gibt es nichts als Realtalk. Spielsucht, depressive Phasen und der Hunger nach Erfolg – Themen die sich durch „Nie oder jetzt“ ziehen. Auch wenn Döll für den ein oder anderen etwas zu pathetisch texten könnte, beschreibt der Protagonist seine Lebenssituation so lebendig, dass man meinen könnte, man befände sich in einem Gespräch mit seinem besten Freund. Dass er dabei rappt wie Eminem (ouuhhh!) in gut, hat er auf etlichen Kollaborationen in den letzten Jahren bereits bewiesen. Überwiegend von den üblichen Verdächtigen, lies Enaka, Torky Tork und Gibmafuffi, recht klassisch instrumentiert, wird Döll den Erwartungen auf seinem Debüt so voll und ganz gerecht. Die Ehrlichkeit und Nähe, die „Nie oder jetzt.“ ausstrahlt, macht das Album jetzt schon zu einem der besten, die dieses Jahr wahrscheinlich erscheinen werden. Kaufbefehl!

Lieblingstracks: „Für den Fall“, „Nie oder jetzt“, „Outro“

Annmarie – Tripolar 2

Annmarie aus Chicago. Nie gehört? Solltest du aber, sonst verpasst du, wie der nächste Stern am Rnb-Himmel aufsteigt. Sanft, perfekt ausproduziert und absolut zeitgemäß kommt ihre RnB-Version daher und versetzt dich in die Zeit, als Ciara unsere große Liebe war. Annmarie lässt uns mit ihren acht Songs auf „Tripolar 2“ dahinschmelzen. Auf knapp 25 Minuten Spielzeit nimmt sie kein Blatt vor den Mund und hat einen selbstbewussten und wortgewandten Umgang mit ihren Gefühlen und ihrer Sexualität. Ob sie auf „Secrets“, dem absoluten Überhit ihres Tapes, über ein Verhältnis spricht, dass unter allen Umständen geheim bleiben soll oder auf „Right for Me“ und „Around“, die Loyalität, die intime Beziehungen einfordern, besingt. Annmarie trifft auf „Tripolar 2“ stets den richtigen Ton und es kommt niemals das Gefühl auf, dass die ein oder andere Line zu cheesy ist. Nicht einmal auf „Hennessy“, das einen vom Soundbild direkt in die RnB-Ära der 2000er schickt, auf dem sie die Liebe auf legalen und illegalen Substanzen besingt. Zum Abschluss packt sie auf dem Bonus-Song „Ayeee“ die Bars aus und zeigt allen, die es wissen wollen: This girl can rap, too! „Tripolar 2“ ist genau das, was wir bei diesem Winterwetter den ganzen Tag hören möchten.

Lieblingstracks: „Secrets“, „Hennessy“, „Worth It“

Ulysse – Patience

Wer steht in der Juice und chillt doch im Parkhaus? Natürlich ist es Ulysse. Kleinkriminalität, Hunger und das Leben am Corner – das sind die Themen des Karlsruhers auf seinem ersten Mixtape. Dass es sich bei „Patience“ um ein ebensolches handelt, lässt sich am Soundbild ablesen. Songs wie „Reebok Classics“, „Feinde“ oder „Labyrinth“ zeichnen sich durch einen klassischen 90er-Flair aus, der Titeltrack, „Ou la la“ oder „Geld, Sex, Frauen und Gold“ werden von modernen Drumkits untermalt. Dass diese Mischung funktioniert, ist Ulysses drückendem, dominanten Vortrag zuzuschreiben. Wortgewandt beschreibt er seine Lebensrealität. Die Stories hat man bei thematisch ähnlich gelagerten Veröffentlichungen alle schon einmal gehört. Trotzdem hört man UIysse gerne zu, sind seine Schild ungern greifbar und glaubhaft, weder Glorifizierung noch Verurteilung. So stellt „Patience“ eine ordentliche Übersicht von Ulysses schaffen dar. Welchem der angedeuteten Pfade er in Zukunft dann folgt, bleibt offen.

Lieblingstracks: „Patience“,“Reebok Classics“