Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Heut gibt’s wieder massig Schätze auf die Ohren, Leute. Von Sido, über A.CHAL bis Gucci Mane – wir haben für alle Wochenend-Aktivitäten die perfekte musikalische Unterlegung. Bussi.

Gucci Mane – Evil Genius

Als hätten der gesunde Lebensstil, six-pack und Co nicht schon genug Öl ins Feuer der Verschwörungstheoretiker gegossen, sind diese wohl, dank dem Fakt, dass es sage und schreibe knapp ein Jahr kein offizielles Gucci Mane Release mehr gab, endgültig davon überzeugt, dass der echte Gucci noch immer im Knast sitzt. Ob nun Klon der US-Regierung, oder doch der „echte“ Guwap, er ist nach ungewohnt langer Schaffenspause zurück und droppt mit „Evil Genius“ sein dreizehntes Studioalbum, respektive – Achtung Festhalten: 98. Projekt seiner Karriere! Wäre das nicht schon beindruckend genug, bezeichnet er sich kurzer Hand noch als „Best Rapper Alive“, doch wär Gucci kennt (also den Echten) weiß, dass solche Aussagen typisch sind für den Plug, so erlebt man auch auf „Evil Genius“ einen immer noch hungrigen und energischen Gucci Mane, der sein jetziges Leben in vollen Zügen genießt und uns, auf 18 Tracks, mit authentischer Trap-Musik beschenkt. Allesamt Banger mit hochkarätigen Feature Gästen wie die 21 Savage, Migos, Kevin Gates, Lil Yachty, Lil Skies und Lil Pump.

Lieblingstracks: „I’m Not Goin“ feat. Kevin Gates, „Kept Back“ feat. Lil Pump

Sido – Kronjuwelen

Ist bei anderen Künstlern ein Best-of-Album oft ein Indiz für Einfallslosigkeit und der letzte Versuch, nach einer glorreichen Zeit im Rampenlicht, die Karriere nochmal Revue passieren zu lassen und Kapital daraus zu schlagen, bevor es langsam in Richtung Ruhestand geht, ist das bei Sido nicht der Fall. Dieser war nämlich nach seinem 2012 veröffentlichten Best-of „#Beste“ keineswegs kreativlos und hat in den vergangenen sechs Jahren genug Output angesammelt, um nun mit „Kronjuwelen“ seine zweite Greatest Hits Platte zu droppen. Insgesamt 20 Tracks, die alle Facetten des Berliners zeigen, der mittlerweile knapp 20 Jahre Musikerfahrung für sich verbuchen kann. Neben den altbekannten Nummern wie „Hamdullah“, „Löwenzahn“ und „Maskerade“, befinden sich natürlich auch die massentauglichen Airplay-Ohrwürmer „Astronaut“ und „Einer dieser Steine“ auf dem Album. Auch die bereits im Vorfeld veröffentlichten Singles „4 Uhr nachts“ feat. Haftbefehl & Kool Savas und „Tausend Tattoos“ befinden sich auf dem Werk, wobei letzteres sehr stark an den Evergreen „Bilder im Kopf“ erinnert. Apropos Bilder, anstatt herkömmlicher Deluxe Boxen veröffentlicht Siggi, mit der „Hinter der Maske Edition“, einen streng limitierten Bildband, der neben beeindruckenden Bildern aus Sidos Karriere auch das Best-of „Kronjuwelen“ und nochmal eine CD mit weiteren 18 Tracks beinhaltet. Day ones und Sido-Ultras sollten hier unbedingt zuschlagen.

Lieblingstracks: „4 Uhr nachts“ feat. Haftbefehl & Kool Savas

MoTrip & Ali AS – Mohamed Ali

„Mohamed Ali“ ist definitiv ein Album, welches besser ist als sein Ruf. Davon mal ab, dass der Name des Albums wirklich baba ist (bei der Namens-Kombi hättet ihr auch ein Kollabo-Tape gemacht, gebt’s zu!), kann man den beiden einiges vorwerfen, aber nicht, dass das Album aus reinem Kalkül und ohne freundschaftliche und musikalische Basis entstanden sei. Sei es auf diversen Mammut-Tracks von Eko Fresh oder auf ihren Solo-Alben – dass die beiden sich kennen und mögen und in der Zusammenarbeit eingespielt sind, hört man (und sieht man – Achtung, Eigenwerbung – z. B. in unserem gemeinsamen Rap Quiz). „Mohamed Ali“ ist ein Album, welches sich vor allem durch Vielseitigkeit auszeichnet. Poppige Stadionhymnen wie „Feuerwehrmann“ treffen auf arrogante Punchline-Gewitter wie „Oh Mein“. Aber vielleicht liegt gerade hier der Kern der Kritik. Vielleicht hätten „Mohamed Ali“ eine klarere Linie und drei, vier Tracks weniger gut getan. Insgesamt ist „Mohamed Ali“ ein solides Kollabo-Album, welches aber vor allem auch wieder Lust macht auf Solo-Projekte der beiden.

Lieblingssongs: „LAX“ feat. Summer Cem, „Oh Mein“ feat. Kollegah

Ice Cube – Everythangs Corrupt

Es ist wirklich passiert: Ice Cube hat sein 10. Studioalbum releast. Eigentlich hätte „Everythangs Corrupt“ schon 2014 erscheinen sollen (ja, Ice Cube darf sich 4 Jahre Delay erlauben!), doch hat sich die N.W.A-Legende auf seine anderen Projekte konzentrieren müssen und dabei das Album erstmal beiseite gelegt. Nun, am 07. Dezember 2018, dürfen wir uns aber glücklich schätzen. Und wie der Titel schon erahnen lässt, gibt’s massig Gesellschaftskritik und bouncige BoomBap-Beats für alle Realkeeper – Der OG verbindet gekonnt klassischen West-Coast-HipHop mit Soul und Classic-Funk Elementen und lässt sein erstes Solo-Release seit 2010 dadurch glänzen. Ein Muss für alle HipHop-Heads.

Lieblingstracks: „Arrest the President“, „Fire Water“

Retrogott & Hulk Hodn – Kontemporärkontamination

Oooooh Shit. Retrogott und Hulk Hodn aka das beste, was deutscher BoomBap zu bieten hat, melden sich auf Albumlänge zurück. Und während es auf den letzten Alben vor allem darum ging, alles Schlechte in der großen, weiten Welt zu battlen, besinnt er sich diesmal auf seine große Liebe zurück: HipHop. Auch da läuft seiner Ansicht nach alles gewaltig schief: Zwischen Plastikbeats und fehlenden Skills findet Kurt ordentlich Angriffsfläche, auf die er sich beziehen kann. Und das ist vor allem eines: Verdammt Dope!

Lieblingstracks: „Übersättigt“, „Offline“ & „Kontemporärkontamination“

A.CHAL – EXOTIGAZ

Obwohl sein 2016-Tape „Welcome to GAZI“ eigentlich überzeugend genug war, hat es bis zum Release von „On Gaz“ im Juni 2017 gedauert, bis alle Connaisseure in unserer Musikwelt von A.CHAL begeistert waren. „On Gaz“ war dabei aber einfach nur ein weiterer Beweis dafür, dass echte Künstler in harten Zeiten ihre besten Werke schaffen – Der peruanisch-amerikanische Sänger kämpfte das letzte Jahr mit Depressionen und der Erkenntnis einen Fehler begangen zu haben. „EXOTIGAZ“ fühlt sich nun so an, als würde es wieder Bergauf gehen – vorantreibende Latin-Beats mit viel R&B-Einfluss, zwingen einen fast dazu, sich zu bewegen. Irgendwo zischen vollen, verschwitzten Clubs in Miami und rougher Cowboys in Texas, findet A.CHAL die perfekte Mischung, um seinen Langzeitspieler von den restlichen Releases dieses Jahres ganz klar abzuheben und seinen musikalischen Fortschritt nur noch einmal zu verdeutlichen.

Lieblingstracks: „000000“, „TYPE“

Knowsum – Lush Space Daze & I Play My Guitar Like I Just Don’t Care

Herzlich Willkommen im Club der gebrochenen Herzen! Knowsum veröffentlicht gleich zwei Alben auf einmal und verschafft uns damit ein ausgiebiges Wohlgefühl inklusive Seelenfrieden. Apple Music ordnet „Lush Space Daze“ als Alternativen Rap ein und liegt damit schon mal grundfalsch: Der Rapper & Beatbastler aus Mainz macht darauf nämlich klar, dass er gar nicht rappen braucht, um sich auszudrücken. Auf repetitiven, organischen Instrumentals singt er verspielt und trotzdem irgendwie (im besten Sinne) schleppend über die Liebe und das Leben. Ganz minimalistisch, das Soundbild ist dem Titel absolut angemessen. „I Play My Guitar Like I Just Don’t Care“ hingegen wird bei Apple in der Kategorie „Singer/Songwriter“ geführt, ist aber eher dem Prog-Rock verwandt. So ähneln sich die beiden Alben irgendwie, letzteres klingt aber wesentlich rougher und beunruhigender, die Vocals sind durch Störgeräusche und 184 Filter erweitert. Und trotzdem gibt es auch für die klassischen Rap-Fans immer mal wieder klatschende Drums und ein bisschen Gespitte. Zwei wahnsinnig gute, kohärente Alben, die zeigen, dass Rapper nicht immer nur Rap machen müssen und sich trotzdem treu bleiben können. Und dass Knowsum ein verdammtes Genie ist.

Lieblingstracks: „Champagne Love“, „Broken Hearts Club“, „Over“, „Crossing Pt. 1 & 2“ & „Freak“

Domo Genesis – Facade Records EP

Zu früheren Odd Future-Zeiten, war das Leben noch einfacher und unbeschwerter – wahrscheinlich schlägt genau aus diesem Grund unser Herz immer noch für OFWGKTA. War Domo zu damals noch einer der witzigsten Spitter der Crew, ist davon nicht mehr viel zu hören. Seine Wortgewandtheit dient nun auf höchstem Niveau viel ernsteren Themen. Trotzdem, oder vielleicht genau deshalb sind wir auch umso glücklicher, dass Domo Genesis uns so regelmäßig mit seinen Tapes füttert. Zwischen Buddy, IDK, Chip tha Ripper und Cozz, scheint Domo in seinem verdienten Rampenlicht und lässt „Farcade Records“ zu einem durchaus stimmigen und runden Langzeitspieler werden.

Lieblingstracks: „Consecutive Normal Punches“ feat. Buddy, „Online“

Matty Wood$ – I’ll Be Fine

Unsere Weekly Release-Liste, wär nicht die beste Weekly Release-Liste der Welt, würden wir euch nicht jede Woche ein paar Schätze hier rein packen, die ihr vorher vielleicht nicht auf dem Schirm hattet. Diesen Teil übernimmt heute Matty Wood$. Ein St. Louis Rap-Talent, das euch mit „I’ll Be Fine“ den perfekten Sound für ein verrauchtes Wochenende liefert. Zwischen durchaus tiefgründigem Lyricism und Laid-Back Weed-Vibes (z.B. „Static“) findet man immer wieder vorantreibende Up-Beat-Banger, (z.B.“Indo/Outdo“). Großteils rollen aber tiefe, gemütliche 808s und aus den Lautsprechern, die ohne viel Arbeit den Joint anfeuern. Also S/O an alle gemütlichen Seelen da draußen, packt mal Matty Wood$ auf euer Rap-Radar, ihr werdet es nicht bereuen.

Lieblingstracks: „I’ll Admit It“, „Static“, „Heavyweight“