Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Fröhliche Weihnachten! Naja, fast – zumindest haben wir schon das erste X-Mas Tape und noch viele andere Schmankerln. Könnte man besser ins Wochenende starten?

Tyler, The Creator – Music Inspired by Illumination & Dr. Seuss‘ The Grinch

Herzlich willkommen im Winter, offiziell eingeläutet von unserem liebsten Blumenjungen. Auch wenn es in L.A. wahrscheinlich nicht schneien wird, lädt uns Tyler zur heißen Schokolade am Kamin ein und liefert dazu passend den Soundtrack. Inspiriert von Dr. Seuss‘ The Grinch wagt sich Tyler immer weiter in poppig-verspielte Gefilde und die Features von Jerry Paper und Santigold tun ihren Teil dazu. Kuschelt euch eng an eure liebsten und genießt ein weiteres musikalisches Geschenk, das euch hoffentlich durch die Eiseskälte bringen und euer Herz erwärmen wird.

Lieblingstracks: „Hot Chocolate“, „Lights On“, „Big Bag“

Anderson .Paak – Oxnard

Brandon Paak Anderson hat die Welt bereist und ist zurück zuhause – Endlich! Nach „Malibu“ sind die Erwartungen verständlicherweise unfassbar hoch und sie werden erfüllt. Nicht durch eine Neuerfindung des Genres und auch nicht durch großartige Veränderungen des eigenen Styles. auf „Oxnard“ gibt es Hymnen und Balladen, alles strotzt vor Power und Anderson .Paak liefert innovative Flows und Songstrukturen. Auf der Featurelisten stehen eigentlich nur Legenden von Snoop Dogg über Dr. Dre bis hin zu Kendrick Lamar, richtig überraschend frisch ist dabei vor allem die Kollabo mit Pusha T. Ansonsten gibt es wenig Überraschungen, wahnsinnig ausgefeilte und soulig-warme Arrangements und ordentlich stilistische sowie textliche Statements. Lediglich über „Left To Right“ sollte man nochmal reden: Ist der Song auch mitreißend, gibt uns der fake jamaikanische Akzent mulmige Gefühle. Trotzdem, Big Up! Ein weiterer Anwärter auf den Titel „Album des Jahres“ ist geboren!

Lieblingstracks: „Brother’s Keeper“, „Saviers Road“, „Who R U“

Naru – Surreal

Reduktion, Repetition, Reaktion. Mit diesen drei Wörtern lässt sich Narus neues Mixtape perfekt zusammenfassen. Songs wie „Controller“ oder „Shishilix3“ gehen schnell ins Ohr und sorgen ob einprägsamer Zeilen und interessanter Adlibs für Unterhaltung. Das Dortmunder Live From Earth-Member reiht sich, was die Tiefe der Texte angeht, jedoch eher hinter Rin und Co. ein – Wenige Worte, die oft wiederholt werden, wenig tiefgründige Aussagen, aber umso mehr Vibe. Flair, Atmosphäre und Feeling stehen im Mittelpunkt und bilden den Kontrapunkt zu überambitioniertem Storyteller-Rap. So schweben die neun luftig instrumentierten Songs leicht in unsere Ohren und für gut 25 Minuten kann man abschalten und „Surreal“ auf sich wirken lassen.

Lieblingstracks: „Balance“, „Auserwählt“

Jace – Stich

„Alle Leute fragen, wann mein Album kommt. Wer hat hier behauptet, dass ein Album kommt?“ Guter Move, direkt im ersten Song seiner EP „Stich“ vom (vielleicht) kommenden Album zu rappen und trotzdem frech ein Mixtape zu droppen. Auf zehn Tracks, produziert von Farhot & SBM, behält sich Jace ebendiese Arroganz bei. Außer seiner Flavour Gang und OG Keemo, mit dem er übrigens auch schon in unserem splash!-Studio rumhing, lässt er kaum einen an sich ran. „Stich“ ist definitiv eine musikalische Abwechslung zwischen aggressiven Bangern und easygoing runtergerappten Freestyles – insgesamt ein guter, unverkrampfter Vorbote für das Album. Jace, gib Album jetzt.

Lieblingssongs: „Treppen“ feat. OG Keemo, „Guck mich an“

Kirk Knight – IIWII

Im Juli 2017 hatten wir das letzte mal die Ehre Kirk Knight auf Langzeitspieler-Länge zu bewundern. Gemeinsam mit Nyck Caution ließen sie auf „Nyck @ Knight“ BoomBap mit massig Progressivität, jugendlichen East-Coast-Flair und stabilen Kopfnick-Beats im Jahr 2017 verdammt hell erstrahlen. Nun ist Kirk Knight wieder im Alleingang unterwegs (bis auf einen Featurepart) und sein Soundbild bewegt sich (wie immer, wenn er Soloprjekte releast) weit weg von klassischen Pro Era-BoomBap hin zu experimentellen Beat-Ausflügen. Aber dass Kirk das Produzieren bis aufs letzte Detail perfektioniert hat, ist schon seit „Black Noise“ kein Geheimnis mehr. Aber auch raptechnisch ist der junge New Yorker an sich selbst gewachsen: War sein Flow auf seinem 2015-Tape „Late Knight Special“ noch etwas holprig und unsicher, hat er nun drei Jahre später das Rapper-Selbstbewusstsein verinnerlicht, das „IIWII“ zu einem unglaublich starkem Projekt werden lässt. Lyrische Vielseitigkeit gepaart mit seinem verspielten, aber so treffendem Flow werden auf 10 Tracks zu einem Beweis seines vielschichtigen musikalischen Talent.

Lieblingstracks: „Full Metal Jacket“, „Tom Clancy“

Mike WiLL Made-It – Creed II: The Album

Was gewinnt ein (moderner) Blockbuster durch einen einprägsamen Soundtrack? Richtig viel, wie man zuletzt an „Black Panther“ hören konnte. Nun kommt auch der zweite Teil der „Creed“-Saga wieder mit einem eigenes zum Film geschriebenen Soundtrack daher. Fasste der erste sogar noch einen Track von Farid Bang, konzentriert sich „Creed II: The Album“ auf die amerikanische Szene. Unter der Aufsicht von Mike WiLL Made-It haben Rapper wie Nas, Lil Wayne, J. Cole, Kendrick Lamar und A$AP Rocky genauso Songs beigesteuert wie Sänger Bon Iver oder Schauspielerin Tessa Thompson. Dabei klingt das Ganze nicht wie eine lieblose Compilation, sondern wie eine überlegte Zusammenstellung, die die verschiedenen Abschnitte des Films auch musikalisch einfangen mag. Heraus kommt ein urbaner Soundtrack, mit dem es für Creed zum Titel reichen sollte!

Lieblingstracks: Nas & Rick Ross „Check“, Vince Staples „Ice Cold (Final Round)“

D33J – Infinity 33

Das Wedidit-Member D33J sollte nach Jojis „BALLADS 1“ wohl jedem Musik-Connaisseur ein Begriff sein. Da hatte er nämlich auf „Why Am I Still In LA“ den Gastpart übernommen und auf voller Linie überzeugt. Aber auch so sollte man schleunigst (wenn das nicht eh schon lange der Fall sein sollte) ein Auge auf den LA-based Producer-turned-Rapper werfen, denn sein neustes Mixtape „Infinity 33“ ist ein verdammtes Meisterwerk. Angefangen bei den perfekt selektierten Feautregästen von Yung Lean und Bladee über Lil Yachty und AJ Tracey bis hin zu seinen Freunden Deb Never, A$AP Nast und natürlich Shlohmo ist eigentlich alles dabei, was unser Herz begehrt. Genau so vielfältig wie die Gastauswahl, sind auch die Soundkonstrukte: über verschwommene, elektronische SoundCloud-Beats bis hin zu melancholischen Gitarren-Riffs reist man auf 10 Anspielstationen einmal quer durch die detailverliebte Musikwelt des Wedidit-Collektivs – inklusive melancholische Gesangseinlagen und gemütlichen Laid-Back Raps. Am Ende bleibt aber doch alles mehr als stimmig und D33J beweist, dass er auch im Rapper-Rampenlicht übetrieben hell scheinen kann.

Lieblingstracks: „Dogtalk“ feat. A$AP Nast, „Nothing Left“ feat. Shlohmo, Deb Never

Leikeli47 – Acrylic

Nach ihrem letztjährigen Debütalbum „Wash & Set“ hat man die New Yorkerin leider wieder ein bisschen aus den Augen verloren. Das ist aber nicht weiters schlimm, denn nun ist sie mit ihrem zweiten Album „Acrylic“ zurück und wird uns nicht mehr so schnell verlassen. Zwischen elektrifizierenden, vorantreibenden Club-Banger, straighten Rap-Parts, sanften Gesang und der Roughness des Big Apples, stellt Leikeli Empowerment, Individualität und Echtheit in den Vordergrund, sodass niemand mehr daran vorbeikommt. Agressive Drum-Kits ziehen sich auch hier wieder durch das gesamte Projekt, während die vorantreibende Struktur zwischendurch immer wieder durch soulige Gesangseinlagen („Top Down“) inklusive wunderschönen Keys und Bläsern aufgelöst wird. Leikeli47 hüpft dabei schneller zwischen verschiedenen Flows hin und her, als wir uns unsere Bandanas übers Gesicht ziehen können. Mit 19 Tracks wird das Durchhören zwar zu einer kleinen Herausforderung (ja, Aufmerksamkeitsspanne dies das), doch es lohnt sich, wir schwören!

Lieblingstracks: „In My Eyes“, „Top Down“, „Acrylic“