Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

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Release-Highlight ist heute eindeutig das posthume Album von Lil Peep (dazu findet ihr hier die Review!), doch gibt’s noch unzählige andere wunderbare Tapes an diesem nebligen Freitag.

Trippie Redd – A Love Letter To You 3

Der dritte Liebesbrief von Trippie ist bis jetzt wohl der schönste: Sein Mix aus Facetat-Swag, R&B-Romantik und Radio-Hooks ist zwar nicht für jeden was, doch hat er seine zuckersüße Nische bis auf’s letzte Detail ausgebaut. Auf 16 Tracks springt er von poppigen Liebeshymnen inklusive engelsgleichem Gesang (Leute, der Junge kann wirklich unglaublich schön singen), die sich trotz teilweiser Kitsch-Überdosis tief in unsere einsamen Herzen festsetzen, zu den gewohnten 808-Brettern – und zwar ohne, dass man dabei irgendwelche Unstimmigkeiten spürt. Tracks wie „Diamond Minds“ werden wahrscheinlich alle Real-Keeper aus den Real-Rap-Socken hauen, aber ey: Wer ein so geniales Lagerfeuer-Lied wie „Camp Fire Tale“ ohne mit den Schultern zu zucken in die HipHop-Welt loslassen kann, bleibt für immer unser Held. Mit „A Love Letter To You 3“ perfektioniert Trippie Redd seinen einzigartigen Sound und lässt unsere eigentlich nickenden Köpfe gemütlich schunkeln.

Lieblingstracks: „Negatve Energy“ feat. Kodie Shane, „Love Scars 3“, „1400/999 Freestyle“ feat. Juice WRLD

IDK – IDK & Friends 🙂

Während IDK fleißig an seinem nächsten Album „Is He Real“ bastelt, liefert er uns als kleine Zwischenmahlzeit die EP „IDK & Friends“. Wie der Titel schon vermuten lässt, handelt es sich bei dem sieben Track starken Projekt um eine Kollabo mit seinen besten Homies. Die Feature-Liste treibt uns die Freudentränen in die Augen: Thirty Rack, Maxo Kream, Denzel Curry, Rico Nasty, Q Da Fool, Wale und Domo Genesis. Auf „Once Upon A Time“ flowen Zel und IDK ungewohnt ruhig über nostalgische Gitarren-Instrumentals und Old-School-Beats, während „Bad News“ feat. Miss Nasty industriell und aggressiv daherkommt. Die Homie-Hommage ist dabei nicht durchkonzipiert, wirkt aber wie eine verdammt gut zusammengestellte Playlist. Jeder Song bringt in kurzer Zeit seine Szene-kritische Haltung zum Ausdruck, wobei IDK’s Gäste zwar ihren eigenen Stil einfließen lassen, den EP-Papa dabei aber nicht in den Schatten stellen. „Is He Real“ wird Feuer, Leute.

Lieblingstrack: „Once Upon A Time“ feat. Denzel Curry

Smino – Noir

Anstatt mit den geernteten Lorbeeren seines letztjährigen Debütalbums „blkswn“ ein herkömmliches, aber dennoch schmackhaftes Nachfolgeprodukt zu erschaffen, betreibt Smino Avantgarde-Cuisine und überrascht abermals mit seinem zweiten Studioalbum „Noir“ die musikalischen Gaumen seiner Hörerschaft und Kritiker.
Das Rezept „Never change a running system“ scheint dem aus St. Louis stammenden und mittlerweile in Chicago lebenden Nachwuchskünstler nicht zu schmecken. Zwar sind noch gewisse Nuancen von Jazz, Soul und Gospel, die Smi’s musikalische Sozialisation ausmachten, auf den Produktionen erkennbar, aber vor allem dank seiner beiden Sous-Chefs Monte Booker und Sango in der Beat-Küche entsteht ein sehr progressives Sound-Bouquet, das zunächst unharmonisch wirkt, in Gesamtheit seiner Bestandteile aber ein einzigartiges Gericht zaubert. Bemerkenswert ist, dass trotz der mächtigen Produktionen immer die Hauptzutaten – Sminos facettenreiche Stimme und Flow – im Mittpunkt stehen, mit denen er mit Leichtigkeit über die unterschiedlichsten Beats der insgesamt 18 Tracks gleitet. Mit Bari, Jay2 und Ravyn Lenae pickt sich Smino Features aus seinem Zero Fatigue-Umfeld, die wunderbar als side dish harmonieren. Wie guter Wein reift Smino mit seinem zweiten Album und testet weiterhin die Grenzen von altbekannten und neuen Soundkonzepten, kombiniert mit seinem vielseitigen Style lässt dies viel Interpretationsspielraum für die nachfolgenden Projekte – wir sind gespannt, was uns da in Zukunft wohl noch so serviert wird.

Lieblingstracks: „Merlot“ , „Summer Salt“ , „Krushed Ice“

Kodie Shane – Young HeartThrob

Die First Lady von Lil Yachtys Sailing-Team zaubert uns mal wieder ein Lächeln ins Gesicht. Ihr charismatischer Mumble, sanfter SingSang und vielschichtige, verspielte Produktionen laufen ohne Probleme mehrere Runden rauf und runter. Standout-Tracks bleiben aber auf jeden Fall die im Vorhinein releasten Singles „Sing To Her“, „Thinking Bout U“ und das Trippie Redd-Feature „Love & Drugz II“ – heißt aber nicht, dass das restliche Tape kein rundes, unglaublich süßes Gesamtwerk ist. Kodies weiche Stimme lässt immer wieder unser Herz höher schlagen.

Lieblingstracks: „Thinking Bout U“, „Love & Drugz II“ feat. Trippie Redd, „Sing To Her“

Tommy Genesis – Tommy Genesis

Mit ihrem selbst ernannten „Fetish-Rap“ hat Tommy Genesis sich in den letzten Jahren das Image der direkt-verruchten Künstlerin aufgebaut, die unsere dunkelsten Verlangen musikalisch stillt. Doch die Awful-Mami wollte zeigen, dass in ihrer Musik mehr steckt als sexuelle Eindeutigkeiten und dämonische Verses. So ist ihr selbstbetiteltes Album eine Gratwanderung zwischen den typisch hypersexualisierten Tracks („Daddy“), voller gestöhnter Adlibs und pushender Beats und nachdenklicheren Songs („You Know Me“, „Drive“), die sich mit Gender-Identität und tiefgehenderen Emotionen auseinandersetzen. Ihr Stil wechselt gekonnt zwischen energetischem Rap und hypnotisierendem Gesang, womit sie uns wieder die dunkelsten Fantasien und gefühlvollsten Bilder malt. Tommy hat ihr Ziel elegant erreicht und uns die Augen geöffnet für eine viel buntere Palette, als wir je gedacht hätten.

Lieblingstracks: „Bad Boy“, „Tommy“

Wifisfuneral – Leave Me The Fuck Alone

Wifisfunerals Langzeitspieler sind eine verdammte Achterbahnfahrt. Sein 2017-Tape „Boy Who Cried Wolf“ barg massenhaft Dauerschleifenmaterial (denkt an „JoeBuddenProbablyThinksICantRap“ – unglaublich genial!), während sein letztes Tape „Ethernet“ leider eher random zusammengewürfelter Einheitsbrei war, der auf Dauer etwas langweilig wurde. Aber: neuer Tag, neues Release. Direkt auf „Alone As A Facetat“ wird man von dem knisternden Sound gefangen genommen und von Wifis Laid-Back-Raps in den Bann gezogen. Vielleicht liegt es daran, dass es nur eine EP ist, jedoch steht jeder der vier Tracks für sich allein. Man wandert von 90s Einfluss, über autotuneinfizierten Soundcloud-Trap bis hin zu düsteren Distortions. Wir sind zufrieden.

Lieblingstracks: Alle

Hiob – Abgesänge

Während die Hausverwaltungen die Frontiersgrenze der Gentrifizierung weiter in Richtung Norden Berlins verschieben, sitzt da einer in seiner Altbauwohnung im betroffenen Gebiet und weigert sich, den Soja-Cappuccinos nachzugeben. Dieser Jemand heißt Hiob und hat verdammt lange auf ein neues Album warten lassen. Die melodische Melancholie von „Drama Konkret“ ist noch zu finden, wird auf „Abgesänge“ aber ergänzt durch Gunshots und eine ordentlich angestaute Wut auf Szene und Gesellschaft. Weiterhin gibt es die üblichen Trinkergeschichten aus der Gosse, Hiob selbst bezeichnet seine Musik als „entartete Kunst“ und strotzt damit dem Anpassungsdrang der Konkurrenz. Die Stammtischkollegen Morlockk Dilemma und Blood Spencore schauen kurz auf ein Bierchen und einen Featurepart vorbei, ansonsten bestreitet der Rapper fka V-Mann das Album alleine. Keine Neuerfindung des Künstlers aber ein Meisterwerk im Bereich der Sequels – Alles wie immer!

Lieblingstracks: „Trinkergewohnheiten“, „Unser Lied“, „Krankenwagen“, „Zigaretten Holen“

Yxng Bane – HBK

Hoffentlich habt ihr Yxng Bane schon eine Zeit lang auf dem Schirm. Er hat uns nämlich letztes Jahr nicht nur den besten Ed Sheeran-Remix überhaupt geschenkt (und JA, das ist eine gewaltige Leistung, denkt nur dran wie scheiße Ed Sheeran klingt), sondern hat uns mit „Rihanna“ den Sommer 2017 versüßt. Mit „HBK“ liefert er uns nun – direkt aus dem East London-Underground – einen Langzeitspieler, der die Grätsche zwischen Mainstream-Zeitgeist und Londoner Culture kaum besser meistern könnte. Irgendwo zwischen US-Trap Einflüssen („Squeezeface“) und fröhlichen Afro Trap-Hymnen („Needed Time“) macht sich Yxng Bane mit diesem Tape auf den Weg Richtung internationaler Anerkennung – die er sich ganz nebenbei, schon längst verdient hätte.

Lieblingstracks: „Squeezeface“, „Trap“, „Late Night“ feat. Kojo Funds, DJ Tunez