Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Eine weitere Woche zwischen Stress und Prokrastination ist überstanden und auch das Wochenende ist mit den unzähligen HipHop-Releases gut gefüllt.

OG Keemo – Skalp

Nachdem sich der Mannheimer Newcomer durch Singles, EPs, unzählige Feature-Auftritte und beeindruckende Live-Performances den nötigen Respekt erkämpft hat, gibt’s nun endlich ein Album. „Skalp“ zählt zwar nur neun Tracks, diese reichen aber allemal aus, um zu beweisen, dass Keemo lyrisch und flowtechnisch viele in den Schatten stellt.

Lieblingstracks: „Vorwort“, „Mammut“

Sylabil Spill – Und Kicken

Immer in Bewegung bleiben. Seit seinem Album „Der letzte weisse König“ hat der Bonner sein Produktivitäts-Level noch einmal nach oben geschraubt. Mit „Und Kicken“ erscheint bereits die zweite EP dieses Jahr. Dargeboten wird moderner Sound zwischen Amerika und Großbritannien und wie gewohnt starke Technik und krasse Punchlines.

Lieblinsgtracks: „Amok“, „Sodawasser“

Action Bronson – White Bronco

Fernab von irgendwelchen zeitgeistigen, schnelllebigen Rap-Trends streift Action Bronson auf einer Harley umhüllt von einer weißen Rauchwolke durch organische Sound-Gefilde. Im Schlepptau Harry Fraud, Party Supplies, Knxwledge, The Special Victims Unit, Daringer und Samiyah, die sich gekonnt die genialen Produktionen der elf Tracks zuspielen – A$AP Rocky, Meyhem Lauren, Yung Mehico und Big Body Bes begleiten ihn als Feature-Gäste. Zündet die Lunten und startet die Motorräder, Freunde – Bronson hat uns ein weiteres Meisterwerk geschenkt.

Lieblingstracks: „Live From The Moon“, „Mt. Etna“

Argonautiks – Gaffa

Die Argonautiks aus Berlin sind seit Jahren im Untergrund zugange (wer treuer splash!-Mag-Leser ist, weiß, dass wir die Jungs seit mindestens 2011 supporten – damals allerdings noch in anderer Konstellation) und werden trotzdem wie Newcomer behandelt. Wahrscheinlich liegt das daran, dass sie mit ihrem Sound frischen Wind in die Szene bringen und in diesem Fall ist das wirklich keine Floskel. „Gaffa“ ist wie der Titelsong des Albums düster, melancholisch, pessimistisch und bereitet unseren Rap-Herzen trotzdem mehr Freude als so einige Mainstream-Releases diesen Jahres. Wir hoffen, dass sie mit Support von Haze und Label im Rücken endlich die verdiente Aufmerksamkeit bekommen. Geduldig waren sie jedenfalls.

Lieblingstracks: „Gaffa“, „Wunderschöne Welt“ feat. Kuchenmann

MC Bogy – 100%

Es gibt wenige Künstler, denen man ihren Erfolg mehr gönnt als MC Bogy. Berliner Urgestein, Lieblingsinterviewer deiner Lieblingsrapper, G mit Herz, Legende. An jedem Album von Bogy klebt automatisch ein Stück Berliner Rap-Geschichte. Nicht nur, weil er sehr gerne alte Geschichten in seinen Interviews auspackt, sondern weil man, wenn man sich mit Berliner Rap befasst, einfach nicht um die Bassboxxx-Koryphähe herumkommt. Ist einfach Gesetz. Also: Macht eure Hausaufgaben und hört „100%“.

Lieblingstracks: „Schockwelle“ feat. Kool Savas, „Es gibt keine Rettung“

Curren$y, Freddie Gibbs, The Alchemist – Fetti

Bereits für 2017 angekündigt, erscheint nun die lang ersehnte Kollaboration der drei Rap-Tiere. Entspannt jazzig untermalt wird das gesamte Projekt von The Alchemist, während die beiden Protagonisten auf dieser passenden Instrumentierung so fresh wie eh und je klingen. Neun Nummern, die sofort ins Ohr gehen, ob ihres Textgehalts aber mehrmals gehört werden möchten. Das Warten hat sich ganz eindeutig gelohnt.

Anspieltipps: „Location Remote“, „New Thangs“

102 Boyz – Asozial Allstars

“Please set the volume to maximum”. Die Anweisung auf “Intro” ist trotz der bittenden Wortwahl kein Kann, sondern ein verdammtes Muss. Denn die 102 Boyz flexen wie gewohnt über düster-aggressive Produktionen, die nur so nach Moshpit schreien. Sechs grundverschiedene Stimmen, die zwischen Autotune und Oldschool Gang-Loyalität und raue Hood-Realität berappen. „Asozial Allstars“ macht seinem Titel alle Ehre: ein Straßenalbum in gut gemixter Playlist-Manier.

Lieblingstracks: „Kein Benehmen“ feat. Mister Meta, Inoffiziell.Goldenboy, „Bier“ feat. BHZ

Takeoff – The Last Rocket

Drei Wochen nach dem Release von „Quavo Huncho“ erhält das jüngste Migos-Drittel seine Starterlaubnis für das Rampenlicht und veröffentlicht mit „The Last Rocket“ sein erstes Soloprojekt. Auf den spacigen Produktionen von unter anderem TM88, Cassius Jay und DJ Durel zeigt Takeoff seine lyrische Stärke und Experimentierfreudigkeit in Sachen Flow und Klangfarbe, mit dem Track „Infatuation“ feat. Dayytona Fox wagt der MC sogar einen Ausflug ins Gefilde der Popmusik. Mit seinem Debütalbum beweist Takeoff auf insgesamt 12 Tracks, dass es möglich ist aus der vermeintlich unzertrennlichen Migos-Konstellation auszubrechen und auch solo gut zu funktionieren.

Lieblingstracks: „Lead the Wave“, „Insomnia“

Yung Lean – Poison Ivy

Fast genau ein Jahr nach „Stranger“ kehrt der traurigste Sad Boy der Welt zurück und liefert uns mit „Poison Ivy“ das nächste Tape zwischen glitzernden Diamanten, Burberry und Depression. Gewohnt vielschichtige, ausgereifte Produktion aus den Zauberhänden von Whitearmor schmiegen sich perfekt an Leans melancholische Stimme, der düstere Lieder von Versagen, Verzweiflung und Trostlosigkeit singt – „Lately I’ve been making money, magic, but I’m caught up in the traffic.“

Lieblingstracks: „happy feet“, „trashy“

H.E.R. – I Used To Know Her – Part 2

H.E.R. ist nicht nur eine begnadete Sängerin, sondern glänzt auch als Songwriterin und komponiert und spielt ihre Stücke selbst ein. Die jüngsten Ergebnisse dieses beeindruckenden Skillsets sind nun auf der „I Used to Know Her – Part 2″-EP nachhörbar. Waren die Produktion des Vorgängers „I Used to Know Her: The Prelude“ geprägt von einem sphärischen und künstlichen Synth-Klangteppich, wurden diese auf dem Nachfolger durch organische Klänge von Akustikgitarre und Piano ersetzt, die wunderbar die sanfte aber dennoch mächtige Stimme der R’n’B-Hoffnung ergänzen. Insgesamt acht Tracks mit herzerwärmenden und ehrlichen Lyrics, mit denen die Künstlerin auf dem Track „Lord is coming“ auch eine politische Message zu Themen wie Materialismus und Rassismus abgibt.

Lieblingstracks: „Carried Away“, „Lord is coming“

Vince Staples – FM!

Elf kurze Nummern, eingepackt in ein Projekt-/ EP-/ Album-Format – das liefert Vince Staples 2018. Den blubbernden, elektronischen Stil seines letzten offiziellen Albums „Big Fish Theory“ ausbauend, schließt er gleichermaßen an dessen Qualität an. Lyrisch geht es natürlich wieder um die dunklen Seiten Long Beachs. Auf Vince ist eben einfach Verlass!

Lieblingstracks: „Outside“, „Fun“

Capital Bra – Allein

Mit „Allein“ wurde offiziell das letzte Album von Capital Bra in Zusammenarbeit mit Team Kuku veröffentlicht. Musikalisch ist das neue Camp schon auf „Allein“ vertreten, Features mit Samra, Bushido und Co. sind selbstverständlich – ersguterbratan eben. Seine Relevanz ist indiskutabel: Welcher Rapper hat so viele Rekorde (und sogar die Beatles überholt!) geknackt und einen (Hit-)Song nach dem anderen geballert? Eben. „Allein“ reiht sich in Capitals Erfolgsstory ein – weder drüber, noch drunter.

Lieblingstracks: „Rolli Glitzer Glitzer“ feat. Luciano & Eno, „Ya Salam“

Marvin Game – Highdrated

Nachdem der Cannabis-Connoisseur sich auf seinen vorherigen Alben „20:14“ und „20:15“ vorwiegend ernsten Themen gewidmet hat, werden auf „Highdrated“ positive Vibes in den Vordergrund gestellt. Gerappt wird natürlich über Marvins Lebensgrundlagen Weed und Wasser, Lila Scheine und Frauen kommen aber auch nicht zu kurz. Mit dabei sind neben Immer.Ready Kollegen Morten, Al Kareem und Butch auch Wanja Janeva, Chris Henry, Yonii und der Schweizer Pronto Dinero.

Lieblingstracks: „Bankaccount“, „Kein Schuss“

Bones – TheManInTheRadiator

Bones wär nicht Bones würde er nicht einfach so ein Tape mit verdammten 28 Tracks releasen. Und wäre genau das bei jemand anderem wahrscheinlich ein Kritikpunkt, ist es bei dem TeamSESH-Oberhaupt etwas durchaus Gutes. So haben wir nämlich mehr von den verstrickten Soundkonstrukten direkt aus der dunklen Unterwelt. Außerdem gibt’s ein geniales Special: Project Pat liefert einen Featurepart und somit ganz klar auch den Standout-Track des Tapes!

Lieblingstracks: „HowToRobAGrave“, „WatchingPaintDry“, „IRLNightmare“