Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Mitte Oktober kommen auf einmal die Sonne und die warmen Temperaturen zurück. Das könnte an unseren feurigen und herzerwärmenden Tapes der Woche liegen. Also geht raus, genießt das Wetter, Augen Richtung Himmel, Ohren Richtung HipHop.

Quavo – Quavo Huncho

Auf insgesamt 19 Tracks wagt es der ATL-Native aus der Comfort Zone des Migos-Kosmos herauszusteppen um auf Solopfaden zu wandeln. Allerdings muss man dabei dem Wort „Solo“ einen sehr großen Interpretationsspielraum einräumen, denn auf „Huncho“ versammelt sich auf mehr als der Hälfte der Tracks die Crème de la Crème der amerikanischen Rap-Szene. Neben Offset und Takeoff steuern auch Drake, 21 Savage, Kid Cudi, Lil Baby, Davido und Saweetie Gastparts zum Album bei. Keine großen Überraschungen, da im Vorfeld bereits bekannt. Aber Quavo hat dann doch noch ein Ass im Ärmel: Madonna! Auf „Champagne Rosé“ trifft die Queen of Pop auf die Cardi B. („Wer hat solche Kombos?“) Gemäß der Faustregel „Aller guten Dinge sind drei“ befindet sich, auch wenn nur namentlich erwähnt, eine weitere weibliche Musikkoryphäe auf dem Album. „Huncho Dreams“ scheint wohl Quavo’s Hommage auf Nicki Minajs „Barbie Dreams“ zu sein. Die Produktionen von Murda Beatz, Wheezy, Buddah Bless und Tay Keith sorgen für den gewohnt trappigen Soundteppich à la Migos, auf denen Quavo mit seinem ad-lib-signature-move flowt. Einzig „Go all the way“ produziert von Pharrell und „Swing sind durch Einsatz von Synth-Sounds und Afrobeats musikalische Ausreißer. Wie nicht anders erwartet, reiht sich auf dem Werk Banger an Banger. Leider oftmals auf Kosten der Individualität.

Lieblingstracks „Flip the Switch“, „Rerun“ , „Lost“

Lance Butters – Angst

Spoiler: „Angst“ ist das überraschendste Album des Jahres. Vielleicht haben wir Lance auch Unrecht damit getan, dass wir mit der Erwartungshaltung an das Album gegangen sind, einen logischen Nachfolger von „Blaow“ zu bekommen. „Angst“ ist kein Nachfolge-Projekt, sondern der Lektürebegleiter. Themen, die er bisher nur anriss, bekommen ganze Songs. Alles, was an der Oberfläche angekratzt wurde, wird mit in seinen „Keller“ gerissen. Lance Butters rappt auf „Angst“ über Familienzerwürfnisse, Geldsorgen und Suizidgedanken – dagegen ist sein Hass auf die Deutschrapszene zwar noch vorhanden, aber vergleichsweise unbedeutend. Hands down, „Angst“ ist nicht nur das überraschendste, sondern vielleicht auch eines der besten Alben des Jahres.

Lieblingstracks: „Kuchen“, „Keller“

Soulja Boy – King

„In this world you either crank that soulja boy or it cranks you” – diesen Spruch scheint sich Soulja Boy zu Herzen genommen zu haben, denn kaum eine Woche nach dem Release von „Young Drako“ dropt SB das nächste Projekt „King“. Mit Unterstützung von Chief Keef, 24hrs und Buddy Sean Kingston flext DeAndre über 808 Bretter und liefert den gewohnten Soulja Boy Sound. Bei so viel Grind sind wir gespannt, ob sich zu der bereits vierten Veröffentlichung dieses Jahres noch weitere Projekte einreihen werden. Eine solide Soulja-Boy-Platte ohne großartige Überraschungen.

Lieblingstrack „Woo“

Lil Tracy – Designer Talk

Die Mixtape-Mania geht weiter! Kaum zählbar sind die Releases von Lil Tracy, dem das musikalische Talent als Sohn von Shabazz Palaces-Mitglied Ishmael Butler wohl in die Wiege gelegt wurde. Und auch wenn sein musikalischer Begleiter Lil Peep vor nicht allzu langer Zeit von uns gegangen ist, gibt es für Tracy wenig Zeit zum Trauern: In erster Linie geht es um den Flex per se, die Mädels und die Drogen. „I’m on top of the food chain, I’m a T-Rex.“ Doch auch die Schattenseiten bleiben nicht unbeleuchtet, Tracy schlägt sich mit dem Fame rum und versucht immer noch, einen Sinn im Leben zu finden. Hoffentlich gelingt ihm das bald, solange genießen wir die unterhaltsame und atmosphärische Musik, die auf der Suche entsteht.

Lieblingstracks: „10 racks!“ & „god knows“

Ella Mai – Ella Mai

„Emotion, a natural instinctive state of mind deriving from one’s circumstances, mood or relationships with others, a rollercoaster“. So kündigt Ella Mai im Intro ihres selbstbenannten Debütalbums, produziert von DJ Mustard, die 15 folgenden Tracks an. Der Song „Good Bad“ läutet dann mit Trompeten und einem dadurch erzeugten Soul-Feeling, unterstützt von Ellas voller, aber dennoch federleichter Stimme, das R’n’B-Projekt ein. Auf „Dangerous“ erleben wir sie dann im ersten Verse in fast rappender Manier, die durch den pushenden Beat auch wirklich gefährlich wirkt. „Trip“ fängt sowohl instrumentell als auch vokal das Gefühl, in der Liebe einerseits geborgen und gleichzeitig verloren zu sein, passend ein. Pop- und Funkeinschläge folgen bei „Whatchamacallin“ und „Own It“ und „Cheap Shot“ erinnert uns alle an das erdrückende Gefühl, den Schmerz hinter Zigarettenrauch und Drinks zu verstecken. Der Backgroundchor und die heftig downgepitchte Hook-Stimme auf „Shot Clock“ liefern einen der interessantesten, atmosphärischsten Tracks des Albums. Zu ihrer Brackthrough-Ballade „Boo’d Up“ muss wohl nicht mehr viel gesagt werden. Das pianolastige „Gut Feeling“ mit H.E.R erfüllt wohl jeden mit Ehrfurcht, vor den Stimmen der beiden Queens, die nicht von dieser Welt zu kommen scheinen und unsere kühnsten R’n’B-Träume wahr werden lassen. Nach diesen vielen emotionalen Explosionen gibt’s dann auf „Easy“ nochmal eine klare Ansage: „Love is easy, so don’t you make it hard“. Ein Album wie eine vokale Achterbahn. Ella schöpft mit ihrem Whitney Houston-ähnlichen Klangumfang nahezu alle Emotionen aus, die jeder kennt und unweigerlich mitfühlen muss, wenn sie diese besingt. Und diesen Titel hat sie sich nach dem Nachfolger der letztjährigen „Ready“-EP mehr als verdient. Nur wenige Songs laufen unbemerkt durch, fast jeder Track kann „Boo’d Up“ das Wasser reichen oder sogar darüber hinaus strahlen. Und am hellsten am R’n’B-Himmel strahlt gerade auf jeden Fall Ella Mai!

Lieblingstracks: „Dangerous“, „Trip“

Miami Yacine – Designer

Ein Thema sorgte in letzter Zeit auf den Schulhöfen, Campussen und Büros der Republik für großes Aufsehen: Was ist mit Miami Yacine los? Warum postet er seit Mitte September kaum noch neue Stories? Die Auflösung gab es heute Nacht, als der KMN-Member seine neue „Designer“-EP auf den bekannten Streaming-Portalen online stellte. Schon die ersten beiden Namen des ersten Tracks sind Designern gewidmet. Passt natürlich zum Thema der Kompilation. Protzen mit Mode, Autos und Frauen zieht sich als roter Faden durchs Werk. Alles beim Alten also? Ja. Selbst die klassischen Afro-Beat-Songs fehlen, mit „International“ und dem im Vorfeld ausgekoppelten „Testarossa“, unter den vier Liedern nicht. Miami Yacine bleibt seiner bisherigen Linie treu. Kurzweilige Musik, die dem Hörer Freude bereiten soll und sich nahe am amerikanischen Soundbild bewegt. Tiefschürfende neue Erkenntnisse muss man hier nicht erwarten. Eher bekommt man mehr vom Gleichen – das Hitlevel von „Kokaina“ bleibt dabei aber unerreicht.

Lieblingstrack: „International“