Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Endlich wieder Wochenende, oder Leute? Und was würde unseren Start in die verdienten freien Tage besser gestalten, als eine Portion frischer, exquisiter Tapes. Mit dabei natürlich Bonez MC & Raf Camora, Sheck Wes, Gunna & Lil Baby, Chester Watson, Jugo Ürdens und ERRdeKa. Schönes Wochenende!

Sheck Wes – Mudboy

Sein Banger „Mo Bamba“ von 2017 hat jetzt endlich ein Zuhause: Sheck Wes‘ Debütalbum „Mudboy“ (ist übrigens jemand der aus armen Verhältnissen kommt und something out of nothing gemacht hat). Neben Co-Signs von Ye, Pusha, Travis Scott und Lil Yachty hat er auch schon für große Marken gemodelt und kurz vor Release des Langzeitspielers eine beeindruckende Merch-Range veröffentlicht. Auf „Mindfucker“ bekommen wir zunächst ein creepy-trappiges Instrumental zu hören bis Sheck gegen Ende mit feurigem Flow das 14 Track starke Album eröffnet. Daraufhin folgt dann das bereits erschienene „Live Sheck Wes“ und die trippy Auskopplung „Chippi Chippi“. Auf „Gmail“ erklärt er dann endlich seinen Hang zur Verwendung des echt unschönen Wortes „Bch“: „It’s the only word / Where I can feel and hear all my anger“, er wolle damit aber keine Frauen blamen. Dann deckt er zwischen dem Balladen-ähnlichen „Never Lost“ und „Fuck Everybody“ mit aggressiver Hook ganz nach unserem Geschmack ein verdammt breites Spektrum ab. Die Trapeinflüsse sind unbestreitbar, aber Wes verpasst ihnen eine ganz eigene Note. „Vetements Socks“ fällt dann melodisch mit Piano und Gitarre komplett aus der Reihe, bildet aber trotzdem ein wunderschönes Outro zu einem sehr gelungenen Debüt. Vielleicht war Sheck Wes‘ Einstieg in die Musikwelt mit „Mo Bamba“ einfach zu krass, so dass man sich von dem Album mehr erwartet hat, als irgendjemand jemals schaffen hätte können. Viellicht bleibt deshalb auch „Mo Bamba“ der krasseste Hit auf dem Album – heißt aber nicht, dass „Mudboy“ und seine Experimentierfreudigkeit nicht die notwendige Innovation in die teils festgefahrene Rap-Welt bringt.

Lieblingstracks: „Mo Bamba“, „Wanted“, „Fuck Everybody“

Jugo Ürdens – Yugo

Schon auf dem ersten Track auf Jugos Erstling trifft uns sein ironisches Gepose wie ein harter Schlag mitten ins Gesicht – und zwar weniger ironisch, dafür aber mehr Gepose. Geht man davon aus, dass sich das klassiche „Schaut her ich bin ein Rapper und hab‘ alles was ich will“-Gehabe von „Meier“ durch das gesamte Projekt zieht, liegt man ziemlich richtig. Aber: Jedes gute Rapalbum braucht ein bisschen Gepose – vor allem wenn man dabei so charmant bleibt, wie Herr Ürdens! Spätestens die sanfte Stimme von FuturesFuture-Kollege Edwin erwärmt uns dann auf „Allegro“ nochmal richtig das Herz, während Jugo weiterhin mit massig Wiener Schmäh seine Glatze poliert und die Girls verführt. Die teils wahnsinnig großen Erwartungen auf Jugo Ürdens Debütalbum sind beinahe alle übertroffen worden – die Vorab-Singles bleiben die Hits und die neuen Tracks werden zu dem Fundament eines verdammt stimmigen Langzeitspielers. Außerdem stammen die Produktionen auch aus Jugos Händen, was sein musikalisches Talent noch ein bisschen mehr in Vordergrund rücken lässt.

Lieblingstracks: „Immer“, „Sag mir“, „Allegro“, „Allein“

Gunna & Lil Baby – Drip Harder

Die ATL-Natives bereichern die Musikszene in ihrer Hood zurzeit wie kaum jemand anderes. Jetzt haben sich Gunna und Lil Baby zusammen getan für das 13 Track starke Kollabo-Projekt „Drip Harder“. Das bereits releaste „Drip Too Hard“ hat sich schon längst als Szenebanger bewiesen. Durchgehend trappige Beats werden nur unterbrochen vom recht pop-lastigen „Deep End“ und den Featuresongs mit Lil Durk, NAV, Drake und Thugger – wobei vor allem das atmosphärische, etwas düstere „Never Recover“ mit Drizzy besonders heraussticht. Produzent Turbo hat dabei eine ausgesprochen solide Arbeit geleistet, Abwechslung bieten die Soundgerüste jedoch nur an den wenigsten Stellen was zwar perfekt zum Nebenbeihören des Ganzen geeignet ist und „Drip Harder“ zu einem insgesamt sehr rundem Projekt werden lässt, jedoch leider wenig krasse Banger liefert, die lange in Erinnerung bleiben werden. Nichtsdestotrotz zeigen Gunna und Lil Baby Track für Track ihren einzigartigen Sound, führen damit ihre „Drip“-Serie (Gunna) und die „Hard“-Reihe (Lil Baby) würdig fort und machen neugierig auf weitere Projekte des Duos.

Lieblingstracks: “Belly”, “Never Recover”, “My Jeans”

Chester Watson – Project 0

Gleich zu Beginn: Chester Watsons 2014-Tape „Tin Wooki“ ist und bleibt wohl einer der besten Langzeitspieler aller Zeiten! Das sein unvergleichbares musikalisches Feingefühl seit dem ins unermessliche gewachsen und nicht weniger geworden ist, war eigentlich nur zu erwarten. Ohne Ausnahmen liefert der North Miami-Artist seit Beginn teils sanfte organische, teils klimpernd-verstrickte Soundkonstrukte, die sich dank wunderschön arrangierter Synths und detailverliebten Drums immer wieder selbst übertreffen. Ja, Chester Watson ist unserer Meinung nach wohl einer der talentiertesten Künstler alive. Das beweist auch sein neues „Project 0“ – ohne viel Drum Herum philosophiert Chester über das Leben und das Versagen, das damit einher geht – gekonnt wirft er mit Worten um sich, die poetischer kaum sein könnten. Sein beinahe lethargischer Laid-Back Flow zieht sich durch alle zehn Anspielstationen und macht Features (bis auf Kent Loon auf „Chessmaster“) komplett überflüssig. Wahrscheinlich wird kein Tape von Chester Watson jemals „Tin Wooki“ übertreffen, das ist aber nicht weiters schlimm. „Project 0“ steht seiner restlichen Diskographie in nichts nach, vor allem nicht, wenn man weiterhin von so viel Musikalität und Lyrik begeistert wird.

Lieblinsgtracks: „Long Story; Short“, „Oblivion“, „Floating“, „Underworld“

ERRdeKa – Liebe

Nach fast drei Jahren kommt ERRdeKa mit gleich zwei Alben zurück. Anfang des Jahres ist bereits das recht ernste „Solo“ erschienen und nun folgt das zum Zurücklehnen und Relaxen einladende „Liebe“. Nach der Trennung von Keine Liebe und dem stärkeren Widmen des eigenen Eyeslow-Labels mit Big B und Janisis holt sich ERRdeKa auch einen neuen Produzenten ins Studio. Dvnny Drvmv verpasst jedem der 15 Tracks ein ganz eigenes Soundbild und holt sich dabei natürlich Inspo aus der HipHop-Welt, aber auch aus seiner eigenen Tech-House-Szene. ERRdeKa lässt sich nun mal nicht in eine Schublade stecken und beweist nach Punchlines auf „Rapunderdog“ und deepen Texten auf „Solo“, dass er auch einfach über stimmige Beats flowen und sich ausprobieren kann. Die Auskopplungen „Schulden“, „Ethanol“ und „Liebe“ haben auch schon verdammt gut produzierte Visuals, die unterschiedlicher nicht sein könnten. „Dystopia“ stimmt dann auch nochmal ernstere Töne an und gibt dem Ganzen eine schöne Abrundung. Insgesamt ein sowohl instrumental als auch vokal sehr interessanter Langzeitspieler, der perfekt zum Nachdenken, Baden, Feiern, Kiffen, auf Arbeit hören – ja eigentlich für alles geeignet ist.

Lieblingstracks: „Roll das Paper“, „Tiltshift“

RAF Camora & Bonez MC – Palmen aus Plastik 2

Zwei Jahre ist es her, dass RAF Camora & Bonez MC mit „Palmen aus Plastik“ das erfolgreichste Deutschrap-Album der letzten Jahre veröffentlicht haben. Von den ausverkauften Touren, Platin-Schallplatten und sonstigen Money Moves brauchen wir gar nicht zu sprechen – wer Nachholbedarf hat möge Bonez Instagram-Account studieren. Bei solch einem Erfolg sind natürlich auch die Ansprüche utopisch. Konnten sie erfüllt werden? Nein. Ist es trotzdem ein gutes Album? Ja, auf jeden Fall. Bonez & RAF schaffen es nicht, das Rad neu zu erfinden bzw. in diesem Fall ihrem eigenen Rad fettere Felgen überzustreifen. „Palmen aus Plastik 2“ ist die logische Nachfolge, aber keine obligatorische Weiterentwicklung vom Erstlingswerk. Aber auch das ist OK. Das Album erfüllt seinen Zweck und bei dem Potpourri aus Dancehall, Reggae, Afro-Trap und – schlicht und ergreifend – Rap bleibt keiner im Club mit verschränkten Armen stehen. Die schon bekannten Auskopplungen sind Ohrwürmer, mit „Nein“ und „Nummer unterdrückt“ liefern RAF & Bonez zwei laid back Reggae-Songs und mit „100“ feat. Trettmann haben wir vermutlich einen Favoriten.

Lieblingstracks: „100“, „Nummer unterdrückt“