Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

S/o an all unsere Leser, Fans und Freunde: wir haben wieder eine Woche überstanden. Als kleines Geschenk gibt’s deshalb wieder die besten Tapes der Woche schön sortiert, analysiert und für euch aufbereitet.

6LACK – East Atlanta Love Letter

Aus Liebe, Schmerz und Verlust entsteht nun mal die beste Musik, wie auch 6lack weiß: „I can’t ignore life“ (“Scripture”). Wer bei dem 14 Tracks starken “East Atlanta Love Letter” jetzt aber an ein schnulziges, romantisches, cringy Album denkt, liegt mehr als falsch! Was euch erwartet, sind Texte, die Gefühle wirklich mal in Worte fassen gepaart mit Vocals und Sounds, die Stimmungen nicht perfekter einfangen könnten. Die Tracks hören sich nach jemanden gehen lassen, einen Fehler machen und sich frisch verlieben an. So hört man aus „Loaded Gun“ und „Balenciaga Challenge“ den Kampfgeist raus, der durch einen pushenden Flow und vorantreibenden Beat erzeugt wird. „Sorry“ treibt einem mit weit in die Ferne abschweifenden Instrumentals und Gesang die Tränen in die Augen, während einen „Seasons“ mit RnB-Rising Star Khalid durch smoothe Soundkonstrukte quasi zum leicht fühlen und lächeln zwingt. So bringen die restlichen hochkarätigen Features J. Cole, Offset und Future auch ihren eigenen Vibe mit, der sich teils in starken Trap-Einflüssen widerspiegelt. Interessanterweise schließt 6lack die LP mit einer Hommage an Eminem’s Track „Stan“ und besiegelt damit eines der schönsten emotionalen Alben, die R’n’B bisher hervorgebracht hat – ein Liebesbrief an alle HipHop-Heads. So hören sich Gefühle an, Leute.

Lieblingstracks: Alle !!!

Octavian – Spaceman

Als wir Ende 2017 über Octavians „Party Here“ gestolpert sind, waren uns sofort klar, dass da noch einiges auf uns zu kommen wird. Ein bisschen über ein halbes Jahr später, sind wir fest davon überzeugt, dass ser French-born-London-based Rising Star ganz vorne in der Next Generation UK Rap mitspielt – Support von Drake hin oder her. Diese Props sind nämlich allerspätestens nach „Spaceman“ nicht mehr ausschlaggebend (sorry Drake) – Octavian kann nämlich auch ganz gut alleine. Ausgefeilte Produktionen ziehen sich wie eine Ader aus den verschiedensten Einflüssen zwischen Drill, Afro-Beats, fröhlichen Clubsounds und trappigen R&B-Anleihen durch den kompletten Langzeitspieler während zwischen durch immer wieder wummernde Bässe unsere Trommelfelle penetrieren. Genre? Nicht definierbar und vielleicht genau deshalb so relevant und repräsentativ für die nächste Generation UK-Rap.

Lieblingstracks: „Lightning“, „Break That“ feat. Suspect, „Don’t Cry“, „Move Faster“

Noname – Room 25

Es ist jetzt schon eins der besten Songwritings, das wir dieses Jahr zu hören bekommen. Nachdem Noname 2016 ihr Mixtape „Telephone“ droppte, das ihre lyrische Leidenschaft schon andeutete, ist ihr Debütalbum „Room 25“ ein Meisterwerk der Lyrik. Den jazzy Sound ihres vorangegangenen Projekts behält sie bei, erweitert ihre Inhalte aber um Beziehungen, Religion, politische Kritik und Selbstfindung. Mit Gospelsounds im Hintergrund und ihrer teils beruhigenden Hörbuchstimme, teils schnellem cleanem Flow führt sie uns durch elf sehr unterschiedliche Songs. „Window“ feat. Phoelix (der übrigens Producer der LP ist) bietet eine akustische Tiefenentspannung, der Beat von „Blaxploitation“ ist hingegen funky und bouncig. Auf „Ace“ kommen dann dank Smino und Saba Pop-Elemente durch, während auf „Prayer Song“ der melodische Part starken Aussagen weicht: „Politicians overzealous with the provolone, they crashed the rental with God and temple, and bible. Don’t nobody got no holy.” Harte Lines, die zum Nachdenken anregen. Aber über eins müssen wir nicht nachdenken: dass uns Nonames Musik heilig ist. Denn trotz dem ihr Album durch die krasse Diversität (es könnte halt for real im Massagetempel, in einer Bar und bei einer Demo gleichzeitig laufen) vielleicht das ein oder andere bisschen Kohärenz einbüßen muss, sind ihre Texte und Sounds der frische Wind, den wir in unseren HipHop-Segeln brauchen.

Lieblingstracks: „Part Of Me“, „Prayer Song“

Ghetts – Ghetto Gospel: The New Testament

Der erste Teil von „Ghetto Gospel“ ist mittlerweile schon knapp elf Jahre her – ja, ELF Jahre (wir werden alt!). Klar gab’s zwischendurch massig andere Releases, nun wird aber das neue Testament geschrieben. Ghetts war, ist und wird für immer eine der einflussreichsten Grime Koryphäen bleiben. Das steht außer Frage, auch wenn es ihm immer schon schwer gefallen ist internationale Mainstream-Gefilde zu befriedigen – vielleicht liegt das an den Bars, die für den internationalen Rap-Hörer zu aggressiv und verstrickt sind, oder doch an den Produktionen, die 2018 immer noch an frühere Grime-Zeiten voller Piraten-Radiosender erinnern. Vielleicht ist Ghetts‘ Sound eben einfach zu sehr OG Grime für Mainstream-Ohren. (Jeder der jetzt mit „aber Stormzy blabla..“ komm hat keine Ahnung von Grime) Auch auf seinem neusten Album „Ghetto Gospel: The New Testament“ ändert sich daran nicht wirklich viel. Immer noch hört man die Garage-Einflüsse klar heraus und immer noch nicht beugt sich Ghetts irgendwelchen Normen, die vielleicht zu mehr Spotify-Klicks führen würden. Trotzdem findet man zwischen durch auch ein paar Hits, die über den Ärmelkanal überschwappen könnten („Slumdog Millionaire“ mit Stefflon Don und „Preach“ mit Donae’o). Aber nur weil sich irgendein Rapfan hierzulande nicht mit dreckigen Grime-Tracks anfreunden kann, heißt das nicht, dass Ghetts nicht trotzdem ein verdammt geniales Album abgeliefert hat.

Lieblingstracks: „Black Rose“ feat. Kojey Radical, „Purple Sky“, „Caution“

Knowsum – Fünf

Zwischen all den wunderbaren Rap-Tapes gibt’s diese Woche auch wieder feinste Beat-Kost für euch. Knowsum schickt uns nämlich mit „Fünf“ die perfekte musikalische Untermalung für ein entspanntes Wochenende. Über die Mainzer Qualitätsschmiede Sichtexot erreichen uns auf neun Anspielstationen feinste Jazz-Anleihen, perfekt arrangierte Drums und warme Wohlfühl-Keys. Knowsum streichelt mal wieder unsere Seele, danke dafür!

Lieblingstracks: „Birmingham“, „One Sense“, „Primrose“

Haszcara – Polaris

Wir schwelgen immer noch in den schönen Erinnerungen an Haszcaras furiosen splash! Auftritt auf der hoe_mies-Stage und wünschen uns diesen Moment zurück. Umso mehr freuen wir uns über das heutige Release von „Polaris“. Unschlagbare Skills am Mikrophon, durchdachte Produktionen die alle Köpfe zum Nicken bringen und ganz klar ihre Stärke: schlagkräftige Punchlines und tiefgründige, relevante Texte, die man im Rap und auch sonst nirgends wo missen will – und das alles auf Albumlänge. Also hört hin Leute, Haszcara hat was zu sagen!

Lieblingstracks: „Lauter Rapper“, „Rachen und nix tun“, „Nachtdepression“

Rola – 12:12

Mit ihrem RnB-Sound, der stark an TLC erinnert, gibt Rola einem dieses nostalgische Throwback-Gefühl. Genau das führt sie auf ihrem Debütalbum „12:12“ fort und verarbeitet gleichzeitig aktuelle Themen, die die junge Gen beschäftigen. Auf der Auskopplung „Akku leer“ mit Olexesh (Was weird klingt, aber wunderbar funktioniert) spricht sie die Kurzlebigkeit und das gestellte Leben im Social Media-Kosmos an. Der Leadtrack „Himmel- und Talfahrt“ motiviert zum Weitermachen, was früher so leicht fiel, aber manchmal unmöglich scheint. „Chilln“ bringt nochmal den Sommerparty-Vibe über Deutschland. Neben ihrem Sound sind auch Rolas Visuals mehr als empfehlenswert, die Kreativität bis ins Unermessliche pushen.

Lieblingstracks: „Chilln“, „Himmel- und Talfahrt“

Alligatoah – Schlaftabletten, Rotwein V

Lang ist es her, seit Alligatoah den Vorgänger „Schlaftabletten, Rotwein IV“ veröffentlicht hat. Vom Untergrund katapultierte sich Alligatoah in den letzten Jahren an die Spitze der Charts und kehrt nun zu den Anfängen zurück. Nun also der fünfte Teil. In diesem springt Alligatoah wieder einmal von Thema zu Thema ohne uns mit Verwirrung zurück zulassen und erzählt Geschichten, bei denen man sich einfach zurücklehnen und zuhören kann – „Rap braucht wieder einen Märchenerzähler“ heißt es im Intro „Alli-Alligatoah“. Ganz nebenbei befasst sich Alligatoah aber auch mit gesellschaftskritischen Themen und geht mit diesen spielerisch und witzig um, wobei der Denkansatz nie zu kurz kommt. Das Soundbild ist wie immer ein gewolltes Chaos voller verschiedener Einflüsse – Im Grunde fallen einem bei jedem Mal hören neue Kleinigkeiten auf, was Alligatoah als einen der besten Komponisten im Deutschrap nur bestätigt.

Lieblingstracks: „Beinebrechen“ feat. Felix Brummer, „Meinungsfrei“, „Terrorangst“