Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Endlich Wochenende, unendlich viele Tapes hören – wir haben hier in Berlin wunderschönstes Wetter und sind deshalb doppelt so gut gelaunt. Dazu kommen noch die Alben, Mixtapes und EPs der vergangenen Woche und unsere Stimmung könnte nicht höher steigen. Also genießt, Freunde des gepflegten Sprechgesangs.

Yung Hurn – 1220

Obwohl Yung Hurn aka Yung Süssi aka Falco Süssgott mit sechs Tracks beinahe die Hälfte des Albums im Vorfeld releaste, ließ die Spannung auf „1220“ nicht nach. Die romantische Ader des Wiener Künstlers, die er uns bereits auf der „Love Hotel EP“ in all ihren Facetten offenbarte, kommt durch Tracks wie „Fühlen“ oder „Leg dich hin“ nicht zu kurz. Gleichzeitig hält der Patron durch seine charmante Arroganz die Balance und liefert ein abwechslungsreiches Album, das auch nach dem fünften Mal Hören nicht langweilt.

Lieblingstracks: „Was sie will“, „Bist du alleine.“

Rae Sremmurd – SR3MM

Die Gebrüder Sremm liefern uns heute ihr Sequel zu SremmLife und SremmLife 2. Wie die insgesamt 27 Tracks der dreiteiligen LP, bestehend aus dem gemeinsamen Album „SR3MM“, Swae Lees „Swaecation“ und Slim Jxmmis „Jxmtro“, sind auch heftige Feature-Gäste über das Projekt verteilt. Mit Hilfe von Future, Travis Scott, Thugger etc. und Produzent Mike Will Made It propagieren die Bros wieder ihr Sremmlife, voller Spaß, ohne Sorgen, werden zwischendurch aber thematisch auch etwas ernster („Offshore“, „Close“). Lee rappt auf wolkigen R&B-Sounds, während Jxmmi über eher klassische Beats spittet. Naja, was heißt spitten – Rae Sremmurd hat nun mal nicht die dopeste Technik, den krassesten Flow oder ausgefallensten Autotune. Aber was sie so erfolgreich und ihre Musik so catchy macht, ist der Spaß und die Energie, die die Interscope-Records-Signings mal wieder über 90 Minuten hinweg versprühen.

Lieblingstracks: „Guatemala“, „Changed Up“, „Powerglide“

Royce da 5’9 – Book Of Ryan

Näher werden wir Ryan Montgomery aka Royce Da 5’9‘ wohl nie mehr kommen. Für sein Album „Book Of Ryan“ öffnet er Herz & Kopf und gibt uns einen Einblick in sein zugegebenermaßen abgefucktes Leben. In 21 Songs, inklusive Intro und Remix, nimmt er uns mit auf seine Reise – vom Weihnachtsessen im Haushalt Montgomery voller Gewalt („Power“) über seine Drogenvergangenheit („Cocaine“) bis hin zu den Träumen des kleinen Ryan („My Parallel“). Die drei Skits rahmen das Concept-Album dabei perfekt ein. Aber Nickel Nine wäre nicht seit 1995 (scheiße, gab’s da überhaupt schon Autotune) im Biz, wenn er neben den starken Texten nicht auch sicke Beats parat hätte. Neben hämmernden, klassischen HipHop-Sounds werden auch Instrumentals von Klavier und Glocken, gepitchte Gitarrenklänge und sogar Synth-Elemente in die Kapitel des Buchs eingebaut. 5‘9’s recht harter Stil wird unterbrochen von gesungenen („Cocaine“) und hörbuchähnlichen Tracks („Legendary“). Und um dem ganzen noch die Krone der Concept-Album-Perfektion aufzusetzen, holt sich Royce hochkarätige Features wie seinen Bad-Meets-Evil-Mate Eminem sowie J.Cole, Pusha T und T-Pain ins Studio und stimmt die Sounds der Songs auf seine Gäste ab. Also gönnt euch ‘nen Tee, lehnt euch zurück, öffnet die erste Seite und genießt das „Book Of Ryan“.

Lieblingstracks: „Dumb“, „Summer On Lock“

Felix Krull – Almantape 2

Der Alman aka Mister Weltweit ist zurück. Wer von „Alman Tape“ nicht genug bekommen konnte, darf sich jetzt über die Fortsetzung „Almantape 2“ freuen. In Tennissocken und Adiletten werden wieder humorvoll deutsche Klischees gerockt. Auf Tracks wie „Uwe“ oder „Vamos a La Playa“ (feat. Nuro) gibt es mit melodischen Dancehall- und Reggaebeats Summer Vibes. Im Kontrast dazu liefert er mit „Boris Becker“ auch einen trappigen Song. Unter den Features befinden sich Nuro, der bereits auf Alman Tape vertreten war, Kitty Kat und Money Boy, von dem es einen überraschenden englischen Part auf „Hofbräuhaus“ gibt. Zum Tape lässt sich sagen: Felix Krull ist nich nur korrekt wie ein Alman – nein er kann auch dichten wie Alman.

Lieblingstracks: „Uwe“, „Ciao Leben“, „Hofbräuhaus“

Cuco – Chiquito

Bereits letzten Sommer machte Cuco mit seinem Song „Lo Que Siento“ unter anderem Kevin Abstract und Steve Lacey auf sich aufmerksam. Wieder pünktlich zur warmen Zeit liefert er jetzt mit der „Chiquito EP“ neue 20 Minuten gute Laune. Dabei beschränkt sich der 18-Jährige selten auf Hip-Hop, sondern spielt auch sehr gern mit psychedelischen Gitarren-Sounds á la Tame Impala. Mit Songs wie „Sunnyside“ oder „Summer Time High Time“ ist dann auch eigentlich schon alles gesagt. Ab nach draußen in die Sonne – mit dieser Musik im Hintergrund!

Lieblingstracks: „Sunnyside“, „Summer Time High Time“, „CR-V“

Big Pat – Nova

Straight aus dem Schöneberger Untergrund gibt es neuen freshen Sound auf die Ohren. „BHZ pumpen sie jetzt überall“ – ist da Motto und wir schließen uns dem an. Nach der „Monk“-EP veröffentlicht BHZ-Member Big Pat sein Soloprojekt „Nova“. Auf den fünf Tracks dürfen natürlich Ion Miles, Monk und Gideon Trumpet als Featuregäste nicht fehlen. Die Videoauskopplung zum Song „Sippe Slow“, der von Monk produziert wurde, gab bereits letzte Woche ein Einblick in das Soundbild von „Nova“. Jungs macht weiter so, wir feiern es!

Lieblingstracks: „Sippe Slow“, „Keiner kommt klar“

Ahzumjot – RAUM

Ahzumjot geht den Drizzy-Way und veröffentlicht mit „Raum“ kein Album oder Mixtape, sondern eine Playlist. Anders als der Kollege aus Toronto jedoch, hat er sein Konzept des Formats um einen wichtigen Aspekt erweitert: Eine gute Playlist braucht Zeit. Die hat Alan sich genommen und ihr über mehrere Monate Songs hinzugefügt, bis er das Projekt gestern mit dem erscheinen der Songs „Raum“ und „Raus“ als abgeschlossen erklärte. Auch wenn die Einflüsse des Rappers Schrägstrich Produzenten ziemlich klar zu hören sind, geht er Clichés ausgelutschter Trends aus dem Weg oder auf eigene Art anders an. Features wie Credibil oder Chima Ede sind auch nie falsch. Insgesamt ist „Raum“ trotz Ausflügen in andere Genres in sich sehr stimmig und würde auch als Album sehr gut funktionieren.

Lieblingstracks: „Atme Gold“, „Angst vor mir“, „Nur dass du weißt“