Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

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Wir sind von den Releases der Woche ausnahmslos überzeugt und überwältigt. Schaut doch mal durch, denn wir hoffen, dass euch das Gleiche widerfährt.

Rejjie Snow – Dear Annie

Seit 2013 und der bahnbrechenden EP „Rejovich“ warten wir auf ein Album des Dubliners Rejjie Snow. Fünf Jahre später ist es mit „Dear Annie“ endlich soweit und beweist: Gut Ding will Weile haben. Das Album ist von vorne bis hinten durchdacht, schafft es aber trotzdem eine romantische, verträumte Atmosphäre zu schaffen, was nicht zuletzt an Rejjies unverwechselbarer Fähigkeit, Stimmungen in Songs einzufangen liegt „Dear Annie“ basiert auf „der kleinen Waisen“, deren Geschichte im Musical „Annie“ verarbeitet wurde. Unter anderem sorgen das Cover, der Aufbau des Albums und die zuvor releasten EPs dafür, dass „Dear Annie“ ein reines Referenzen-Massaker ist. Wir sind entzückt und sind uns sicher, dass dieses Album in so einigen Bestenlisten zum Jahresende auftauchen wird.

Joji – In Tongues (Deluxe)

Die „In Tongues“ EP erschien eigentlich schon letzten November. Mit minimalistischer Instrumentierung und wunderschöner Stimme sang der junge Mann, der einst als FilthyFrank das Internet terrorisierte, über Liebe und innere Dämonen. Die Deluxe Version des Tapes gab es am Valentinstag als romantisches Geschenk, neben den Originaltracks gibt es darauf acht Remixversionen unter anderem von Lapalux, Ryan Hemsworth und Lunice, die den Songs nochmal einen neuen Touch verpassen. Das rangiert zwischen R’n’B-artigen Ensembles und housigen Knallern und überzeugt uns davon, dass Joji nicht nur Melancholie kann.

Onra – Nobody Has To Know

Den meisten Lesern wohl durch seine „Chinoiseries“ bekannt, lässt Onra das Nebenprojekt mal liegen und releast ein neues Projekt aus der Hauptdiskographie. „Nobody Has To Know“ schließt im Soundbild an den Vorgänger „Fundamentals“ an, das bedeutet R’n’B-Vibes to the fullest. Diesmal allerdings ohne (Sprech-)Gesangsfeatures, dafür mit fein selektierten Vocalsamples, die durch die Tracklist hinweg die Geschichte einer heimlichen Affäre entfalten. Verdammt dope Beatkunst und schon lange mehr als nur 08/15-LoFi Chill Hop-Bedroomproduzenten-Produkt.

Haze – Die Zwielicht LP

Haze hat Karlsruhe in den letzten Jahren auf die Deutschrap-Landkarte gesetzt. Punkt. Und das auch noch komplett berechtigt, denn der junge Herr vereint authentische Geschichten und Beobachtungen aus der Hood mit einer brachialen Untergrundeinstellung so gut auf klassischen Samplebeats, dass er das perfektioniert, was die Riege Alles Oder Nix seit Jahren versucht. So auch auf dem 17 Track starken neuen Album, auf dem schnell deutlich wird, dass das Leben in Karlsruhe nicht unbedingt einfach zu sein scheint. Features kommen u.a. von Sido, Nate57 und dem langjährigen Begleiter Svaba Ortak.

Nepumuk – Der Film OST

Es ist schon eine Weile her, dass Knowsums rappendes Über-Ich Nepumuk einen einstündigen Film veröffentlicht hat, der bei uns sowohl Amüsement als auch Konfusion auslöste. Auf 36 Tracks führt uns der Sichtexot durch die Wüste der Dopeness und sorgt für ordentlich Schmunzelei und Kopfzerbrechen, jetzt gibt es auch ein physisches Release ohne Videospur. Beats kommen größtenteils von Knowsum, ansonsten haben Tufu, Rice Master Yen, Howie Wonder und Gliq geholfen, Raps kommen neben dem Nepumuk aus den Federn von Ali Whales und Eloquent. Pure Dopeness aus dem Untergrund.

Sylabil Spill – Auf Grime EP

Sylabil Spill ist schon lange nicht mehr der ewige Untergrundrapper mit den Jazz-Sample-Beats und dem polternden Flow. Nach dem Kopfticker-Release „Der Letzte Weisse König“ kommt jetzt mit einiger Verzögerung die „Auf Grime“ EP – und schon wieder deutliche musikalische und persönliche Entwicklung: Der UK-Sound wird nach Alemania geholt und überraschend stimmig umgesetzt, Spills Flowvariationen sind noch feinschliffiger geworden und die Lyrics nicht nur angriffslustig, sondern ebenso introspektiv. Und wen das noch nicht catcht, sollte sich die Track wenigstens wegen der Beat geben, die einem das Trommelfell aus den Ohren knallen.

BbyMutha – BbyShoe EP

Bei BbyMutha ist der Name Programm. Wir verneigen uns vor der Rapperin aus Chattanooga, Tennessee, die neben der Kindererziehung auch mal eben eine EP nach der anderen raushaut. Noch vor zwei Wochen gab es das verfrühte Muttertagsgeschenk „Muthaz Day 2“, jetzt erschien die „BbyShoe“-EP. Das Family-Business hat BbyMutha jedenfalls perfektioniert, z. B. ist Tochter Khloe einfach mal für ihr Voicetag verantwortlich. Die „black Marge Simpson of Rap“ bricht mit allen Konventionen und liefert auch mit der aktuellen EP ein ausgefallenes Stück Musik. Besonders spannend: „Ungrateful“ auf einem Suicideyear-Beat.

V.A. – Everything Is Recorded

Everything Is Recorded ist das Pseudonym für Richard Russell, der neben seiner Tätigkeit als Boss von XL Recordings auch noch Musik produziert. Und weil man ja eh einen Haufen großartiger Künstler im Umfeld herumschwirren hat, lädt man die eben ein, auf dem eigenen Album zu performen. Features auf der Scheibe reichen also von The Internets Syd über Jazzriese Kamasi Washington bis hin zu Ratkings finest Wiki. Die Produktionen sind vom Allerfeinsten und zitieren alles, was die Sparte Organic Grooves so bereithält. Zusätzliches Schmankerl: Auf „Purify“ singt Genesis-Frontmann Peter Gabriel