Die besten Musikvideos des Monats: September // Visualizing Music

von am

Festivalsaison endgültig vorbei, die Sonnentage auch, es ist kalt und nass und windig. Wenn auch euch da ein bisschen der Mut verlässt, kuschelt euch doch mit euren Liebsten auf’s Sofa und schaut euch die zehn besten Musikvideos des letzten Monats an.

10

KOTA The Friend – Brooklyn Bodega (R: ?)

Kota ist in den letzten Monaten einer meiner Lieblinge geworden. Nicht nur, weil er einer der wholesomesten Newcomer zurzeit ist, wie er beispielsweise hier bewiesen hat, er hat nebenbei noch schöne Beats am Start und rappt dope. „Brooklyn Bodega“ ist eine Hommage an die Läden seines Viertels und die Stadt, die ihn großgezogen hat. Das simpel gehaltene Video dazu fängt perfekt die Stimmung des Songs ein und zeigt das Leben in den Minimärkten Brooklyns, mit dem sich auch der ein oder andere Spätifreund sicher identifizieren kann.

09

Aminé – Reel It In (R: Aminé & Jack Begert)

Jack Begert ist ein verdammtes Genie. Der kleine, schmächtige, bleiche junge Mann kümmert sich nämlich nicht nur um Aminés Videos, sondern war auch an einigen Visuals von Kendrick Lamar beteiligt. Das Video zu „Reel It In“ greift vor allem Motive aus, die wir aus klassischen Rapvideos um die Jahrtausendwende herum kennen: Alles ist farbenfroh, schöne Frauen sind leicht bekleidet und der Rapper steckt mittendrin. Durch einige Selbstironie und die Integration von Instagram-Comedian Ricky Thompson wird das Konzept auf das Jahr 2018 geupdatet und sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch sehr unterhaltsam. Sorry Mom.

08

Father – Thotnite (R: Father)

Ich sagte doch: Sorry Mom. Mindestens genau so lässig wie Aminé verhält sich Father im Video zu „Thotnite“. Auch, wenn das Video für Teile unserer Leserschaft wahrscheinlich zunächst etwas merkwürdig daherkommt, kann man diesem Twerkspektakel meiner Meinung nach viel Positives abgewinnen. „Bend over, show your butt, don’t nobody give a fuck“ – Wat is‘ denn da so schlimm dran, Jungs? Sex-Positivity ist eine gute Sache und „Thotnite“ könnte die Hymne dazu sein. Nebenbei macht das Video einfach Spaß und ist vor allem so lustig, weil es so absurd ist.

07

Col3trane – Tyler (R: Felix Brady)

In Col3tranes neuestem Video geht es rund, im wahrsten Sinne des Wortes. Bevor euch beim Anschauen aber einfach nur schwindlig wird, achtet lieber darauf, wie perfekt Text und Visuals zusammen passen, schon auf ganz banaler Ebene. Dazu wird im Video noch die Persönlichkeitsspaltung des 19-Jährigen thematisiert, in unterschiedlichen Outfits präsentiert sich der Sänge mal selbstbewusster, mal unsicherer. Allem Anschein nach wurde dieses doch recht komplexe Video One-Take aufgenommen, was aber auch irgendwie nicht sein kann. Ich bin verwirrt und fasziniert zugleich.

06

Lazy Lizzard Gang – Liebe > Kriege (R: Arvid Wünsch)

Ein wunderschönes Lied, ein wunderschönes Video. Dass das Echsen-Ensemble Stück für Stück versucht, unsere Welt zu verbessern, ist schon ein Segen, noch besser finde ich es, wenn es dazu auch so ein schönes Video gibt. Auf vier Minuten Laufzeit folgen wir dem Künstler Bardo Böhlfeld auf seinem Weg, weich und freundlich zu werden. Es bleibt dem Zuschauer wie ihm am Ende nichts anderes übrig, als die Liebe ins eigene Herz zu lassen.

05

6LACK feat. Future – East Atlanta Love Letter (R: ?)

Bei 6LACK kann man sich mittlerweile eigentlich von vornherein sicher sein, dass die Ästhetik stimmt. Noch schöner ist es, dass es sein Team geschafft hat, den visuellen Liebesbrief an East Atlanta so intim zu gestalten, dass sogar Futures glitzernde Gestalt bescheiden und moody wirkt. Was mich wirklich nervt, ist, dass nirgends angegeben wurde, wer wie an dem Video beteiligt war. Da hat sicher ’ne Menge Arbeit dringesteckt. Warum dann nicht einfach mal ein paar Namen in der Infobox nennen? Trotzdem krasses Video, danke 6LACK!

04

Joji – Slow Dancing In The Dark (R: Jared Hogan)

Ach Joji, mein Armer. Ich hoffe, es geht ihm in echt besser als in diesem Video. Hier stolpert er des nachts betrunken durch die Straßen und sieht echt fertig aus, außerdem ist er ein Faunus. Vielleicht macht ihn das ja so fertig. Oder der Fakt, dass er in seiner eigenen Blutlache liegt. Ich weiß ja auch nicht. Nicht nur der bildliche Inhalt, sondern auch die Farben und die Kameraarbeit in den Visuals zu „Slow Dancing In The Dark“ sind auf jeden Fall atemberaubend und machen das Video zu einem der besten des Monats.

03

Serious Klein – Voodoo Money (R: HUSH & HYPE)

Seitdem Serious Klein aus Bochum ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bekommt, hören die Vergleiche nicht mehr auf. Vince Staples, Isaiah Rashad, Kendrick Lamar und so weiter und so fort. Dass letzterer Vergleich nicht ganz aus der Luft gegriffen zu sein scheint, zeigt zumindest das Video zu „Voodoo Money“. Ganz an der Little Homies-Schule angelehnt, strahlt das Video Vibes aus, die fast auf einem Level mit Meisterwerken wie „Humble“ und „Element“ sind. In der Einzelheit nahezu perfekt, bilden die Shots jedoch ein noch etwas ungeordnetes Gesamtgebilde, aber das Team um Serious Klein ist definitiv auf dem richtigen Weg.

02

JPEGMAFIA – 1539 N. Calvert (R: Audrey Gatewood)

Der Songtitel bezeiht sich auf die Adresse des Bell Foundry, ein leerstehendes Lagerhaus in Baltimore, das zum Treffpunkt für Künstler und Interessierte wurde, ein Raum zum Austausch, zum Feiern und zum Schutz. Auch wenn es diesen Ort heute nicht mehr gibt, hat er auf JPEGMAFIA einen großen Einfluss hinterlassen. Im Video zu „1539 N. Calvert“ hat er zusammen mit Audrey Gatewood versucht, die Erfahrungen dieser Zeit zu visualisieren. Ein weiterer Aspekt sticht im Video hervor: Die visuelle Choreographie arbeitet perfekt mit dem Song zusammen, der als einer der strukturiertesten vom letzten Album „Veteran“ gelten kann.

01

Brockhampton – J’Ouvert (R: Spencer Ford)

Noch im Juli habe ich über Brockhamptons „1998 Truman“ geschrieben: „Kaum eine Gruppe im Rapkosmos schafft es so gut, ihre einzelnen Protagonisten in Szene zu setzen.“ Jetzt hat die beste Boyband der Welt die nächste Stufe erreicht: Mit ihrem wahnwitzigen Projekt, ein Album in nur zehn Tagen in den Abbey Road Studios aufzunehmen, haben sie nicht nur das beste und erwachsenste Projekt ihrer gemeinsamen Karriere abgeliefert, sondern sind auch alle Gruppe zusammengewachsen. Hinter der Ästhetik des Gemeinsamen verschwindet so auch in der ersten Auskopplung aus „Iridiscence“ der individuelle Künstler. Brockhampton ist und bleibt das spannendste Kollektiv, das Rap zurzeit zu bieten hat.