Die besten Musikvideos des Monats: August // Visualizing Music

von am

Hier kommen wieder die erlesensten kleinen Musik-Verfilmungen des letzten Monats zum Sichten, Analysieren und Interpretieren. Alte Bekannte treffen auf neue Gesichter und manche Videos sind mehr Blockbusters als visuelles Drumherum einer Single. Lasst gut gehen!

10

Father – We Had A Deal (R: Father)

Father ist wahrscheinlich der coolste Mensch der Welt. Ganz abgesehen von seinem Dasein als Awful Records-Boss ist er einfach witzig, kühl und rappt gut. Auch im Video zu „We Had A Deal“ spielt er seine Coolness aus: Während um ihn herum getwerkt und mit Waffen rumgefuchtelt bzw. einfach sehr viel Action gemacht wird, bleibt er ganz cool auf dem Chefsessel und rappt seine humorvollen Lines. Nebenbei sieht das ales auch einfach noch vor allem durch die Beleuchtung verdammt schön aus.

09

Travis Scott – Stop Trying To Be God (R: Dave Meyers)

Ach Ja, ich weiß ja auch nicht… Qualitätssiegel Dave Meyers (siehe: Kendrick Lamar – Humble), ein riesiges Budget, eine goldene Kylie Jenner, die ein sprechendes Lamm in den Armen hält. Ein Drachen-reitender Travis, ein schwarzer Gott, der Laserstrahlen aus den Augen schießt, halbnackte tanzende Engel. Es ist ein riesiges Spektakel. Es scheint ein bisschen so, als könnte Dave Meyer mit seinen Leuten aus jeder Idee einen Blockbuster machen. Am Ende bleibt nur die Frage nach der Substanz. Ach, ich weiß ja auch nicht.

08

Col3trane – Britney (R: Oscar Hudson)

Auch für Oscar Hudson ist das hier nicht der erste Auftritt in dieser Kolumne. Im Juni gab’s da das Video zu „Holy Ghost“ von den Young Fathers, das mit einer militärischen Wärmekamera gefilmt wurde. Auch das Video für Col3trane zeichnet sich durch eine faszinierende Kameraarbeit aus. Geradezu synchron zum Klangbild des Songs wechselt der Fokus und die Range des filmischen Bildes im ersten Teil des Videos, geschickt schließt das Video die dargestellte Zeitschleife, während der Song von dem Gefühl handelt, nicht von der Stelle zu kommen. Es ist ersichtlich, warum welche filmischen Mittel verwendet wurden und das Endprodukt ist präzise und passt perfekt zur Musik.

07

Haiyti – Homezone (R: Anne Isensee)

Herzlich Willkommen in der bittersüßen Welt von Haiytis neuestem Mixtape „ATM“! In der rosaroten Puppenhauswelt hat sich die Hamburgerin ihre Homezone eingerichtet, in der sie lebt und ihre Lieder singt. Das ist schön, sieht schön aus, unterhält und man merkt, dass Haiyti und Regisseurin Anne Isensee voller Ideen stecken, die sich auch mit weniger Budget als Travis umsetzen kann. Die Animationen der Regisseurin könnten euch vielleicht schon von AOB und Said bekannt sein, da steckt auf jeden Fall viel Leidenschaft und Liebe zum Detail drin, die man auch spürt.

06

Doja Cat – Mooo! (R: Doja Cat)

Natürlich kann ich hier den viralen Hit des Monats nicht ganz raushalten. Auch wenn sich mittlerweile herausgestellt hat, dass die Rapperin vor einigen Jahren einige bescheuerte Statements zu queeren und übergewichtigen Leuten rausgeballert hat (für die sie sich kürzlich entschuldigt hat), ist das ein unfassbar unterhaltsames Video mit kleinstem Produktionsaufwand. Das Video hat uns in der Redaktion sogar so gefesselt, dass wir dringend die zehn besten Deutschrap-Lines über Kühe raussuchen mussten.

05

Marteria & Casper – Supernova (R: Sander Houtkruijer)

Und jetzt schon wieder so ein Ding mit Riesenbudget (zumindest für den deutschen Raum). Das ist nicht künstlerisch, pädagogisch, sozial besonders wertvoll, aber absolut detailverliebt, unterhaltsam und spaßig. Nicht nur ein Fest der Gastauftritte (Dendemann, K.I.Z, Lena und einige andere), sondern auch das Zusammentreffen zweier Giganten. Dieses Video steht stellvertretend für das ganze Kollaboalbum der beiden Rapper, die sich als Giganten der hiesigen Rapszene nicht nur in Sachen Karriereverlauf sehr ähneln. Und die beiden hauen sich jetzt auf ca. drei Minuten Songlänge ordentlich gegenseitig auf die Fresse.

04

Yves Tumor Feat. James K. – Licking An Orchid (R: Daniel Sannwald)

Endlich mal kein Rap. Bevor Yves Tumor mit Blood Orange (siehe Visualizing Music Juli) auf Tour geht, schafft er es auch nochmal in diese Liste. Und verdammt nochmal, ist dieses Video schön. Während der Song sich mit den dunklen Seiten der Liebe auseinandersetzt, werden im Video schon rein visuell das Thema Zerrissenheit, die Gegenüberstellung zwischen Schön und Hässlich und der Terror der Leidenschaft verhandelt. Auch extrem spannend sind die Feature-Parts von James K. eingearbeitet, die sich in den Augen des Protagonisten spiegelt, wobei die Farben Rot und Blau geschickt gegeneinander ausgespielt werden.

03

Sheck Wes – Chippi Chippi (R: Sheck Wes & White Trash Tyler)

Sheck Wes kommt auf Harlem, ist mittlerweile bei Kanye und Travis Scott gesignt und sollte euch seit seinem Hit „Mo Bamba“ hoffentlich ein Begriff sein. Falls nicht, kann das gerne sofort nachgeholt werden, zum Beispiel mit seiner neuen Single „Chippi Chippi“. Nicht nur der Track, auch das Video bringt das Lebensgefühl einer neuen Generationen von Rappern mit sich, die in der aktuellen Kunst-, Ästhetik- und Fashionwelt verhaftet sind. Das heißt vor allem: Neuer Wind im Videogame, abseits der üblichen Schemata und des Flexens. Der Regisseur des Videos, der auch eng mit Kanye und Travis vernetzt ist, präsentiert uns das Dokument eines Horrortrips auf einer einsamen Insel – oder mit anderen Worten: Zeitgenössische Kunst.

02

Tyler, The Creator Feat. Kali Uchis – See You Again (R: Wolf Haley & Happy Place)

Shoutout an alle Major Artists, Tyler zeigt mal wieder, wie man’s richtig macht. Unter eigener Regie gedreht und von Happy Place produziert, erfüllt sich der Flower Boy mal wieder die kühnsten visuellen Wünsche. Die Szenerie ist wahnsinnig, die Choreos bombastisch, die Kamerafahrten faszinierend und das Thema des Songs ist perfekt aufgenommen, ohne, dass sich das Video zu sehr an das Audio anbiedert. Und ein besseres Ende für ein Musikvideo habe ich eigentlich auch noch nicht gesehen.

01

Sevdaliza – Shahmaran (R: Emmanuel Adjei)

Weil mir hierfür die Wörter fehlen, lasse ich einfach den Regisseur selbst sprechen: „Carrying the burden of their ancestors most African American men today are still born into an environment that limits their freedom. Drawn to the dream of having power and success they hold on to the image of a false like idea of autonomy and with it success. It is however this house of freedom that has enslaved these men again. Chained to a phantasy often with materialistic nature keeps them upright throughout survival. They have become a victim of their addictions to power and materialism.“ Schaut euch das bitte einfach an.