Die besten Musikvideos des Monats: Juli // Visualizing Music

von am

Die zehn besten Musikvideos des Monats sind diesmal elf. So weit, so gut. Warum das so ist, müsst ihr schon selbst rausfinden. Es geht dieses Mal viel um Erfolg und was man daraus macht, viel um Selbstreflektion, ein bisschen Turn Up ist aber auch dabei. Sucht euch also einen dunklen, kühlen Ort und werft den Projektor an!

10

Tyler, The Creator & A$AP Rocky – Potato Salad (R: AWGE)

Na klar, dieses Video ist kein durchkomponiertes Meisterwerk, kein episches, eindrucksvolles Stück Zeitgeschichte. Aber es ist ein Dokument einer wunderschönen Freundschaft und kommt dem Freestyle-Geist des aktuellen Outputs von Rocky und Tyler so nah, wie nur möglich. Mit Jaden Smith-Cameo wird dieses kleine Stück zu einem der kurzweiligsten und unterhaltsamsten Videos des Monats. Wie Tyler sagt: „That’s hot and horny!“

09

Berhana – Wildin‘ (R: Sam Guest)

Es geht diese Woche vermehrt um Fame, Erfolg und das, was man damit macht. From rags to riches ist auch hier das Motto, nimmt aber ein unschönes Ende. Inhaltlich reflektiert der Song, ob das ganze wilde Leben wirklich das ist, womit man seine Zeit und sein Geld verschwenden sollte, visuell wird das nicht nur passend, sondern auch wahnsinnig ästhetisch umgesetzt. Und die Idee, den Protagonisten blutend auf dem Boden liegend die Hook singen zu lassen, wird uns nachher auch nochmal begegnen.

08

Donvtello feat. Haiyti, Capuz & KDM Shey – Ich Dachte Das Weißt Du (Remix) (R: Canaries Gast)

Wenn Donvtello die Crew zusammenruft, ist klar, dass schwerster Turn Up bevorsteht. Und das ohne professionelle Beratung und großartiges Budget, einfach nur, weil alle unfassbar viel Bock drauf haben. Und das sieht man dem Video an. Man sieht, dass es den Künstlern einfach darum geht, diesen Banger zu bebildern und dabei möglichst viel Spaß zu haben. Auch dieses Video zählt in die Riege der unterhaltsamsten Visuals des Monats, in jeder Einstellung sind so viele schöne Details zu entdecken, dass sich beim ersten Mal Anschauen eine absolute Überlastung einstellt, aber je öfter man das Ding bewundert, desto mehr macht das Ganze einfach unglaublichen Spaß.

07

Negroman – lavish.jpg (R: Phil Hoffart)

Wir kommen zu einer Reihe von Videos, in denen es wesentlich ruhiger zur Sache geht. Ganz nach dem Motto seiner letzten EP „Vibe oder Werbung“ geht es in Negromans neuestem Video eben so düster und versponnen zu, wie der Track klingt. Des Nachts im Einkaufszentrum vibet der Mainzer über, unter und zwischen diversesten Flächen und bringt seine Bars in aller Ruhe unters Volk. Durch Lichtverhältnisse, Formatwechsel und VHS-Ästhetik sieht das Ding dann auch noch richtig schön stimmig aus.

06

070 Shake – I Laugh When I’m With Friends But Sad When I’m Alone (R: Jordan Rosenbloom)

Noch etwas mehr Stillstand: Im dunklen Nichts konzentrieren sich die Visuals zu 070 Shakes Album-Opener ganz auf die Sängerin selbst, die je nach lyrischen Inhalt zwischen starkem Selbstbewusstsein und Nervenzusammenbruch auftritt. Auch das Bild changiert je nachdem zwischen stabil und instabil und die Schizophrenie des Songs wird visuell durch zwei auftretende Bilder der New Yorkerin vermittelt. Das Video stellt damit auch einen Gegenentwurf zu den kurzweiligen, auf Überladung basierenden Videos der Trap-Generation dar: Man muss sich auch ein bisschen durchs Video quälen, um es ganz zu erfassen. Aber es lohnt sich.

05

BLVTH – Seven (R: Valentin Hansen)

Hier wird der Kompromiss endlich gefunden: Eigentlich minimalistisch aufgebaut, treten einige verschiedene Figuren in verschiedenen Stadien des eigenen Seins auf, die große Überlastung kommt lediglich durch die niemals aufhören wollenden Zooms und die drückende Musik. Dabei geht es auch immer wieder um Grenzübergänge, ob ein Mann nun die Farbe seiner Hände körperlich annimmt, ein anderer die über seinen Kopf gestülpte Tasche zerreißt oder eine Frau den Blumenstrauß in ihrer Hand zum Ende des Videos komplett dekonstruiert hat. Unterbrochen wird das immer wieder von Sequenzen der Hoffnung, der Naturverbundenheit entgegen dem industriellen Graustufenbild.

04

Brockhampton – 1998 Truman (R: Kevin Abstract)

Auch hier könnte man sich beschweren, dass Brockhampton trotz ihres mittlerweile recht großen Erfolgs kaum Epik oder tiefgreifende Aussagen visuell unterbringen. Dennoch hat dieses Video etwas ganz besonderes: Kaum eine Gruppe im Rapkosmos schafft es so gut, ihre einzelnen Protagonisten in Szene zu setzen. Das erfolgt mal durch eine Verpixelung des Hintergrunds, mal durch eine extreme Nahaufnehma, im Falle Kevin Abstracts durch die Eingrenzung durch den Boxring. Abgesehen davon, dass Brockhampton immer noch der erfrischendste Rap-Act zurzeit ist, brechen die Jungs nicht nur soundtechnisch, sondern auch visuell die traditionellen Strukturen der Musikindustrie.

03

6LACK – Switch (R: Rohan Blair-Mangat)

Wir kommen zu dem zurück, was ich bei Nummer Neun angesprochen habe: 6LACKs neues Video beginnt mit einem Shot, der zeigt, wie er nach einem Motorradunfall auf dem Boden liegt und singt. Mit dem feinen Unterschied, dass er dabei von Fotografen umringt ist. Hat vielleicht was damit zu tun, dass er schon ein bisschen mehr Fame gesammelt hat als Berhana. Aber nicht nur das hat sein Leben verändert, er ist auch noch vor kurzem Vater geworden, „Switch“ ist quasi auch sein Comeback aus der Kinderpause. Und das Video repräsentiert perfekt die Konflikte im Leben des frischen Vaters, ebenso wie den Wandel, den er durchgangen ist.

02

MJ Cole & Kojey Radical – Soak It Up (R: Filmawi)

Während das Video von Kojey Radical, das sich hier letzten Monat auf die Nummer 1 gemausert hat, sich mehr in allgemeiner Sozialkritik und Dokumentation der Marginalisierung von PoC konzentriert hat, wird es jetzt noch wesentlich persönlicher. Textlich geht es um eine Liebesbeziehung, die die ein oder anderen Kämpfe bewältigen muss. Visuell allerdings sehen wir Kojey mit der Familie zusammensitzen, die sich um die Leiche eines Familienmitglieds gesammelt hat, die plötzlich aufsteht und anfängt, zu tanzen. Diese Differenz jedoch lässt keine Entfremdung zwischen Video und Audio zustandekommen, sondern verknüpft vielmehr die verschiedenen Lebensbereiche und stellt eine Verbindung zwischen all den Problemen und Widersprüchen des Alltags her.

01

Blood Orange – Jewelry (R: Devonté Hynes) / Charcoal Baby (R: Crack Stevens)

Ja, ich konnte mich einfach nicht entscheiden. Blood Orange macht verdammt gute Musik. Und ich freue mich auf dieses Album wie auf kein zweites in diesem Jahr, glaube ich. Aber er hat eben auch verdammt gute Videos, führt bei „Jewelry“ selbst Regie. In „Charcoal Baby“ geht es um die Familie, gesehen als die Community, die uns umgibt und uns beeinflusst, dazu sehen wir ein zweigeteiltes Bild, in dem zwei dieser Lebensrealitäten gegenübergestellt werden. In „Jewelry“ wird der Weg des Erfolgs behandelt, den als PoC marginalisierte zu durchlaufen haben und wie man dabei sich selbst treu bleibt. Einfach zwei unfassbar starke Videos, die zusammen gesehen werden müssen.