Die besten Musikvideos des Monats: Juni // Visualizing Music

von am

Seid ihr eigentlich schon komplett im splash!-Fieber? Oder immer noch am Ausrasten wegen FuBa-WM? Bevor der Sommer seinen doppelten Höhepunkt erreicht, gibt’s hier nochmal was für die Ruhe vor dem Sturm. Unser Autor Till Wilhelm hat für euch wie immer die besten Musikvideos des letzten Monats gesammelt, also lasst eure Augen diesen kleinen Segen erleben!

10

Young Fathers – Holy Ghost (R: Oscar Hudson)

Die UK-Group, die irgendwo zwischen HipHop, RnB und Punk anzusiedeln ist, beweist einmal mehr, warum sie zu den relevantesten Gruppen der Insel gehört. Mit einer militärischen Wärmekamera, die vor allem in Kriegsgebieten und zum Grenzschutz eingesetzt wird, wurde das Video geschossen, in dem die Kamera selbst zum Operator wird und nach voreingestellten Positionen immer wieder andere Perspektiven auf die Vorgänge in der schottischen Landschaft aufwirft. Ganz nebenbei liefern die Young Fathers noch die ein oder andere verdammt clevere Hommage an Kendrick Lamars Video zu „Humble“. Props auch dafür, alle an dem Video Beteiligten in der Videobeschreibung zu erwähnen, da können sich Einige ein Beispiel dran nehmen.

09

Kamasi Washington – Street Fighter Mas (R: AG Rojas)

Kamasi: „Yo, Street Fighter eigentlich ganz geil, lass mal ein Video damit machen.“ – AG Rojas: „Ok, hold my beer.“ So oder so ähnlich muss die Arbeit am Konzept dieses Videos begonnen haben. Eine eigentlich simple Idee spielt Rojas hier zu einem Kurzfilm aus, der nicht nur vor Spannung strotzt, sondern auch detailliert eine Introspektivität in den Charakter Kamasis erarbeitet, besonders in der Szene des finalen Kampfes, die den Spannungshöhepunkt darstellt. Die langsamen, dennoch geladenen Bilder stechen auch besonders durch die unfassbar ästhetische Farbkomposition auf.

08

Bakar – Million Miles (R: Glance Productions)

FUBAAAA!!!! Ich scheiß komplett drauf, dass die deutsche Auswahl gescheitert ist, ich bin FuBa-Ultra gerade. Ich meine, habt ihr das Spiel zwischen Frankreich und Argentinien gesehen? Ciao, Bruder. Wie frustrierend hingegen das sportliche Leben des ärmeren Teils der Bevölkerung sein kann, zeigt Bakars neues Video. Aber egal wie hart das Lebn dir mitspielt, egal, wie weit die Hoffnung auf Erfolg schwindet, Weitermachen heißt die Devise, um zu überleben. Und nicht nur das wird im Video perfekt eingefangen, auch der Alltag der Britischen Working Class hat selten so authentisch gewirkt in ihrer visuellen Repräsentation.

07

Skinnyblackboy feat. Tightill – Lasertech (R: Urs Mader & Philipp Panhey)

Meine Lieblings-Weirdos sind natürlich auch mit einem wunderschönen Video vertreten. Skinnyblackboy und Tightill verbringen einen schönen Abend mit der Crew im Vereinsheim und zeigen, dass man auch mit Low Budget ein richtig gutes Video abliefern kann. Die Farbkomposition ist ein Segen für meine Augen und und der Schnittrhythmus vibet perfekt zum Beat. Das Beste ist allerdings die absolut authentische Performance, die sowohl mit Männlichkeit als auch ihrer Fragilität spielt und das Gesamtwerk zu einem sexy Einblick in das (Innen-)Leben der vielversprechendsten Newcomer Deutschlands macht.

06

Jugo Ürdens – Allein (R: Sebastian Eckl)

Nicht nur der Ohrwurmfaktor bei Jugo Ürdens‘ neuer Single ist brandgefährlich, nach Sichten des Videos wird einen vielleicht auch der Wunsch überkommen, sich ein paar Wochen lang einzuschließen: Denn am Schönsten ist es immer noch allein. Auch im Video scheint sich der Protagonist in seiner Einsamkeit wohlzufühlen, Schaufensterpuppen sind das einzig Zulässige in seiner Umgebung, das noch an Mitmenschen erinnert. Sebastian Eckl hat nicht nur das inhaltliche Konzept verdammt gut umgesetzt, auch die Multiscreens und Formatwechsel bringen die derzeit populärste Videoästhetik auf ein souveränes Level.

05

BADBADNOTGOOD feat. Samuel T. Herring – I Don’t Know (R: Will Mayer)

Wieso die Videos von BADBADNOTGOOD medial immer so unter dem Radar laufen, bleibt mir ein Rätsel. Sucht man im Internet nach Artikeln über die Neuerscheinung dieser Visuals, wird man nur schwer und erst recht nicht bei den großen Plattformen fündig. Dabei schafft es das Team und Will Mayer, all die tiefe Trauer, die in den Lyrics des Songs schon auf verschiedenen Ebenen dargestellt wird, visuell perfekt zu erfassen. Ein wenig Inception-artig stellen sie das Ertrinken in der eigenen Traurigkeit auf drei Ebenen dar, kontrovers ist das nicht, aber wichtig. Nicht die großen Momente, sondern die schleichende Ohnmacht des Lebens darzustellen, um im letzten Moment einen Hoffnungsschimmer zu präsentieren, tut gut und ist hier erstaunlich ergreifend umgesetzt.

04

Black Fryar – Falar (R: Philipp Groth & Frangipani Beatt)

DJ Creep und Shaid vom Live From Earth-Kollektiv haben sich für ihr neuestes Projekt mit dem Rapper Stimulus zusammengetan, der aus New York nach Berlin gezogen ist. Die erste Single aus diesem Projekt greift politische Themen auf, ohne plakativ zu werden und liefert einen kritischen Kommentar zur sozialen Lage nach dem anderen. Viel wichtiger für mich: Das Video ist Bombe. In drei Traumsequenzen, jeweils farblich gekennzeichnet, löst sich das surreale Narrativ auf, immer wieder erscheint die Biene als Symbol für die Zerbrechlichkeit des Schönen. Save the Bees!

03

A$AP Rocky feat. Skepta – Praise The Lord (Da Shine) (R: Dexter Navy)

Dass das AWGE-Kollektiv bei keiner Videoauskopplung enttäuscht, dürfte mittlerweile klar sein. Dass Dexter Navy ein absoluter Top-Regisseur ist, auch. Das Video zu „Praise The Lord“ nimmt einige der Aesthetics wieder auf, die wir schon aus „A$AP Forever“ kennen und kombiniert sie mit spannenden Shots aus den Gangs von Rocky und Skepta. Ob im Loft in Harlem oder auf den Straßen Londons, die beiden liefern gute Unterhaltung und die wahren Juwele der Visuals sind die perfekt abgestimmten Split Screens, die uns den direkten Vergleich, beziehungsweise die direkte Verbindung zwischen den Camps der beiden Stars bieten.

02

Lil Yachty feat. Ugly God – BOOM! (R: Glassface)

Lil Yachty und Ugly God erfüllen sich Kindheitsträume, Glassface setzt sie um. Denn welches Kind träumt nicht davon, einmal selbst zur Actionfigur, zur Animecharakter oder zum Carrerafahrer zu werden? Unfassbar gut animiert trappen die Kind-Gebliebenen durch ihre Fantasiewelt zwischen Kinderzimmer und Fernsehträumen und auch ihre jüngeren Lookalikes bestechen mit ausgeprägter Sweetness. Glassface zeichnet sich nebenbei auch für Yachtys „1 Night“-Video und einige andere spannende Produktionen verantwortlich, sollte man dringend auf dem Schirm haben!

01

Kojey Radical feat. Mahalia – Water (If Only They Knew) (R: Mos Popular Human)

Wow, wo soll man da nur anfangen? Während der erste Teil dieses Kurzfilms wahnsinnig wichtige soziale Kritik ausspricht, endet er mit dem Gedanken an die Rache an denen, die einen immer diskriminiert haben, wenn man es einmal geschafft hat. Und darum geht es auch im zuerst performten Track, visuell spiegelt sich das auch in der Choreographie, die auch die Assoziation mit Childish Gambinos „This Is America“ zulässt. Die eigentlichen Visuals zu „Water“ in der zweiten Hälfte des Video setzen das Spannungsverhältnis der Gewalt zwischen Liebe und Kampf erstaunlich prägnant um. Schaut es euch einfach selbst an. Und ich will keine Beschwerde über die Länge des Videos hören, jede Sekunde hier ist Gold wert.