Die besten Musikvideos des Monats: April // Visualizing Music

von am

Meine Praktikumszeit mag vorübergegangen sein, es werden trotzdem jeden Tag verdammt gute (und verdammt langweilige) Musikvideos geliefert. Und solange das so ist, sollte euch jemand einen Überblick darüber geben, was es sich lohnt, anzuschauen, oder nicht? Deswegen gibt es hier wieder die besten Musikvideos des letzten Monats, frisch vom Herd auf den Teller. Guten Appetit.

10

Die Achse – Hate You (R: Die Achse)

Der Kessel namens Die Achse brodelte schon ewig vor sich hin. Ich persönlich war schon seit Jahren hyped auf die erste eigene Veröffentlichung des Produzentenduos, bestehend aus Bazzazian und Farhot. Was sich da über die Jahre angestaut hat, kam jetzt in Form der „Angry German“-EP ans Tageslicht und fand prompt perfekten Ausdruck im ersten Video. In einem Take gefilmt, lässt der Protagonist kurzerhand den Hass auf die Welt an dieser aus – Das beste Mittel dafür ist natürlich die gute, alte Terrorline. Und an der Kommentarspalte lässt sich irgendwie auch festmachen, dass es funktioniert.

09

Kali Uchis – Get Up (R: Kali Uchis & all day every day)

Als ob Kali Uchis nicht eh schon DAS Album des kommenden Sommers rausgehauen hätte, liefert sie auch noch ein perfektes Video dazu. Das kommt zwar nicht ganz an die „After the Storm“-Visuals ran, ist aber so veträumt zuckersüß, dass es einfach mitreißt. Und nicht nur die Mise-en-Scène ist beachtlich, auch die Dramaturgie hat’s in sich: Das Video wandelt sich vom klebrig-heißen Aufbau zur Auflösung in dem Sommergewitter, dass immer unweigerlich irgendwann kommt.

08

Yung Hurn – Bist Du Alleine (R: Kaiserschnitt film & Shootingmonkeys)

Die Promophase des Wieners kommt ohne riesiges Drumherum aus, ab und zu kommt ein neues Video und zack, war das Album schon da. Der Sound ist Yung Hurn in Bestform und die Visuals bebildern das perfekt. Das Video ist trippy, ohne ein simpler Ami-Abklatsch zu sein und lässt uns nicht nur die Liebe fühlen, die unser Lieblingsdruffi zu vergeben hat, sondern lässt uns gleich den ganzen Trip miterleben. Fun Fact 1: Die Produktion stammt aus den Händen zweier Firmen, die normalerweise erstrangig Werbespots machen, obwohl das Ding überhaupt nicht so wirkt. Fun Fact 2: Am Schnitt war Christoph Szulecki beteiligt, derauch die Videos von Ufo361 jedes Mal aufs Neue zum Meisterwerk macht.

07

Veedel Kaztro – Ohnmacht (R: Lili Anusaki)

Dass wir uns natürlich nicht jedes Musikvideo auf den Kanal stellen, dürfte klar sein. Aber die splash! Mag-Premiere für das neue Veedel Kaztro-Video war zumindest für mich auch eine kleine Ehre, denn das Video spiegelt mit seinen beeindruckenden Plattenbau-Shots und den dazwischengeschnittenen externen Szenen das Gefühl des Songs perfekt wieder. Dass unter anderem Szenen aus Panzerkreuzer Potemkin und Metropolis verwendet werden, zeigt auch, dass Veedel nicht nur über ein beliebiges Empfinden spricht, sondern auch ganz klar dessen historische Konnotation kennt.

06

SZA feat. Kendrick Lamar – Doves In The Wind (R: Nabil)

Das nächste Video zielt in eine andere Richtung ab: Anstatt ein unfassbar sexy Video zu dem Duett zu machen, wird der Kampf der Geschlechter auf einer anderen Ebene ausgetragen: Kung Fu. Und Kung Fu Kenny spielt seine Rolle so beeindruckend, dass ich gar nicht sicher bin, ob er seine Karriere vielleicht nicht irgendwann darauf verlagern sollte. Das Video stammt von Nabil, für den die Arbebit mit den Größten der Großen nicht nur zum Alltag gehört, sondern der auch für den Kurzfilm zu Vince Staples‘ „Prima Donna“-EP verantwortlich ist, den man unbedingt auschecken sollte.

05

Ebow – Das Wetter (R: Diana Andrei)

Spätestens seit Ebows letztem Tape wissen wir: Alles ist komplexer, als es aussieht. Zum Beispiel dieses Video: Auf den ersten Blick ein paar verdammt coole Kulissen, auf den zweiten Blick tragen die aber zu einer Atmosphäre bei, die (komischerweise schon wieder) an die Sekunden vor dem Sturm erinnern. Ist der Text des Tracks eigentlich sehr ruhig und dezent gehalten, spürt man doch die immense Spannung, die zwischen den Zeilen liegt, die sich in den Farben des Videos auch refklektiert. Ich konnte leider nicht besonders viele Infos zu Diana Andrei finden, aber wer was weiß: Meldet euch!

Edit: „Info 1: ist cool und dankbar; Info 2: identifiziert sich sehr mit Sam von Herr der Ringe; Info 3: pleite.

04

Drake – Nice For What (R: Karena Evans)

Drake scheint ja jetzt woke zu sein. Auf einem Laury Hill-Sample rappt eine Song-gewordene Girls Appreciation und zerreißt. Im Video dazu hat er einen Haufen weiblicher popkultureller Idole geladen, die perfekt, aber selbstbestimmt in Szene gesetzt werden. Karena Evans hat bereits das wunderschöne Video zu „God’s Plan“ produziert und sie bleibt an Drakes Seite. Und das Allerbeste: Lauryn Hill hat sich das Sample zurückgeholt und ihren eigenen Remix auf dem Beat gemacht: „He took the Sample / My shit is classic / He’s an example“ – Damn.

03

Tightill & Doubtboy – Normal (R: Urs Mader & Philipp Panhey)

Tightill und Doubtboy sind immer für Innovation gut. Das Video zum neuesten Hit ist auf eine weirde Art sexy und dokumentiert die schlechten Ideen in wilden Nächten. Formatwechsel folgt auf Formatwechsel und es sind wahnsinnig wunderschöne Shots dabei, nicht zuletzt unterstützt die Auswahl der Einstellungen perfekt die Dramaturgie des Tracks. Weil wir der absoluten Überzeugung sind, dass die Bremer Jungs Deutschraps Zukunft sind, haben wir auch eine kleine Doku mit ihnen gedreht, Prädikat sehr wertvoll.

02

Saba – Life (R: Danielle Derisse)

Man könnte hier argumentieren, dass der Rapper-hinter-Maschendrahtzaun-Shot schon etwas abgenutzt ist, er hat aber wahrscheinlich noch nie besser gepasst. Denn Saba erzählt auf diesem Track, wie sein ganz normales Leben zum Gefängnis wird. Abgesehen davon sind die dazwischengeschnittenen Szenen so perfekt auf die Lines angepasst, dass das Video ohne große stilistische Mittel oder abgefahrenes Editing eine gewaltige Atmosphäre erschafft, in der Sabas gesamtes Leben abstrahiert ist. Zusammengefasst wird das nochmal am Ende durch die Totale, in der dann alles zu sehen ist, was vorher angedeutet wurde und durch die Trennung dieses Raums von Saba durch den Zaun.

01

A$AP Rocky – A$AP Forever (R: Dexter Navy)

Jetzt geht’s aber ordentlich los. A$AP Rocky und Dexter Navy haben die Messlatte für Musikvideos im Jahr auf das nächste Level gehoben und die Inspiration für all jene geliefert, die in diesem Wettbewerb noch was abräumen möchten. Wir rätseln schon seit Ewigkeiten, wie der Anfang gefilmt wurde und sind uns immer noch nicht ganz sicher. Im mittleren Part dann gehen die Einstellungen so schnell und perfekt ineinander über, dass einem schwindlig wird und das Ende besitzt nochmal seine ganz eigene Klasse. Da schwebt Rocky völlig halluzinierend durch die Schwerelosigkeit im Crash Test Dummie-Dress, bis der Wagen auf die Wand prallt. „Testing“ erscheint dort als Schriftzug und das ist es schließlich auch, was Rocky zurzeit veranstaltet – Neue Sounds ausprobieren, bis es kracht. Definitiv ein starker Anwärter auf das beste Musikvideo des Jahres.