Die besten Musikvideos des Monats: März // Visualizing Music

von am

Endlich ist Ostern vorbei und wir alle dürfen wieder unserer geliebten Arbeit nachgehen. Wir hoffen natürlich, ihr habt eine schöne Zeit mit euren Liebsten verbracht und euch ordentlich vollstopfen lassen. Und während ihr bemalte Eier gesucht habt, hat unser Autor Till Wilhelm mal wieder das Internet durchforstet, um euch jetzt die besten Musikvideos des Monats zu präsentieren. Also lehnt euch zurück und drückt auf Play.

10

Hiob – An der Sonne (R: Pretty Dirty)

Hiob meldet sich zurück aus der Versenkung im Berliner Norden und zeigt, dass man nicht unbedingt um die halbe Welt fliegen muss, um ein viby Video zu drehen. Da kommen wir später nochmal zu. Erstmal wirken die Visuals zu „An der Sonne“ so, als ob jemand eine verdammt repräsentative Fotoserie über den Wedding und die angrenzenden Berliner Gebiete zu einem Video verarbeitet hätte. Die restliche Sympathie hiermit ist meine persönliche Identifikation, denn nach zwei Jahren, in denen ich in der gleichen Straße wie Hiob gewohnt habe, kenne ich ungefähr alle Ecken und Gebäude in diesem Video in- und auswendig.

09

Enemy – Nimm Mich Mit (R: Imun)

Endlich kann ich mal wieder Imun pushen – denn der Gute macht nach wie vor verdammt spannende Videos, vor allem für die Azzlackz. Enemy wandelt hier durch ein leeres Schloss und spricht vom Reichtum, und vor allem von dessen Vergänglichkeit. Währenddessen sehen wir viel Gold und viele glitchige Übergänge zwischen den Einstellungen, die ein wenig so wirken, als ob selbiges einfach wegschmilzt. Keine Ahnung, ob das beabsichtigt war, aber die Frage darf man sich ja irgendwie auch nicht stellen. Man merkts einfach: Enemy ist kein Dulli, er ist Medizinstudent.

08

Yhung T.O. – Misunderstood (R: Daps)

Auch wenn es SOB x RBE’s Yhung T.O. mittlerweile aus der Hood rausgeschafft hat, ist die Familia und die alte Crew doch das, was am Ende zählt – also singt er ihnen eine Hymne. Im Video dazu geht es um das Aufwachsen in eben diesen Gefilden, mit all der Gewalt, die dazu gehört. Ob man da jetzt Täter oder Opfer ist, ist ziemlich relativ, denn irgendwo schließt sich jeder Kreis. Der Rapper selbst als anachronistischer Beobachter der Szene macht eine überzeugende Figur und das Video verdammt authentisch. Daps hat diesen Monat übrigens auch schon das Video zu Migos‘ „Walk It Talk It“ rausgehauen, das es leider nicht in diese Liste geschafft hat.

07

Tightill & Doubtboy – Wo ist das Geld? (R: Victoria Ruhe)

„Guck mal hier, diese Welt funktioniert wie ein Bordell.“ – Und dementsprechend führen die Bremer in ihrem neuesten Genistreich ein Leben zwischen Sexarbeit und Rockstar. Tightill räkelt sich halbnackt in der Bar, Doubtboy wird zum Toyboy, Erotik Toy Records eben. Dazwischen immer wieder Einstellungen, die das alltägliche Leben zeigen, denn ja, auch Sexarbeiter führen ein solches. Victoria Ruhe hat dieses wunderschöne Video gemacht, ebenso auch schon andere Videos für die beiden.

06

slowthai – North Nights (R: THE REST)

Willkommen im Film. The Rest produzieren nicht nur schon lange Videos für slowthai, sondern auch für unseren UK-Underground-Lieblings Kojey Radical. In „North Nights“ werden die classic Horrorfilme ausgepackt und wunderschön neuinszeniert, egal ob „Blair Witch“, „The Shining“ oder „Clockwork Orange“, slowthai nimmt die ihm anvertrauten Rollen perfekt ein und gibt seinen Teil zur Spookyness dazu.

05

Rejjie Snow feat. Aminé & Dana Williams – Egyptian Luvr (R: Martin C. Pariseau)

Martin C. Pariseau hat die wohl witzigste Website, die ich bisher unter Musikvideoregisseuren sehen durfte. Zum Glück gibt es auch nooch seinen Vimeo-Account, auf dem unter anderem auch Musikvideos von Kaytranada und Ryan Hemsworth zu bestaunen sind. Mit dem Video zu „Egyptian Luvr“ hat er seinen neuesten Geniestreich gelandet und erzählt die Geschichte von Rejjie als entflohenes Alien visuell perfekt. Ist übrigens quasi schon das dritte Video zu dem Track.

04

Rapkreation – Moshpit (R: Cafoni Corner & Zuckerkind)

Damn, Shawty! Die Newcomer aus Kreuzberg liefern ordentlich ab. Eigentlich simple Studioaufnahme, sitzen die Aesthetics einfach rundum. Interessant ist hier auch die Produktion, denn das Duo hält es local. Die Videoproduktion stammt von den Berlinern Cafoni Corner & Zuckerkind, das Styling von den Prenzlbergern fein & ripp und Support vom Kreuzberger Modelabel iriedaily. Und die Malereien im Hintergrund kommen sicherlich auch aus der Crew.

03

A.CHAL feat. A$AP Nast – Cuánto (R: Dexter Navy)

Auch wenn A.Chal und Nast im Video selbst nicht zu sehen sind, reicht ein Blick auf Dexter Navys Website, um dem Ding zu vertrauen. A$AP Rocky, Supreme, Louis Vuitton, Dior, um nur ein paar Referenzen zu droppen. Die Visuals selbst folgen einer jugendlichen Gang durch ihre Tage zwischen Gewaltverbrechen, Langweile und irgendwie auch Freiheit. Beeindruckend umgesetzt ist auch die Parallele zwischen den „Pirañatias“, eben besagter Gang und den Pirañas, die wir alle kennen und fürchten. Geistig umkreist das Video „GAZI“, den imaginären Ort der Liebe und der Selbstfindung, der im Intro beschrieben wird. Ich hoffe, dass wir ihn alle bald finden.

02

Kamandi – I Always Did (R: Samuel Morris)

Ich glaube, die Konzeption eines Musikvideos ist umso schwieriger, je weniger Text man hat, den man einfach irgendwie verwursten kann. Das liegt daran, dass unsere Vernunft komplett auf Worte gedrillt ist, was es unfassbar schwierig macht, rein musikalische Gefühle zu codieren. Samuel Morris hat Kamandis Instrumental hier aber derart gut visualisiert, dass ich das Video stundenlang schauen könnte, ohne mich zu langweilen. Die Story und der Detailreichtum ist einfach mitreißend und lässt irgendwie auch auf eine tragische Weise Identifikation zu.

01

Trettmann – Billie Holiday (R: KitschKrieg)

Hier schließt sich der Kreis: KitschKrieg sind mit Trettmann nach Jamaika geflogen und haben dort nicht nur der Kultur gehuldigt, sondern auch ein richtig, richtig schönes Video mitgebracht. Keine krassen Schnitte, keine Farben, keine überwältigenden Effekte. Man spürt °awhodat°s Einfluss, denn die Visuals basieren auf dem Ursprung des Films: der Schwarz-Weiß-Fotografie. Jede Einstellung würde nicht zuletzt wegen ihrer Ruhe und den wunderschön dominierenden Kontrasten auch als Foto funktionieren, nur fügt die Bewegung eben noch mehr Leben hinzu. Und so ergibt auch die zweite Hälfte absolut Sinn. Außerdem sieht Jamaika einfach verdammt nice aus.