Die besten Musikvideos des Jahres (international) // Visualizing Music

von am

Na, schon satt? Hoffentlich nicht, denn wir servieren euch hier noch schnell die besten Musikvideos des Jahres auf internationalem Terrain, bevor ihr wieder ins Fresskoma fallt. Guten Appetit!

10

Blood Orange – Charcoal Baby (R: Crack Stevens)

Blood Orange aka. Lightspeed Champion aka. Dev Hynes hat nicht nur (meiner Meinung nach) eines der besten Alben des Jahres abgeliefert, sondern auch ein paar der schönsten Videos. Immer ästhetisch glänzend umgesetzt, behandelt er insgesamt viele Themen um Community und Identität, im Video zu „Charcoal Baby“ geht es ganz speziell darum, wie das eigene Umfeld eine Art Familie sein kann. Das wird im Split Screen doppelt vorgetragen und passt rein formal unfassbar gut zum Vibe des Songs, inhaltlich gibt es ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit.

09

Billie Eilish – when the party’s over (R: Billie Eilish)

Auch Billie Eilish hat in diesem Jahr mehrere schöne Videos veröffentlicht, von denen dieses hier wohl am viralsten ging. Die Visuals zu ihren Songs sind geprägt von einer cleanen Einfachheit, starken Persormances und dadurch umso stärkerem Audruck, was ganz klar perfekt zu ihrem Sound passt. Es tut gut zu sehen, dass eine so junge Künstlerin nicht von der Industrie für Teenage-Star-Spielereien vereinnahmt wird, sondern ihre eigenen Visionen umsetzen kann.

08

Joji – Slow Dancing In The Dark (R: Jared Hogan)

Was Musikvideos angeht, gehört das 88rising-Kollektiv schon lange zu meinen Favorites. Was die Gruppe um Sean Miyashiroso besonders macht, kann man zum Beispiel hier nachlesen. Joji himself, fka. FilthyFrank, hat dieses Jahr nicht nur ein überzeugendes Debütalbum veröffentlicht, sondern kam auch in dieser Kolumne immer mal wieder vor. Das Video zu „Slow Dancing In The Dark“ repräsentiert den ganzen düsteren LoFi-Vibe des Albums auf sehr epische Weise: Joji verwandelt sich vor lauter Liebsekummer zum Faunus, der dann auch noch elendig stirbt. Schöner kann man diese Story eigentlich nicht inszenieren.

07

JPEGMAFIA – 1539 N. Calvert (R: Audrey Gatewood)

Natürlich sprudelt hier überall die Kreativität nur so vor sich hin – Aber JPEGMAFIA hat es geschafft, den Ort seiner Inspiration und seines Schaffens in einem Video einzufangen. Die Adresse im Songtitel bezieht sich auf das Bell Foundry, ehemals der wichtigste Ort für alternative Künstler in Baltimore, ein Hort der kreativen Energie. Das Video fängt die Stimmung und das Leben dort so ein, wie es auf Peggy gewirkt hat – Ganz nebenbei glänzt es noch mit der ausufernden Choreographie und der starken Performance des Künstlers, die die gewaltige Energie des Songs ergänzen.

06

Kali Uchis Feat. Steve Lacy – Just A Stranger (R: BRTHR)

Kali Uchis hat nicht nur eines der stärksten Alben des Jahres geliefert, sondern auch immer wieder schöne Visuals dazu. Das Video zu „Just A Stranger“ bewegt sich zwischen Paradies und Albtraum und stellt perfekt diesen Zwiespalt im Zusammenhang mit unseren liebsten Scheinen dar. Während das Lied das Bild einer starken Frau zeichnet, die sich als Gold Digger versucht, zeigt das Video eben diese ambitionierte Frau auf der Suche nach dem Geld, das ihr das Glück bringen soll. Nicht nur passen die farbenfrohen und trippy Visuals allgemein wunderbar zu Kalis Style, sie sind auch wahnsinnig unterhaltsam und detailverliebt.

05

Tyler, The Creator Feat. Kali Uchis – See You Again (R: Wolf Haley & Happy Place)

Auch wenn Tyler diese Jahr kein größeres Projekt gedroppt hat, war er irgendwie durchgehend präsent. Einige Freestyles und übrig gebliebene Tracks im Sommer, eine Weihnachts-EP und eben dieses filmische Meisterwerk hat er dieses Jahr veröffentlicht. Das Video zu „See You Again“ ist nicht besonders actionreich, hebt sich aber ganz klar von der Masse ab: Nicht nur ist es technisch einwandfrei umgesetzt, sondern steckt auch voller kreativer Energie, die die ganz eigene Gedankenwelt des Flower Boys für uns eröffnet. Hier steckt so viel Vision und Gefühl drin, dass das Video einen sofort mitreißt und nicht mehr loslässt.

04

A$AP Rocky – A$AP Forever (R: Dexter Navy)

Zum letzten Rocky-Album mögen die Meinungen ja gespalten sein, aber eins kann man ihm nicht absprechen: Dass er und das Team von AWGE verdammt krasse Videos rausballern. Eigentlich war jedes davon dieses Jahr ein kleines Meisterwerk und das hier aufgeführte hat den Startschuss zur Rocky-Season gegeben. Wie der Track bewegt sich das Video zwischen starker Strukturierung und einem assoziativen Stream of Conciousness, dazu kommt hervorragende Kameraarbeit und Postproduktion. Spektakuläre Videos für Hits eben.

03

Childish Gambino – This Is America (R: Hiro Murai)

Uff. Wahrscheinlich das größte Phänomen des Jahres. Childish Gambinos „This Is America“ ist ein Meisterwerk, eine Abhandlung über die Aufmerksamkeitsökonomie der amerikanischen Gesellschaft, die schwarze Kultur viral macht, während gleichzeitig PoC diskriminiert, gejagt und ermordet werden. Das Video dazu zeichnet sich vor allem durch die gewohnt atmosphärische Arbeit Hiro Murais auf und steckt voller Detailreichtum und Referenzen, die man auf Hausarbeitslänge ausführen könnte. Ein Musikvideo, das leider schon selbst zur Internet-Attraktion wurde, ohne dass sich besonders viele mit der Message auseinandergesetzt haben, die es eigentlich bitter nötig hätten.

02

Tierra Whack – Whack World (R: Thibaut Duverneix)

Tierra Whack ist eine Newcomerin aus Philadelphia, die mit ihrem Album nicht nur eine Einführung in ihr eigenes kleines Universum gegeben hat, sondern das auch noch originell verpackt hat. Mit 15 Tracks in 15 Minuten und der visuellen Erweiterung des Albums hat sie bewiesen, dass sie nicht nur progressiv ist, sondern auch voller Ideen steckt. Ebenso dieses Video, das sich für jeden der kurzen Songs komplett verwandelt und immer irgendwie das Thema der Tracks wiederspiegelt. Gleichzeitig spielt dieses audiovisuelle Werk auf einzigartige Weise mit Hörgewohntheiten des Streamingzeitalters und dem Social-Media-Marketing. Von Tierra Whack darf man sich noch Großes erwarten!

01

Sevdaliza – Shahmaran (R: Emmanuel Adjei)

Das ist einfach das beste Musikvideo des Jahres. Unheimlich klug, kreativ und technisch gut umgesetzt. Und weil ich den inhaltlichen Teil niemals so gut in eigenen Worten zusammenfassen könnte, macht das an dieser Stelle der Regisseur für mich: „Carrying the burden of their ancestors most African American men today are still born into an environment that limits their freedom. Drawn to the dream of having power and success they hold on to the image of a false like idea of autonomy and with it success. It is however this house of freedom that has enslaved these men again. Chained to a phantasy often with materialistic nature keeps them upright throughout survival. They have become a victim of their addictions to power and materialism.“