Die besten Musikvideos des Monats: Februar // Visualizing Music

von am

Damit diese Kolumne nicht zum reinen Ästhetikgewichse wird, gibt’s heute auch mal wieder Inhalte, Inhalte, Inhalte. Löst euch aus der Froststarre und schaut, was ihr verpasst habt. Und bitte gebt mehr Hak an Regisseure. Danke.

10

Dexter feat. Waldoe & Kuchenmann – Venus & Mars (R: Michael Obenland)

Dexter war auf Tour und hatte seine Freunde dabei. Viele Freunde. Unter anderem Michael Obenland, der brav seine Kamera im Gepäck hatte und direkt nach seiner Wiederankunft in Berlin alles Material in die Hände von Paul Bröse gelegt hat, der tagelang hier neben mir saß und am Schnitt rumgewerkelt hat. Herausgekommen ist ein wahnsinnig unterhaltsames Video, irgendwo zwischen Venus und Mars und dennoch komplett down to Earth. Das Video steigert außerdem meine Vorfreude auf die Tapefabrik ins Unermessliche.

09

Kendrick Lamar & SZA – All The Stars (R: Dave Meyers & the little homies)

Das Video hätte eigentlich auch auf Nummer Eins landen können. Denn durch übersprudelnde Kreativität und perfekte Umsetzung hätte dieses Kunstwerk definitiv das Zeug dazu. Hätte. Die Freude wird gedämpft durch den anbiedernden Pop-Sound, durch das Wissen, dass in dieses Ding garantiert Unmengen an Geldern geflossen sind, die anderweitig besser investiert gewesen wären und vor allem durch die Anschuldigungen, die derzeit gegen Regisseur Dave Meyers und die kleinen Homies vorliegen. Die Szenen mit den Goldelementen sind nämlich mindestens inspiriert durch die Kunst von Lina Iris Viktor, auf die TDE schon vor einiger Zeit zwecks Zusammenarbeit zukam. Sie hatte abgelehnt. Aber keine Angst, die little homies kriegen ihr Hak schon noch.

08

Dardan & Luciano – Airmax gegen Kopf (R: Omely)

Aus dem absoluten Mainstream zu dem, was ich fast als Hood-Hymne des Monats betiteln würde. Dazu kommen wir später nochmal. Die beiden Nicht-mehr-ganz-so-Frischlinge haben auf jeden Fall ordentliches Grummeln im Bauch und packen aus, was sie legal so zeigen dürfen. Dazu gibt’s Glitches ohne Ende, die aber verdammt gut in das Video verbaut sind und uns unter anderem dieses wunderschöne Artikelbild bescheren. Zuffenhausen ist die Squad.

07

Skinnyblackboy – Alone (R: Justin von Glahn & Mona Charaf Eddine)

Und ab geht’s zu einem richtig frischen Künstler. Aus dem Tightill-Umfeld kommt Erotik Toy Records-Member Skinnyblackboy, bei dem man auch dank den Produktionen von Florida Juicy auf seinem Debütmixtape „Vol. 1“ keine Ami-Vergleiche zu scheuen braucht. Verdammt souverän bringt er feinste Cloud-Vibes aus der Hansestadt Bremen in die weite Welt. Dass da auch das Video punkten muss, ist klar, so werden alle Formate durchgespielt, die es wohl in etwa gibt und hier und da ein (vielleicht auch ungewolltes) Zitat angebracht. S/o Kenny, s/o Ferris.

05

Rich Brian – Cold (R: Matthew Dillon Cohen)

Parallel zur persönlichen Weiterentwicklung von Rich Brian hat er wahrscheinlich in seinen 88rising-Kreisen ein wahnsinnig positives, inspirierendes Umfeld gefunden. Anders können wir uns kaum erklären, dass wir nur wenige Monate nach „Dat $tick“ Brian Emanuel dabei zuschauen dürfen, wie er die abgefahrensten Kunststücke auf Eis macht und das Ganze auch noch perfekt in Szene gesetzt ist. Matthew Dillon Cohen sollte man sowieso auf dem Schirm behalten, nicht nur dank seinen Arbeiten für joji und Gus Dapperton, sondern auch wegen seiner faszininerenden Fotografie.

06

Jay Rock, Kendrick Lamar, Future & James Blake – King’s Dead (R: Dave Free of the little homies & Jack Begert)

Endlich kriegen die little homies ihren wohlverdienten Respekt. Genauer gesagt Dave Free, seines Zeichens TDE-Labelboss und Jack Begert, der nicht nur Kenny’s „God is Gangsta“-Video mitproduziert hat, sondern auch schon Jay Rock’s „Money Trees Deuce“. Die Money Trees sind jetzt ausgewachsen, man sitzt darin oder hängt an der Börse rum, um gleich darauf wieder in den guten alten Barber Shop zu gehen. All die wunderschönen Details retten aber niemanden vor dem Plot Twist, der das Video zu einem noch größeren Meisterwerk macht.

04

Gzuz – Was hast du gedacht? (R: unbekannt)

Ich frage mich jetzt schon seit einer Weile, ob es keine Credits für das Video zur absoluten Hood-Hymne des Monats gibt, weil die Jungs keinen Fick geben, oder einfach, um den Regisseur vor den Griffeln der Staatsgewalt zu schützen. Wahrscheinlich Zweiteres. Ist aber auch gar nicht wichtig, denn das Video schafft es offensichtlich nicht dank kinematographischer Feinheiten auf den vierten Platz, sondern eher, weil a) es einen (wahnsinnig destruktiven) Lebensstil, den die Boys anscheinend führen, perfekt visualisiert und b) der WorldstarHipHop-Move richtig aufgeht. Kids auf dem ganzen Globus sind geschockt, Alemania ist da. Und die Deutschen freuen sich immer noch, wenn sie vor anderen Nationen angeben dürfen.

03

Trippie Redd feat. Travis Scott – Dark Knight Dummo (R: White Trash Tyler)

Ging es letzten Monat bei Trippie im Kampf gegen Dämonen noch etwas futuristischer zu, trifft er sich dieses Mal mit Travis und einigen Komparsen im Hinterland, um Zombiearmeen abzuschlachten. In feinster Blaxploitation-Manier beschützen die beiden das Guwap, das in der Hütte gezählt wird. Dank White Trash Tyler, der unter anderem auch für Kylie Jenners „To Our Daughter“ und Kanye Wests „Famous“-Video verantwortlich ist, sieht das alles auch verdammt gut aus und wir können uns zurücklehnen, während Trippie die Welt von dunklen Mächten befreit.

02

Ufo361 – Beverly Hills (R: Christoph Szulecki)

Oh, Tiffany. Ufo war so glücklich mit dir. Ich kann zwar nicht alles nachvollziehen, was hier passiert, aber es scheint fast so, als wäre ihm die Geliebte samt seines Vermögens durchgebrannt. Damn. Die Fortsetzung kann also nur ein verdammt ästhetischer Thriller sein, an dessen Ende der Kreuzberger wieder auf die Frau trifft, die ihn ebenso auf Wolke Sieben gebracht hat, wie sie ihn jetzt zu Boden wirft. Dass Christoph Szulecki abliefert, ist aber sowieso klar, er ist schließlich nicht nur für die meisten Ufo361-Videos verantwortlich, sondern auch für Haftis „Saudi Arabi Money Rich“.

01

Drake – God’s Plan (R: Karena Evans)

Gottes Plan geht auf: Drake wird mit unendlichem Reichtum beschenkt und was macht er? Er gibt ihn einfach weiter. Damit kommt vielleicht nicht das absolut ästhetischste Video des Monats zustande, sondern einfach das schönste. Realrap, wem hier nicht irgendwann eine Träne rauskullert, der hat kein Herz. Die meistgefeierte Line ist leider Müll, trotzdem Hit. Und meine Schulzeit wäre auch erträglicher gewesen, wäre Drizzy ab und zu vorbeigekommen.