UK 2017: Blühender Untergrund // Jahresrückblick

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Die britische Musikszene wurde 2017 erneut von Vielfalt und Innovation auf ein Level getrieben, von dem man anderswo kaum zu träumen wagt – Der feuchte Untergrund bietet anscheinend die besten Vorraussetzungen für aufblühende Talente. Aus diesem Grund haben wir euch unsere liebsten Underground-Helden des Jahres herausgesucht. Damit könnt ihr bei der nächsten Rap-Diskussion mit Newcomer-Facts glänzen, nichts zu danken.

Kojey Radical

Kojey ist bei uns mittlerweile ein gern gesehener Stammgast, doch für den Mainstream bewegt er sich immer noch in unergründlichen Untergrund-Gefilden. Unverständlich eigentlich, betrachtet man seinen Fortschritt, seit dem wir das erste mal über ihn berichtet haben: Unzählige Live-Shows (darunter auch ein unvergesslicher splash!-Besuch), unvergleichbare Videoreleases (wie „700 Pennies) und oben drauf mit „In Gods Body“ noch ein ausgesprochen stabiles Tape. Alles wie gewohnt verdammt künstlerisch, ästhetisch und auf einem Lyrik-Level, das man mit dem Stanni-2017-Output nicht in die selbe Schublade stecken mag. Das ist auch der Grund, wieso Kojey Radical in der diesjährigen UK-Underground-Liste einen Platz findet – solch eine lyrische Glanzleistung war dieses Jahr nämlich alles andere als selbstverständlich.

Denzel Himself

Ach, wäre doch jeder ein bisschen offener gegenüber all dem wunderbaren Sound, der nebst Grime seine Wurzeln in den feuchten, britischen Boden gräbt und damit eine wunderschöne, bunte Musiklandschaft erblühen lässt. Denzel Himself ist eine dieser frischen Blumen zwischen Hardcore- und HipHop-Inspo, die mit enormer Intensität, gewaltigen Drums und teils schnellen Rap-Parts teils angenehmer Lethargie jegliche Genregrenzen zertrümmert. Leider erschien dieses Jahr kein Tape nur eine Re-Release seiner Debüt-EP „Pleasure„, doch seine visuellen Kunstwerke rückten den Outer-London-Rapper in den Fokus so mancher Rap-Gespräche und immer wieder stolpert man über den Vergleich mit Tyler, The Creator – beides vollkommen verständlich!

Paigey Cakey

Paigey ist in England schon längst weit über den Untergrund hinaus gewachsen: Spätestens mit dem letztjährigen „Pattern„, das mittlerweile stolze 1.5 Mio Views auf Youtube hat, hat sich die Sängerin/Schauspielerin auch als Rapperin in der Musikszene festgesetzt. Doch trotz Wikipedia-Eintrag (lol, geiles Argument) und Stormzy-Feature hat die Hackney-Queen es irgendwie nie wirklich über den Ärmelkanal nach Alemania geschafft. Schade eigentlich, aber vielleicht wird sich das ja bald ändern (hoffentlich dank dieser Liste).

Che Lingo

Wir sind uns fast sicher, dass 2017 kein Internationaler Act so viele Berlin-Shows hatte, wie Che Lingo. Wieso? Keine Ahnung, aber wir haben nichts daran auszusetzen. Denn der „young wizard with the pen“ hat uns im vergangene Jahr alles andere als enttäuscht. Zwar gab’s nicht viel neuen Output, doch mit „Black Girl Magic“ hat er einen Untergrund-Nummer-1-Hit abgeliefert und sein Video zu „Metal & Rocks“ ist weit mehr als ein einfaches Video – viel mehr ist es eine intensiv-transzendent Erfahrung, die man nicht missen möchte. Doch eigentlich hätte es das alles gar nicht gebraucht, denn die „Zuko“-Visuals Anfang des Jahres haben uns schon voll und ganz überzeugt.

Slowthai

Northampton liegt irgendwo im Niemandsland nord-westlich von London und ja, uns fällt spontan kein relevanter Rapper ein, der dieses Stadt representet. Bis HEUTE: denn jetzt haben wir ja Slowthai auf dem Schirm und wir können verdammt nochmal froh darüber sein. Schon auf seiner „slowitdownn“-EP im Juli zeichnete er mit seiner rauen Stimme und einem Hang zum lyrischen Gepose dieses unvergessliche Soundbild, das vor einem Monat dann mit „I Wish I Knew“ vervollständigt wurde: Grob, schmutzig und manchmal unschön, genau so, wie das Leben in seinem Geburtsort eben sein kann.

Octavian

Es ist noch gar nicht so lange her, das wir über Octavians „Party Here“-Video gestolpert sind, aber es hat auch nicht lange gedauert, bis wir voll und ganz von dem jungen French-born-London-raised Rapper überzeugt waren. Irgendwo zischen ratternden Bars und stimmexperimentellen SingSang, der manchmal ein wenig nach Santan Dave klingt, massieren die tiefen Bässe unsere Ohren, außerdem ist das Video einfach ein Traum. Aber hört euch am besten auch durch’s Album „Essie World“ – lohnt sich, schwöre.

Ebenezer

Auch wenn PnB Rock seit dem Lil B-Zwischenfall in unseren Augen verdammt ehrenlos ist, gilt ein Feature mit ihm in manchen Rap-Kreisen wahrscheinlich noch als ein eindeutiges Qualitätsmerkmal (das wollen wir mal nicht weiter hinterfragen). Auf was wir eigentlich hinaus wollen: Ebenezer hat das oben genannte Feature, doch eigentlich ist das eh egal – er kann auch ganz gut alleine. Mehr als dass der East-Londoner mit seinem Sound einen einzigartigen, britischen Hybriden aus RnB und Trap bastelt, wissen wir auch nicht. Aber wir garantieren, da kommt noch einiges auf uns zu.