Tyla Yaweh: „Ich weine lieber in einem Benz als in einem Honda“ // Interview

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“Can you close the door for a minute?“ Mit diesen Worten fällt im Backstage der Mercedes-Benz Arena um etwa 20:55 Uhr eine Tür ins Schloss. Wenige Minuten zuvor hat Tyla Yaweh seinen Auftritt als Opener für Post Malone hinter sich gebracht. Tyla Yaweh ist fertig. Tyla Yaweh braucht erstmal eine kurze Verschnaufpause. Eine knappe Viertelstunde später geht die besagte Tür dann aber doch nochmal auf. Tylas Manager Tes bittet herein, der Künstler selbst entschuldigt sich mit den Worten: “Thank you for your patience!“ Überraschend höflich und mehr als fair, denke ich mir. Tyla Yaweh hat also doch Bock auf ein Interview. Ein Gespräch über Donuts, Obdachlosigkeit und Beer Pong-Duelle mit Herrn Austin Richard Post.

Tyla, welche Donutsorte magst du am liebsten?

Vanilla Cream. Die sind fire!

Vielleicht kannst du dir vorstellen, worauf ich hinaus will…

(Lacht) …ich habe mal eine Zeit lang bei Dunkin’ Donuts gearbeitet. Da muss ich ungefähr 16 Jahre alt gewesen sein, schon damals habe ich alleine gelebt. Ich war früher kein guter Junge, habe viel Scheiße gebaut und Drogen verkauft. Bei Dunkin’ Donuts habe ich eigentlich nur gearbeitet, um meine Mom denken zu lassen, dass ich einen normalen Job hätte.

Das war kurz bevor du aus Florida nach Los Angeles gezogen bist, um deine Musikkarriere zu starten, richtig?

Genau.

Als du dann nach LA kamst…

…war ich homeless as fuck! Wenn’s hochkommt, hatte ich zu dem Zeitpunkt Tausend Dollar in meiner Tasche. Ich konnte nirgends wohnen. Also musste ich erstmal draußen auf dem Boden schlafen.

Was war die wertvollste Lehre, die du aus dieser Zeit gezogen hast?

Das Leben und alles, was man hat, schätzen zu lernen. Selbst wenn dir jemand eine noch so ‘kleine‘ Sache gibt. Du musst sie zu schätzen wissen. Andere Leute haben vielleicht nicht mal die Chance, diese Dinge zu haben.

Einige Jahre später sitzt du nun hier in Berlin. Überkommt dich jemals die Angst, alles wieder zu verlieren?

Wenn ich alles verlieren sollte, würde ich wieder genauso zurückkommen. Das wird aber nicht passieren, ich werde nicht scheitern. Ich lebe das Leben, das ich mir ausgesucht habe.

Bist du ein „big Spender“ oder sparst du und legst Geld zur Seite?

(Lacht) Ich lebe einfach mein Leben. Aber ich gehe nicht los und kaufe mir einen Haufen Designer-Klamotten. Ich kaufe immer noch günstige Sachen, shoppe bei Zara oder Target, trage Crocs. Schmuck kaufe ich mir gerne, weil er für mich sowas ist wie für andere Trophäen. In Zukunft will ich mein Geld aber auch investieren. Ich will einer der Typen auf der Forbes List werden, bei denen sich alle fragen: “Wie kann es sein, dass dem so viele Unternehmen gehören und er trotzdem wie ein Rockstar lebt?”

Auf deinem Song „Ain’t What It Seems“ sagst du: “Money ain’t everything.” Auf der anderen Seite hast du in der Vergangenheit immer wieder betont, dass du möglichst viel Geld verdienen willst, um große Häuser zu kaufen und so weiter. Wie passt das zusammen?

Geld macht nicht glücklich. Ich weine aber lieber in einem Benz als in einem Honda. (Lacht)

Um nochmal auf deine Wurzeln zu sprechen zu kommen: Florida hat den Ruf, ein Bundesstaat zu sein, in den Rentner gerne ziehen, um ihren Lebensabend zu genießen. Wie viel Wahres ist da dran?

Es stimmt, dass viele Leute nach Florida gehen, um dort ihren Ruhestand zu genießen. Diese Leute gehen dann an Orte wie West Palm, Fort Lauderdale oder Daytona Beach – also in die sandigen Gegenden. Im Inneren von Florida gibt es aber eben noch all die Leute, die noch nicht in Rente sind. (Lacht) Ich komme aus Altamonte Springs. Dort gibt es viele Orte, die man lieber meiden sollte, aber natürlich auch Nachbarschaften, in denen viele reiche Menschen leben. Im Prinzip ist Florida also wie der Rest der Welt: arm und reich.

Es ist einfach unglaublich, den größten Rockstar unserer Zeit an meiner Seite zu wissen. Zumal wir genau gleich alt und wie Brüder sind. Er hat mir schon so viel beigebracht. In meinen Augen ist Post ein Genie.

Tyla Yaweh über Post Malone

Seit etwa einem Monat tourst du nun schon mit Post Malone durch Europa. Was war dein bislang verrücktestes Erlebnis in dieser Zeit?

Gegen ihn in Beer Pong zu gewinnen! Ben (Benjamin Kickz, Anm. d. Verf.) und ich haben vier Mal hintereinander gegen Post und Smitty (Post Malones DJ, Anm. d. Verf.) gewonnen. Ya dig? Aber im Ernst: Es ist ein Segen, auf dieser Tour zu sein; zu reisen, neue Menschen und Orte kennenzulernen und zu sehen, wie die Leute ausrasten, wenn wir auf der Bühne sind.

Du stehst bei Epic Records unter Vertrag, wirst von Dre Londons ‘London Entertainment Group‘ gemanagt und hast ein Co-Sign von Post Malone in der Tasche. Welchen Anteil hat Post an deiner Karriere?

Er hat mein Leben verändert. Das erste Mal, als ich Post kennengelernt habe, war ich Opener bei seiner Show im ‘Backbooth‘ in Orlando. Danach bin ich durch all meine Irrungen und Wirrungen gegangen und habe buchstäblich gesehen, wie ‘White Iverson‘ erst 15.000 Aufrufe hatte und dann die Millionen – wahrscheinlich sogar Milliarden – von Aufrufen, die der Song heute hat. Als ich dann nach LA gezogen bin, haben wir uns wiedergefunden. Das war wohl unsere Bestimmung. Es ist einfach unglaublich, den größten Rockstar unserer Zeit an meiner Seite zu wissen. Zumal wir genau gleich alt und wie Brüder sind. Er hat mir schon so viel beigebracht. In meinen Augen ist Post ein Genie.

Junge Musiker wie du sind immer der Gefahr ausgesetzt, unfassbar schnell durch die Decke zu gehen und eine Handvoll Hits zu haben, dann aber genauso schnell wieder von der Bildfläche zu verschwinden. Was tust du, um das zu verhindern und um stattdessen zu erreichen, dass deine Musik für eine lange Zeit relevant bleibt?

Meine Musik ist zeitlos. Und mein Plan ist es auch, weiterhin zeitlose Musik zu machen. Erst vor ein paar Wochen habe ich mein erstes Projekt ‘Heart Full of Rage‘ veröffentlicht, an dem ich anderthalb Jahre lang gearbeitet habe. Ich hatte eigentlich auch damit gerechnet, ein paar negative Kommentare, negatives Feedback zu bekommen – das war bis jetzt aber überhaupt nicht der Fall! Das ist verrückt und erdet mich sehr. Ich will das, was ich habe, nicht verlieren. Also versuche ich, so normal wie möglich zu bleiben. Ob ich glaube, dass ich ein Superstar werden kann? Absolut. Dann werde ich aber immer noch dieselbe Person sein, die ich schon immer gewesen bin.

Schon immer on point waren deine Dance Moves, sowohl auf der Bühne als auch in deinen Musikvideos. Hast du jemals Tanzstunden genommen?

Das nicht, aber ich habe schon mein ganzes Leben lang getanzt. Meine Schwester war früher in einer Girl Group, von ihr habe ich mir viel abgeschaut. Ich habe dann sogar an einigen Talentshows teilgenommen und den ganzen Tag mit meinen Freunden getanzt. Wir haben uns teilweise über twitter verabredet, um in Shoppingmalls zu tanzen und mit unseren Gruppen gegeneinander anzutreten. (Lacht) Abgesehen davon habe ich sie alle studiert: Michael Jackson, James Brown, B2K, Chris Brown… sogar Elvis!

Auf „Drugs & Pain“ setzt du dich mit dem recht verbreiteten Schema auseinander, Drogen zu nehmen, um Schmerzen zu lindern.

Ich habe eine Zeit durchgemacht, in der ich verschreibungspflichtige Medikamente genommen habe. Damit habe ich aber aufgehört, weil ich – durch die Medikamente bedingt – den ein oder anderen Schrecken hatte, den ich nie wieder erleben möchte. Wann immer ich mir jetzt meine Musik aus dieser Zeit anhöre, sage ich zu mir selbst: “Yo, du rufst da um Hilfe. Warum hilfst du dir nicht selbst?“ (Lacht)

Was war die schmerzhafteste Erfahrung, die du in deinem bisherigen Leben machen musstest?

Schmerz ist eine Wunde, die heilen wird. Du musst diese Schmerzen ausstehen, eines Tages werden sie heilen und nicht mehr da sein. Da musst du einfach durch.

Was hat dir persönlich geholfen, schwierige Phasen zu überstehen – abgesehen von Drogen?

Eine positive Einstellung zu haben und nie den Glauben zu verlieren, dass ich alles im Leben überstehen werde. Wir alle haben unsere Sorgen und Probleme. Jetzt ist meine Zeit, um zu predigen und den Leuten klarzumachen, dass sie positiv bleiben müssen und da durchkommen werden.

Bist du religiös?

Ich bin in Kirchen großgeworden. Meine Tante, eine meiner Großmütter und meine Onkel waren alle Prediger. Ich glaube aber eher an Energien. Selbst wenn du heute sterben solltest, glaube ich daran, dass du dich zu etwas noch Größerem entwickeln wirst.

Ich habe vor allem deshalb gefragt, weil Yahweh…

… aus dem Hebräischen kommt. Im Judentum ist das der Name Gottes, bedeutet so viel wie ‘I Am Who I Am‘, ist aber auch der Hauch frischer Luft, der die Welt erschuf. Genau das ist meine Musik auch: Ein frischer Wind.

Vor ein paar Tagen hast du dir „good vibes“ auf die Augenlider stechen lassen. Wenn du von einem Augenblick auf den anderen eine Sache auf der ganzen Welt verändern könntest: Welche wäre das?

Dann würden wir uns alle gegenseitig lieben!