Tightill: „Schnell machen, Gehirn löschen und neue Ideen fließen lassen“ // Interview

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Tightill und seine Crew Erotik Toy Records sind 2017 aus Bremen aufgetaucht, um der hiesigen Rapszene ihren Stempel aufzudrücken. Sie verweigern sich der Modus Mio-Erwartungshaltung, brechen Geschlechterklischees auf und nennen sich zurecht „The most sensitive Rapcrew alive“. Zum Erscheinen von Tightills Debütalbum „Infinity“ hat sich unser Autor Nabil Tiebi mit dem Newcomer zum Gespräch getroffen.

Was hast du in der Produktionsphase des Albums über dich selbst oder das Leben gelernt?

Man lernt immer etwas über sich selbst. Das Album ist jetzt für mich ‘ne geile Sache, weil es das Debütalbum ist und sich nach einem guten Sockel anfühlt. Man knallt das jetzt raus und kann weiter kreativ rumspinnen. Ich habe praktisch einmal mein Gehirn gelöscht – Das fühlt sich gut an, wenn man etwas abgehakt hat.

Hat sich auch deine Arbeitsweise während der Albumproduktion verändert bzw. professionalisiert?

Das jetzt nicht ganz, es wurde natürlich noch im Schlafzimmer aufgenommen und nicht im geilen Studio. Aber es wurde mehr Arbeit und mehr Gedanken reingesteckt. Es wurde mal so richtig mit dem Producer zusammengearbeitet, die Beats wurden besser angepasst. Das war ja vorher eher DIY, raushauen und fertig, so nach dem Motto. Da war jetzt schon mehr der Anspruch, dass man da jetzt auch mal länger an etwas arbeitet und sich noch etwas länger überlegt, wie man etwas umsetzt. Das war bei diesem Album anders als bei den Projekten davor.

Bis vor 3 Wochen hatte ich noch keine Berührungspunkte mit deiner Musik und muss ehrlich sagen, dass sie mich gefordert hat. Ist es dein Anspruch, Musik zu machen, die nicht weichgespült ist, sondern aneckt – ja, mit der man sich auseinandersetzen muss?

Ich glaube, ich kann das gar nicht, so weichgespült. Das ist jetzt nicht mein Anspruch mit dem Anecken, aber ich freue mich, wenn das so ist. Weil wenn das Leute fordert, ist das gut. Ich fordere mich selber ja auch immer und mein Anspruch ist, dass mir nicht langweilig wird. Ich spinne dann rum und kann mit der Musik und mit den Videos ja machen, worauf ich Bock habe. Warum dann etwas Normales machen?

Du sprichst in „Pitty“ davon, dass dein Herz am Ganzen zerbricht. Ist es die Musik, die dir so viel abfordert?

Ja, ich habe immer nur zwei Modi. Entweder „Yo, was kost’ die Welt, ich ficke alles“ oder „Ich kann nicht mehr, ist mir alles zu anstrengend“. Ist immer eine Achterbahnfahrt. Manchmal hat man einfach eine Überdosis vom zu schnellen Leben. Darum geht es in “Pitty”. Es gibt ja ganz viele Raptracks, in denen gesagt wird: „Ich geb alles, ich bin der Beste, ich fühl mich fit wie’n Pitty“ und ich fand es cool, damit zu brechen.

Auf „Traumland“ singst du darüber, dass du lange weg warst und die Welt plötzlich ganz klein für dich geworden ist. Was ist dieses Traumland für dich, du lässt das ja ziemlich offen?

Das will ich auch offen lassen. Funky M aka Donvtello, der ja auch auf dem Track drauf ist, rappt über das Traumland und den Traum. Für mich geht es mehr um das Rumtreiberleben: Dass die Welt kleiner wird, je mehr man unterwegs ist. Speziell in Subkulturen kennt man überall Leute und auf einmal ist die Welt winzig. „Ich war viel zu lange weit, weit weg und auf einmal ist sie klein diese Welt“, genau das meine ich damit. Nach der langen Zeit in der ich weg gewesen bin, habe ich aber auch das Gefühl, jetzt wieder geerdet zu sein, in der Stadt, aus der ich komme.

Wie hat sich deine Heimatstadt Bremen in der Zeit verändert, in der du weg warst?

Ich war ja nie ganz weg, ich war zwischenzeitlich auch immer wieder in Bremen zu Besuch und hab die Veränderung immer ein bisschen mitgekriegt. Viele von meinen Freunden, mit denen ich groß geworden bin, sind natürlich weggezogen oder kommen auch gerade wieder zurück. Das Viertel, aus dem ich komme, ist jetzt natürlich viel schicker und hipper geworden. Das war früher nicht so, das war schon ziemlich dreckig. Aber jetzt ist es echt anders. Dadurch, dass das Viertel auch nicht so groß ist, ging das auch ziemlich schnell. Auf einmal waren alle ranzigen Läden weg und die schicken Burgerläden, Bars und Restaurants sind hinzugekommen. Das ist schon echt traurig. Dafür passiert aber subkulturmäßig viel. ETR (Erotik Toy Records, Anm. d. Red.) haben wir da ja auch auf dem Nährboden gegründet und es ist immer noch so, dass das alles untereinander verbändelt ist.

Ich habe mir dein Album oft durchgehört und mich überkam das Gefühl, dass ich mehrere Alben gleichzeitig gehört habe. Mir fällt kein Deutschrapalbum der letzten Jahre ein, das sich an so vielen Genres bedient. Von Neuer Deutscher Welle, über 80er Synth-Pop, Punkrock, Memphisrap, bis zu aktuellen Trapsounds. Wie ist dieser Mix entstanden?

Ich glaube, das ist die Mucke, die ich einfach gerne selber höre und dann habe ich natürlich auch Bock, das selber zu machen. Ich möchte einfach verschiedene Styles machen, die ich selber gut finde. Ich bin schon lange in verschiedenen Subkulturen unterwegs gewesen und hab deswegen keine Scheuklappen auf, die mich auf einen bestimmten Style beschränken. Das ETR-Umfeld ist auch so frei unterwegs, Skinnyblackboy ist beispielsweise aus dem Indie Rock-Umfeld.

Wenn man skatet, nimmt man sich etwas von der Stadt zurück.

Tightill

Du rappst auf “Emotion Days II” wie auf dem englischsprachigen Vorgänger über Gefühle und Emotionen, die ja bekanntermaßen die Sprache unseres Körpers sind. Würdest du dich selbst als emotionalen Menschen beschreiben?

Ja auf jeden Fall, ich würde schon sagen, dass ich ein emotionaler Mensch bin. Aber die Idee zu den Emotion Days ist nicht aus einem Gefühl heraus entstanden. Das war damals in Zürich, da hatte das Autohaus gegenüber dem Haus, in dem ich gewohnt habe, eine Kampagne laufen. „Emotion Days“ – Und ich so: Was? Ein Autohaus und Emotion Days. Wie geil ist der Name eigentlich? Im nächsten Jahr hatten die dann wieder dieselbe Kampagne, da meinte ich: “Komm, lass mal den Track machen”. Natürlich bin ich auch ein emotionaler Mensch und verarbeite auch viele Sachen. Aber das ist trotzdem so ein bisschen auf lustig und abstrakt.

Passiert dir das öfter, dass du durch die Stadt gehst, Sachen siehst und dir denkst: “Alles klar, daraus mache ich jetzt einen Track oder das ist eine Line”?

Ja, was mich gerade in meiner Welt anfixt. Ich spiele gerade viel Mortal Kombat und mache jetzt auch einen Track über meinen Character.

Welcher Character ist das?

Noob Saibot. Mortal Kombat Trilogy. Es muss alles immer irgendwie in die Musik rein. Mir fallen dann halt auch immer so Sachen ein, wenn ich so auf der Straße laufe. Meistens setze ich mich gar nicht mehr hin und schreibe einen neuen Track ohne Idee, sondern setze mich hin und höre mir Sachen aus dem Diktiergerät an und schreibe das runter, ordne das ein bisschen und dann hab ich ‘nen Track.

Auf welcher Konsole zockst du?

Playstation 1 und Super Nintendo.

Cool, ich habe ’ne Playstation 2 und da ich selbst nichts großartig mit Skaten zu tun habe, aber weiß, dass du ’ne große Leidenschaft zum Skaten hast, hab ich mir Tony Hawks Pro Skater 3 geholt und das gezockt, während ich in “Infinity” reingehört habe.

(lacht) Gute Wahl, der Tony Hawk Soundtrack ist nämlich auch ganz gut. Tony Hawk auch sowieso cooler Typ und sehr entspannt.

Warst du früher in dem Tony Hawk Film?

Ich hab das früher auch gespielt, ich bin halt von 13 Jahren bis 25, 26 jede freie Minute Skateboard gefahren. Das war so richtig irre damals. Immer wenn ich keine Verletzung hatte, bin ich jeden Tag Skaten gegangen. Ist schon ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens, obwohl ich mich immer übertrieben verletzt habe.

Was ist die Faszination am Skaten? Ich kann mir vorstellen, dass das cool ist, weil es ein Sport ist, den man einfach alleine machen kann.

Ja, man kann das machen, wann man will. Wenn ich früher nicht schlafen konnte, bin ich in die Passage – Selbst bei Minusgraden im Winter und bin dann um 1 Uhr nachts alleine in der Einkaufspassage geskatet, mit Kopfhörer auf. Man kann das immer machen, einfach nachts durch die Stadt heizen ist geil. Wenn man skatet, nimmt man sich etwas von der Stadt zurück, man benutzt die Stadt ganz anders und du siehst immer neue Orte, an denen du fahren kannst. Mein Vater hat immer sehr viel Basketball und Fußball gespielt und als ich 13 war, als ich angefangen habe zu skaten, war das etwas, was er mir nicht beibringen konnte. Das habe ich mir selber beigebracht, dann ist man auch den ganzen Tag draußen mit seinen Freunden, man hängt auf der Straße rum und sieht halt die ganze Zeit lustige Sachen. Unser Skatepark war früher auch richtig grimey, am Hauptbahnhof, wo die ganzen Junkies rumgehangen haben. Das war ’ne sehr, sehr geile Zeit, die ich nicht missen möchte und ’ne wichtige Zeit auch für mich.

Du gehst mit deinen ETR Jungs bald auf die „Most sensitive Tour alive“ – Was können die Leute auf dieser Tour erwarten? Sollen die sich Taschentücher mitbringen und sich emotional mit Tony Braxtons Musik vorbereiten?

Erotik Toy Records nennen wir ja auch “The most sensitive Rapcrew alive”, weil wir alle so bisschen auf Lovesongs unterwegs sind und eben einfach süße Jungs. Die Tour wird keine normale Tour. Wir haben Jay Pop, der sehr deepe Songs macht und der wird auch das erste Mal mit auf Tour kommen und davor ’ne EP releasen, deswegen wird das kein klassischer Rapgig von fünf Leuten, die auf der Bühne stehen. Wir haben uns viele verrückte Sachen überlegt. Das wird lustig, ein Rapauftritt der anderen Art.

Lass uns mal über “Unten am Fluss” reden. Welchen Bezug hast du zur Neue Deutsche Welle? Ist das früher bei euch im Elternhaus gelaufen oder auf irgendwelchen Partys?

Ja, also zuhause ist das gelaufen und ich hab selbst viel Punk gehört, auch Punkpop, was so in Richtung Neue Deutsche Welle geht, beispielsweise Bärchen und die Milchbubis. Ich bin da auch mit aufgewachsen. Ich bin in den 90ern groß geworden und auf jeder Kinderparty lief halt auch Nena und Falco. Aber es gab ja auch mega viel Undergroundsachen und punkigere Sachen, das hat mich schon sehr geprägt. Es ist ja auch so DIE Deutsche Musik neben Schlager. Ich hab ja vorher auf Englisch Musik gemacht und habe mir dann irgendwann überlegt, was denn eigentlich geile Deutsche Musik ist. Das ist für mich dann NDW und so habe ich mich bewusst entschieden, in die Richtung zu gehen. Das wird in Zukunft noch viel krasser.

Mit „Böse auf Speed“ hast du 80er Jahre Punk-Vibes des Grauens geschaffen. Woher kommt die Liebe dazu?

Ich hab als Jugendlicher schon viel Deutschpunk gehört, damals schon in Bremen. In der Nachbarschaft waren viele Punker unterwegs und ich fand das Punker-Sein cool, vor allem in Kombination mit dem Skaten. Ich hatte früher auch einen Iro als Teenie. Ich kenn’ auch noch richtig viele Songs auswendig und hör’ das auch immer noch. Gestern war ich im Syndikat und da liefen dann auch Songs von Crass und ich konnte alles mitsingen, so ’ne alte Anarcho-Band aus den 70ern aus England. Es war echt überfällig, dass ich mal so einen Song mache.

Du hast den Song mit einer Live-Band aufgenommen – Was war das für ein Gefühl, mit der Wucht einer Band im Rücken?

Das ist auf jeden Fall eine andere Energie, wenn man mit einer Band im Rücken spielt. Ich bin auch einmal mit einer Punkband aufgetreten. Auch nur so’n Minigig vor 20 Leuten auf der Vokü vom Rauchhaus hier in Berlin. Wie gesagt, das ist ein ganz anderes Gefühl, als wenn da etwas vom Band abläuft. Viel organischer und viel mehr treibend und man muss sich aufeinander verlassen. Mal ist es etwas schneller, mal etwas langsamer, es ist nie gleich. Das war ‘ne geile Erfahrung. Ich bin auch schon lange am überlegen, so ein Projekt zu machen. Ich habe das Gefühl, über so vieles schon gerappt zu haben und will auch mal auf anderen Genres ein paar Themen besprechen und das ist dann natürlich anders mit einer Band. An Rap ist einfach geil, dass ich das einfach DIY machen kann, bei einem Bandprojekt muss man sich da schon zusammensetzen und jahrelang drüber nachdenken. Dann wird das wieder alt und langweilig. Lieber schnell machen, Gehirn löschen und neue Ideen fließen lassen.

Oft habe ich das Gefühl, ich bräuchte eigentlich kaum Leute außer meiner Crew.

Tightill

Du bist ja sowieso der “Lord Of Hobbies” – auf “Skate Or Die” geht es um Graffiti, Skaten und natürlich Rap. Warum findet deine Karriere nur in letzterem statt?

Skaten und Graffiti sind ja einfach Leidenschaften von mir. Beim Skaten stand das nie im Raum, dass ich damit Geld verdiene. Das war eher dieses Ding, draußen mit meinen Freunden rumzuhängen und auf keinen Fall das ganze wirtschaftlich anzugehen. Graffiti sowieso nicht, dafür bezahlt man Geld und kriegt keins. Das macht man für den Fame und wenn man das für Geld machen würde, verkauft man seine ganze Subkultur mit, das möchte ich nicht. Dann lieber mein eigenes Gesicht verkaufen und nicht die Kultur (lacht). Die Musik bin ich eigentlich genauso angegangen, aber das kam super an. Also dachte ich mir: Warum nicht?

Auf “Cops” hast du ein Sample am Anfang: „Manche Menschen sind einfach nicht dazu gemacht Cops zu sein“ – Woher stammt das?

Das Sample kommt von dem Producer, der sucht immer die krankesten Sachen raus und ich fand das so lustig, als ich da mit Doubtboy den Beat mit dem Sample am Anfang gehört habe. Wir saßen dann beim Producer und haben sofort die Hook gefreestylet und aufgenommen.

Auch wenn das Freestyle kam, ist das natürlich Kritik an Polizeigewalt.

Ja, klar, das war auch eins der ersten Male, dass ich in einem Track in eine andere Rolle schlüpfe. Natürlich ist das Gesellschaftskritik, weil es das gibt. Mach dir kein Kopf, ich bin ja da um dir zu helfen. Aber wenn ich grad Bock habe, schieß ich dich ab.

Man sagt, dass man zum Großteil das Ergebnis seines Umfeld ist. Wie sehr beeinflusst ihr euch im Erotik Toy Records gegenseitig?

Ja, voll. Doubtboy ist für mich zum Beispiel ‘ne riesige Inspirationsquelle. Seine Art zu denken hat mir auch nochmal einen ganz anderen Zugang zu deutschsprachiger Musik gegeben. Bei Florida Juicy ist es eher so, dass er mir auf professionellem Weg hilft, einen geilen Sound zu finden, er macht geile Beats und er kommt auch immer wieder mit neuen Sachen um die Ecke. Jay Pop auch, er schreibt eben diese krass deepen Texte und da kriegt man einfach frische Ideen. Wir sind alle natürlich auch super enge Freunde, oft habe ich das Gefühl, ich bräuchte eigentlich kaum Leute außer meiner Crew.

Wie habt ihr euch eigentlich alle kennengelernt?

In Bremen kennt man sich halt irgendwie untereinander, wenn man so in Subkulturen rumhängt. Wir kennen uns schon Ewigkeiten. Klar, seit wir jetzt gemeinsame Projekte angehen, hängen wir jetzt schon mega viel miteinander rum und man lernt sich noch intensiver kennen, man ist auf Konzerten, geht bald auf Tour oder war zusammen auf dem splash!. Auch wenn es manchmal chaotisch ist, ist es super entspannt, wir zicken uns nicht gegenseitig an und es ist meistens immer sehr sehr lustig.

Lass uns über das Thema Politik reden. In „Kaffeekanne“ habe ich eine Stelle gefunden, die für mich wie ein verstecktes Easter-Egg gegen Gentrifizierung klingt. Ist das so, dass du einen politischen Anspruch hast, den du durch deine Musik transportieren möchtest? Also, dass du es nicht direkt einem voll vor den Latz knallst, sondern dezent in deine Musik einfließen lässt?

Ja, sehr gut ausgedrückt. Das soll nicht so plakativ sein, man soll sich das selber erschließen. Sich selber seine Gedanken und Gefühle dazu bilden und das ist schon wichtig für mich. Ich finde dieses Plakative ist so (stöhnt) – das erschlägt einen, es muss mit Emotionen verbunden sein, die mit mir auch zu tun haben. Im besten Falle fühlt das dann der Hörer auch. Es ist aber nicht mein primäres Ziel, einen politischen Auftrag zu erfüllen, das fließt aber in meine Musik ein. Wenn ich über Themen rede, die mich beschäftigen, dann gehört da auch Politisches dazu.

Kommen wir nochmal zu Doubtboy, er spielt ja Theater und hat sich seine Skills selber beigebracht.

Er hat jetzt einfach eine Festanstellung im Züricher Staatstheater ohne Ausbildung, das ist schon richtig krass.

Warum ich ihn anspreche: Eure/Deine Videos wirken auf mich, als ob ihr eine schauspielerische Ausbildung habt. Wenn ihr in die Kamera guckt,, wirkt das, als ob ihr das schon seit 20 Jahren macht. Hast du dir was bei Doubtboy abgeschaut oder woher kommt das?

Ich war schon immer eine Rampensau, schon als Kind, mit Vincent (Doubtboy, Anm. d. Red.) hab ich dann jemand gefunden, der genauso darauf abfreakt wie ich. So hat einfach die Chemie gestimmt ab dem ersten Videodreh. Letztens habe ich auch eine Rolle in ‘nem Kurzfilm gespielt und das lief richtig gut, das hat mich richtig happy gemacht. Ich hab das also nicht groß geübt oder gelernt.

Wohnt ihr noch zusammen?

Ich bin jetzt ausgezogen, aber ich wohne jetzt auch nur direkt um die Ecke. Es war dann einfach sehr nah, zusammen wohnen, zusammen auf Tour und dann noch Musik zusammen machen. Wir sehen uns aber immer noch sehr oft. Er wird jetzt leider oder vielleicht ganz gut, nach Zürich ziehen, er war ja immer nur in Bremen und er hat auch so ’ne Zeile „Alle ziehen weg in die große weite Welt, nur ich bleib hier zurück, irgendwie ist das nicht gerecht“.

Zu deinem letzten Track „Mama“ möchte ich einfach nix reinintepretieren, das ist ein Track zwischen dir und deiner Mutter. Nur eine Sache würde mich interessieren: War deine Mutter mit ein Grund warum du nach Bremen zurück bist?

Ja, das war sogar der Hauptgrund warum ich zurück nach Bremen bin. Meine Mutter wird natürlich auch älter und ich hab sie die ganze Zeit voll selten gesehen. Sie hat dann auch gesagt, dass sie sich wünschen würde, dass ich zurückkomme. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich jetzt soviel Zeit mit ihr verbringe. Es wär’ auch scheiße, wenn ich sie jetzt nur so 2, 3 mal im Jahr sehen würde.

Zum Abschluss möchte ich für mich festhalten, dass „Infinity“ für mich Lebenslust und Unbekümmertheit dem Leben gegenüber ausstrahlt. Etwas, was sehr viele Leute in diesem Land über die Jahre abgeben. Wie hast du diese Lebenslust so für dich bewahrt?

Ich kann glaube ich gar nichts anderes. Alles andere macht mir eher Angst, diese Lebenslust und einfach machen, ist etwas, was ich auf jeden Fall am besten kann.

Text: Nabil Tiebi
Foto: Till Wilhelm