Das Tapefabrik Festival 2018 // Galerie

von am

Wer letzten Samstag am Wiesbadener Hauptbahnhof aufschlug, konnte wohl nur ein Ziel haben: Der Schlachthof, in dem seit jeher die Tapefabrik stattfindet. Sie bezeichnet sich als Klassentreffen der Deutschrapszene, das ist sie mindestens für alle, die sich im Untergrund dieser bewegen. Casper und Cro wird man hier vergeblich suchen, Stars heißen hier Lakmann und MC Rene. Wer nicht da war, hat was verpasst. Wir haben unseren Autor Till Wilhelm hingeschickt, um sich mal ordentlich umzuschauen.

Regional begrenzt ist das eintägige Festival schon lange nicht mehr, auch wenn lokale Acts und Gäste natürlich gern gesehen sind. Allein 400 der 3000 Gäste sind mit Bussen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum angereist, Einzelanreisen Dunkelziffer. Und mit einem Line-Up, das vorher genannte Größen ebenso beinhaltet wie Newcomer, die im tiefsten Untergrund verbuddelt sind, ist es kein Wunder, dass die Tapefabrik schon einige Wochen im Voraus ausverkauft war.

Dass das alljährliche Event sich zurecht als Deutschrap-Klassentreffen bezeichnet, merkt man schon daran, dass man in der Schlange zur Security bereits von dem ein oder anderen (zumindest aus dem Internet) bekannnten Gesicht umgeben ist. Wo sich auf anderen Festivals die Acts nur zwischen Backstage und Hotel bewegen, geht es hier ganz privat zu. So trifft man Veedel Kaztro beim Bier holen, kann mit den Jungs von Sichtexot auf dem Beatfloor mit dem Kopf nicken oder die Opener Mädness & Döll bei der Show von T9 in der Crowd spotten.

Auch für die Shows wurden sich ordentlich Gedanken gemacht und Konzepte überlegt: Morlockk Dilemma und Hiob spielen eine exklusive „Apokalypse Jetzt“-Spezialshow und AzudemSK performt nicht nur spontan mit Lord Folter, sondern auch sein gerade mal einen Tag vorher veröffentlichtes Album zusammen mit Dennis Real & Slowy. Klar klingt das alles ein bisschen nach Sparte Realkeeper, aber das Publikum hier kennt kaum Scheuklappen. Das macht sich beispielsweise bemerkbar, wenn Prezident das „Mask Off“-Instrumental benutzt und die Leute einfach weiter feiern. Oder eben, wenn Flyboy LGoony als Gast beim Dexter-Auftritt unter Jubelschreien begrüßt wird.

Doch zum Feiern der Kultur gehört natürlich nicht nur die Live-Musik: Essenstände gibt es zur Genüge, die Kollegen von MZEE laden zum Rapquiz ein und hhv.de bietet einen Stand, an dem man sich (nicht nur, aber auch) die Platten der auftretenden Künstler direkt zulegen kann. Und im Pressebereich hängen nicht nur Künstler und Freunde der Veranstalter rum, es werden auch in ungefähr jeder Sekunde Interviews geführt.

Das Publikum nur enthusiastisch zu nennen, wäre eigentlich untertrieben, denn die Acts hätten eigentlich kaum selbst rappen müssen. Den Beat abzuspielen und das Mikro in Richtung Menge zu halten, hätte eigentlich gereicht. Und was die Acts angeht: Am Ende des Abends hat jeder bei jedem einen Gastauftritt absolviert und alle sind Freunde geworden, wenn sie es nicht schon vorher waren. Und das, weil man sich auf einen gemeinsamen Nenner einigen kann: Dopen HipHop.Und wer das nicht miterlebt hat, kann ein bisschen Vibe in unserer Galerie abgreifen.

Fotos: Till Wilhelm & Michael Obenland