Skinnyblackboy & Florida Juicy: „Man sollte Grenzen überschreiten“ // Interview

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Die Erotik Toy Records-Crew hat ein neues Soundzeitalter eingeläutet, das mit Produktionen, die komplett auf Genres scheißen, gegen den Mainstream-Strom schwimmt. Jüngstes Mitglied ist Skinnyblackboy, dessen Produktionen trotz der fehlenden Erfahrung verdammt erwachsen und detailliert klingen. Deshalb haben wir uns nicht nur mit ihm, sondern auch mit seinem Produzenten und langjährigen Freund Florida Juicy über ihre ehemalige Indie-Rock-Band, das neue Album „SKINNYDIPPIN“ und die harte Musikbranche unterhalten.

Da dich ja wahrscheinlich einige Leser noch nicht kennen, erstmal ein paar Stanni-Fragen. Wann und wie bist du zu Rap gekommen und wie bist du dann letztendlich bei Erotik Toy Records gelandet?

Skinnyblackboy: Ich habe mit Luka, also Florida Juicy, in einer Indie-Rock-Band angefangen. Das haben wir so fünf Jahre lang gemacht. Mit 18 hab ich dann Young Meyerlack kennengelernt und auch seinen Bruder Doubtboy. Seitdem haben wir dann immer zusammen Sessions gemacht, quasi seit Tag eins gechillt. Die haben mich dann immer mehr in die Szene reingeführt. Florida Juicy war dann natürlich auch immer mit von der Partie. Wie wir darauf gekommen sind unser erstes Tape zu machen: ich glaube, das ist einfach so passiert.

Florida Juicy: Der Name Skinnyblackboy war dann da und wir wollten ein erstes Projekt damit machen.

Skinnyblackboy: Ja, genau. Aber es ist halt eher so natürlich passiert.

Also wart ihr einfach in ’nem kreativen Flow und habt den ausgenutzt. (zustimmendes Nicken) Aber wie genau kommt man dann von Indie und Rock zu HipHop?

Skinnyblackboy: Ich finde das gar nicht so absurd. Heute gibt’s ja nicht mehr diese festen Genres wie HipHop. Es ist alles durchmischt. Ich hatte einfach Bock auf melodische Sachen. Und das hat halt gepasst. Man kann ja auch HipHop, falls man das so nennen darf, was wir machen, mit Melodien kombinieren.

Klar, das könnt ihr ja am besten. Kommen wir mal zu deiner jetzigen Musik. Sowohl auf deinem Debütalbum als auch auf „SKINNYDIPPIN“ erinnerst du vom Stil und auch Skill schon an die UK- und US-Chefetage, zum Beispiel ist dein Flow auf „T.N.T.“ insane. Du hast aber auch einige Einflüsse aus 80er-R’n’B und 90er-House. Also, welche Künstler feierst du, wer hat dich inspiriert, von früher und heute? Orientierst du dich auch an irgendwem?

Skinnyblackboy: Es gibt wirklich keine Musikrichtung, wo ich sage: das geht gar nicht. Und es gibt einfach in jeder Musikrichtung was Gutes. Ich höre sehr viel unterschiedliche Musik. Funk- oder Soul-mäßig zum Beispiel Gil Scott. Er ist auf jeden Fall heftig. So aktuellen Scheiß aus der R’n’B-Szene, aus den UK feier ich natürlich auch. Zum Beispiel IAMDDB, da nehm ich auch viel Inspi mit, von ihr kann man echt viel lernen. Aber insgesamt kann ich es gar nicht so genau sagen, weil ich so viele verschiedene Sachen höre.

Ja, man nimmt wahrscheinlich überall unbewusst was mit. Dass du diese UK-Szene so feierst: ist das auch der Grund, warum du auf Englisch rappst oder gibt es noch andere Motivationen?

Skinnyblackboy: Nee, das auf jeden Fall nicht, Naja, die Indie-Band damals hat halt alles auf Englisch gemacht. Daher war ich irgendwie schon dran gewöhnt. Auf Englisch hat man mit dem Singen einfach mehr Freiheit, hab ich das Gefühl. Anderes Feeling, anderer Vibe, die Sprache ist weicher.

Hat es auch mit der Reichweite zu tun oder juckt dich das nicht so?

Skinnyblackboy: Juckt mich wirklich nicht. Ich mag einfach wie gesagt den Vibe und ich finde, man sollte Grenzen überschreiten. Wenn man Bock drauf hat, soll man es einfach machen.

Kommen wir mal zum Album „SKINNYDIPPIN“. Dippin‘ ist ja eher so: Bro, ich hab kein Bock mehr auf den Scheiß, tschüss. Oder soll das eine Andeutung darauf sein, dass deine bisherigen Releases erst das Vorspiel waren für die heftige Musik die noch kommt?

Skinnyblackboy: Beides nicht wirklich. Dippin‘ ist in dem Bezug er so Nacktsein. Das Tape ist schon sehr emotional. Echte Gefühle. Es ist von der etwas schwächeren Seite. Naja, was heißt schwächer? Es ist ein bisschen (überlegt)…

Entblößter?

Skinnyblackboy: Ja, genau!

„W.O.R.K.“ und „V.I.B.E. / ECLIPSE“ sind ja schon die Auskopplungen. Wie ist bisher so die Stimmung bzw. Resonanz so und was erwartest du dir noch vom Release?

Skinnyblackboy: Ich erwarte eigentlich nichts. Ich bin froh, wie alles gelaufen ist, dass wir das Tape fertig haben. Ich bin auf jeden Fall sehr stolz drauf und jetzt lasse ich die Sachen einfach auf mich zukommen. Nee, ich finde man sollte nicht immer mit Erwartungen an die Sachen rangehen.

Und wie ist die Resonanz auf die beiden Tracks bisher?

Skinnyblackboy: Ja, ist gut. Wir haben dann natürlich noch ein paar Bomben auf dem Tape. Deshalb haben wir bisschen langsamer angefangen mit den Auskopplungen.

Am 26. explodieren die dann (lachen beide). „SKINNYDIPPIN“ ist ja echt ein guter Mix aus etwas emotionaleren, deeperen Songs, sowas wie „I Wanna Know“ oder „Solarlight“, und dann halt diese Turn-Up-Tracks, zum Beispiel „Right Now“ oder „T.N.T.“. Ist das Feiern, Leben genießen, kurzlebige Gefühle und Spontanität gerade so dein Vibe oder willst du für die Hörer einfach geile Chill- und Feiermucke liefern, die textlich jetzt nicht so schwere Kost ist?

Skinnyblackboy: Beides. Ich möchte das, was mich beschäftigt, natürlich in die Texte einfließen lassen und versuche dabei aber auch ein bisschen den Leuten aus der Seele zu sprechen. Es geht wie gesagt darum, seine Emotionen zu entblößen. Aber dieses Feiern, die Spontanität und so ist natürlich auch gerade mein Umfeld.

Deine Videos wirken auch immer ziemlich spontan. Ist da trotzdem immer ‘ne krasse Planung und ein lang durchdachtes Konzept hinter oder sagt ihr euch: heut ist ein spannender Tag und holt dann einfach bei coolen Gelegenheiten die Cam raus und filmt drauf los?

Skinnyblackboy: Manchmal hat man halt echt Bock mal schnell so ein Video zu machen.

Florida Juicy: Bei „W.O.R.K.“ zum Beispiel.

Ja stimmt, da ist ja auf einmal auch diese krasse Menschenansammlung.

Skinnyblackboy: Ja genau. Aber wir haben halt auch andere Videos, wo richtige Konzepte hinterstehen.

Florida Juicy: Da kommt jetzt auch bald noch eins, über mehrere Tage gedreht.

Skinnyblackboy: Eine gute Mischung ist wichtig, find‘ ich.

Hoffe, das ist nicht zu privat, du musst es natürlich nicht beantworten. Aber mich würde interessieren, was die Geschichte hinter „I Wanna Know“ ist. Du scheinst dich ja irgendwie zu entschuldigen, vor allem in der Hook: „What was I thinking that night in the club, baby girl I dont know“.

Skinnyblackboy: Ja, hast du schon richtig gedeutet, dass dahinter ’ne Story steckt. Es ist wirklich an eine Person gerichtet. Ich entschuldige mich auch mit dem Track. Aber eigentlich geht’s eher darum, dass so viele Fragen im Kopf sind und ich auch eher der Typ bin, der viel nachdenkt. Und das hab ich versucht auf dem Track auf den Punkt zu bringen.

Aber auch irgendwie, dass man vielleicht manchmal nachdenken sollte bevor man handelt?

Skinnyblackboy: Ja genau, das auch.

Dann gehen wir mal nicht weiter drauf ein (lachen beide). Auf “Infinite” rappst du: “Mama told me don’t give up”. Warst du schon mal kurz davor? Was war bisher so die größte Hürde? Bzw. was ist allgemein das Schwierigste für dich an der Musikbranche?

Skinnyblackboy: Ja, auf jeden Fall war ich schon mal kurz davor. Es kostet einfach super viel Energie. Und das, was wir machen, ist ja auch nicht unbedingt das, was immer die breite Masse anspricht. Aber life is life. Ich weiß, dass man immer wieder aufstehen muss. Ich mach das um zu pushen. Um mich zu pushen, aber auch um andere zu pushen.

Und gab es jetzt schon direkt im Musikbiz irgendeine krasse Hürde, irgendwas, was dich an dieser Branche immer wieder abfuckt?

Florida Juicy: Man muss ja sagen, dass wir jetzt auch noch nicht so lange drinne sind.

Skinnyblackboy: Aber klar, es gibt immer Up und Downs.

Der Splash! 21-Auftritt und das Konzert Anfang Oktober in Berlin waren ja deine ersten größeren soweit ich weiß?

Skinnyblackboy: Genau.

Ist die Bühne noch was Neues für dich und warst du da ziemlich aufgeregt oder fühlst du dich da schon sicher und wohl?

Skinnyblackboy: Nee, ich bin echt noch vor jedem Auftritt aufgeregt. Es ist glaube ich auch schlecht, wenn man nicht aufgeregt ist. Weil einen das pusht, es richtig richtig gut zu machen. Aber mit der Gang hat man sich trotzdem sicher gefühlt. Das war sehr nice. Und der splash! 21-Auftritt war auch einer der lustigsten auf jeden Fall. Und natürlich eine mega Ehre!

Aber hast du da vielleicht auch etwas aus deiner Band-Zeit mitnehmen können?

Skinnyblackboy: Naja, wie gesagt, bin ich eigentlich immer noch genauso aufgeregt (lacht).

Florida Juicy: Aber es geht bei dir immer voll mit der Nervosität!

Skinnyblackboy: Ja, das stimmt. Aber es macht halt auch einfach Spaß. Und wenn die Gang dabei ist, dann natürlich noch mehr.

Ja klar, Gangenergie ist nochmal was ganz anderes. Auf “Solarlight” singst du dann: “I wanna shine bright, like a solarlight”. In diesem Sinne: was sind so deine Zukunftspläne? Wo willst du noch hin mit der Musik?

Skinnyblackboy: Danach kommt ja „it’s all a lie“.

Oh (lachen beide).

Skinnyblackboy: Also auf jeden Fall will ich natürlich in der Zukunft, dass die ganze Gang ihr Stück vom Kuchen abbekommt. Aber dass wir uns trotzdem nicht groß verändern und bodenständig bleiben. Ich will einfach nur Musik machen und hoffen, dass ich irgendwie davon leben kann, dass ich meine Miete zahlen kann. Und dass ich einfach das machen kann, was ich will. Das ist für mich die größte Freiheit.