Rola: „Jeder fühlt Glück, jeder fühlt Schmerz, jeder fühlt Liebe, jeder fühlt Angst, jeder träumt.“ // Interview

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German RnB ist ihr Zuhause. Rola gibt einem dieses nostalgische Throwback-Gefühl, spricht aber immer wieder aktuelle, wichtige Themen an. Auf ihrem diesen Monat erschienenen Debütalbum „12:12“ führt sie diesen wunderbaren Mix fort. In diesem Sinne haben wir mit Rola gesprochen – über ihre Wurzeln, das Tanzen und Träumen.

Geboren bist du in Ghana. Deine Mutter kommt von dort, dein Vater aus dem Libanon. Bist du öfters in Ghana, nimmst da auch Inspo mit oder fühlst du dich kaum mit deinem Geburtsland connectet?

Ich fühle mich sehr mit Ghana verbunden, nicht nur weil ich dort geboren bin und meine Mama daher kommt und ihre Erziehung mich geprägt hat, sondern auch, weil ich das Land und die Menschen liebe. Bin viel zu selten da, aber es berührt mich jedes Mal dort zu sein. Ich bin aber durch meinen deutschen Papa auch sehr mit Deutschland connectet. Meiner libanesischen Seite bin ich irgendwie auch sehr verbunden, auch wenn ich das Land nicht so gut kenne und mit meinem libanesischen Vater nicht aufgewachsen bin. Wir waren aber gemeinsam einmal dort und es war wunderschön.

Du warst ja früher in der Girlsband Sistanova, die sich ja leider aufgelöst hat. Könntest du dir wieder, vielleicht keine Band, aber eine größere Kollabo, also nicht nur ein Feature vorstellen? Mit wem würdest du da gern zusammen arbeiten?

Könnte mir keine Band mehr vorstellen, aber ungebunden Musik machen, mit wem auch immer. So lange es passt und man sich musikalisch und persönlich versteht und „sich hören“ kann dann sehr gerne! Am liebsten noch öfter mit Frauen!

Du würdest deinen Stil ja mittlerweile als German RnB bezeichnen, also Gesang über HipHop-Beats und -elemente. Kannst du dir vorstellen auch mal selbst einen Raptrack aufzunehmen? Dich da auszuprobieren? Oder bleibst du lieber bei Rappern und Rapperinnen als Features?

Ich kann mir sehr gut vorstellen noch Rap-lastiger zu werden, singe aber einfach super gerne. Ich habe aber auch viele Songs die Rap-Elemente haben z.B. „Hell“ oder „Dunkel“. Ich finde Rap ist so breit gefächert. Es gibt viele Rapper, die auch viel singen und es trotzdem als Rap gilt. Für mich gibt es keine Grenzen, ich will alles ausprobieren, wenn es funktioniert und Spaß macht und zum Song passt, warum nicht.

Der Track „Akku leer“ war ja zusammen mit Olexesh. Und das Video, genau wie das von „Blender“ war find ich sehr vielfältig. Hast du auch schon ein Bild zu anderen Songs vom Album im Kopf? Oder gibst du den kreativen Part an der Stelle komplett ab?

Bei Videos gebe ich gerne den kreativen Teil ab. Meistens haben Regisseure nochmal ganz andere losgelöstere Ideen für den Song als ich, was dann interessant sein kann.

Und die Videos und Tracks geben einem ja schon das Gefühl von früher, also z.B. „Blender“, was total an TLC vom Stil und das Video was an „Say my Name“ von Destinys Child erinnert. Willst du dieses nostalgische Throwback-Gefühl hervorrufen oder möchtest du lieber für Innovation stehen?

Ich will allgemein für Innovation stehen. Wenn man genau hinhört, sind wir vom Sound sehr neu, weil es das so noch nicht gab. Die Nostalgie kommt dann von den Samples z.B. bei „Blender“ von der Art und Weise wie ich singe oder Melodien komponiere. Also automatisch.

Mal ganz simple Überleitung zu deinem Album „12:12“. Was hat es mit dem Titel auf sich?

12 ist meine Lieblingszahl. Und ich sehe ganz oft Schnapszahlen. Meine Mutter und drei enge Freundinnen haben an einem 12. Geburtstag, mein Album hat 12 Songs, ein Tag hat 12 Stunden, eine Nacht hat 12 Stunden und so weiter.

Du verarbeitest in deinen Songs ja gern was dich und irgendwie die gesamte junge Generation beschäftigt. In „Akku leer“ geht’s ja zum Beispiel um die Vor- aber vor allem auch Nachteile von Social Media, die Kurzlebigkeit, das Gestellte. Gibt es ein Thema, das du gern noch unterbringen würdest aber einfach nicht weißt wie?

Rassismus, Armut, Ausgrenzung und Mobbing sind Themen, die ich noch nicht angegangen bin, die aber super wichtig sind. Sie liegen mir am Herzen, aber sind auch sehr heikel und emotional. Da bedarf es Fingerspitzengefühl und eine klare, feste, laute Meinung. Aber auch hier gibt es nur eine Antwort und zwar Liebe. Rassismus, Armut und Mobbing muss man mit Liebe angehen, mit Nächstenliebe und mit Aufklärung.

Dein Online Shop tillilli ist jetzt fertig, man kann also theoreitsch alle von dir selbstgenähten Unikate bestellen. Wie groß soll das ganze Modeding noch werden? Und meinst du die Musik wird immer im Vordergrund stehen oder meinst du du musst dich da irgendwann entscheiden?

Ich liebe die Freiheit mich bei meiner eigenen Kunst nie für das eine oder andere entscheiden zu müssen. Es geht Gott sei Dank beides. Ich hab mich noch nicht getraut mit dem Online Shop online zu gehen, da ich grade noch alles alleine nähe, ohne Hilfe. Meine Kindheitsfreundin Inka ist jetzt mit dabei und hilft mir mit dem ganzen bürokratischen Teil und dem Aufbau vom Onlineshop und den Bestellungen. Sobald ich eine Nähhilfe habe und nicht mehr alles alleine stemmen muss, geht der Shop dann wirklich online. Und ich kann weiterhin an meiner Musik basteln und nebenbei an meinem Modelabel arbeiten.

Du hast den Sommer ja anscheinend auch hart genossen. Das Video zu Chilln“, der Song an sich macht mega gute Laune. Man sieht dich ja auch dancen, wie in „Blender“. Kannst du dir vorstellen deine Auftritte so Britney-like, war ja früher eine der Künstlerinnen zu der du aufgeschaut hast, zu machen? Krasse Choreos, mitzutanzen? Oder willst du den Fokus da auf Stimme und Musik legen?

Tanzen hat schon immer dazu gehört. Vor allem als Fan von Britney, Destinys Child, Justin Timberlake und Co. Am liebsten würde ich mit kompletter Band und Background-Sängern und -Tänzern auf Tour gehen. Das ganze Programm! Eine fette Show mit allem drum und dran. Aber ich liebe es auch einfach ganz minimal mit einem Gitarristen aufzutreten. Da geht es dann noch viel mehr um die Stimme, um den Song, um den Text. Ich liebe beides!

Und da nochmal angeschlossen. In „Chilln“ forderst du ja alle auf mit dabei zu sein. Wann kann man denn mal mit dir chillen? Ist live was geplant?

Ich sag sofort Bescheid wenn die Tour-Termine stehen. Es wird anders! Und ich freue mich, wenn ihr alle kommt.

„Himmel und Talfahrt“ ist ja der Leadtrack deines Albums. Du redest von einer Zeit, in der alles leicht, einer, in der alles dunkel war und wie man sich selbst findet. Bist du schon bei dir selbst angekommen oder immer noch auf der Fahrt?

Es wird immer, immer, immer eine Zeit geben, in der es mal nicht so gut läuft oder es einem nicht so gut geht, aber wichtig ist zu wissen, dass gute Zeiten immer wiederkehren und es nicht immer schlecht bleibt. Das Leben ist ein Wechsel von Höhen, eine Himmel- und Talfahrt eben.

In „Caroline“ singst du, dass du sie verstehst und weißt wie’s ihr geht. Du rätst ihr: „Alle Blätter, alle Farben, die du trägst, lass sie fallen.“ Was hat es mit diesem Interlude und der Textstelle auf sich?

Ich habe hier die Metapher vom Herbstbaum genommen, weil der Baum, der seine Blätter verliert trotzdem noch derselbe Baum ist. Er verändert sich, er färbt seine Krone, die Blätter fallen und wachsen wieder nach. Manchmal muss man sich von gewissen Blättern trennen, um neue wachsen zu lassen und dass man das auch mal zulassen muss, das kann sehr schwer sein. Blätter verlieren, heißt für den Baum ja auch weniger zu werden, schmaler zu werden und das ist auch eine Metapher für unsere Gesellschaft, in der jeder danach strebt schlank zu sein. Aber egal wie viele Blätter der Baum verliert, früher oder später werden neue Blätter wachsen außer der Baum ist ziemlich ziemlich krank und verdorrt. Bevor das passiert muss der baum lernen, wo seine Wurzeln liegen, was die Wurzeln mit ihm machen und seine Blätter in allen Farben und Formen lieben lernen.

„Undercover Lover“, „Erinner mich“ und „Freundin“ scheinen mir recht persönliche Songs zu sein, die sich auf bestimmte Personen beziehen. Hast du die Inspo für die Inhalte aus deinem eigenen Leben gegriffen oder quasi frei erfunden bzw. einfach aufgegriffen, was viele junge Leute beschäftigt?

Alle Texte sind aus meinem Leben oder aus dem Leben meiner engen Freunde oder eine Abwandlung von dem, was wir erlebt haben. Das was mich beschäftigt , beschäftigt bestimmt auch andere und das was andere beschäftigt, beschäftigt mich bestimmt auch. Letztendlich sind wir alle ziemlich ähnlich. Jeder fühlt Glück, jeder fühlt Schmerz, jeder fühlt Liebe, jeder fühlt Angst, jeder träumt. Auch wenn man seine Träume mal vergisst oder sich nicht mehr erinnert. Jeder träumt.