Rest in Peace, Lil Peep // News

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Die einen nennen ihn Nu-Emo-Rapper, bei den anderen wurde er zum Kurt Cobain der neuen Generation – doch egal wie man Lil Peep betiteln mag, oder in welche Schublade man ihn steckt: er war und ist die Stimme einer Welt, die uns oft nicht schlüssig erscheinen mag. Eine Welt zwischen Teenangst, Depressionen, Medikamentenmissbrauch und enormen Hype. Lil Peep ist mit gerade mal 21 Jahren von uns gegangen – anscheinend starb er an einer Überdosis Xanax und Fentanyl.

Als vor zwei Jahren Lil Peep, mit bürgerlichem Namen Gustav Åhr, begann, seinen Soundcloud-Channel zu füllen, war wohl keinem so wirklich klar, was er damit anrichten wird. Zwischen grungigen Gitarren-Riffs, nostalgischen Emo-Vibes und einem so pragmatischen Umgang mit Depression, Selbstmord und jeglichen anderen Abgründen unseres menschlichen Daseins fand Peep wohl genau die richtigen Anspielpunkte, um unzählige junge Leute davon zu überzeugen, dass Emotionen real sind und Depression kein Tabu-Thema mehr sein muss. Gleichzeitig barg dieser Hype aber auch unbestreitbare Schattenseiten: Pillen-Missbrauch und Selbstmord sind zu einem Stilmittel geworden – einem Accessoire, das sich eine Masse Teens umhängt, die oft noch nie mit psychischen Problemen in Kontakt gekommen ist. Aber egal wie man es nimmt, wir wollen uns hier nicht in einer sozialen Feldstudie verlaufen, sondern Lil Peep die Ehre erweisen – Einem kleinen Helden einer Generation, für die Probleme und Gefühle kein Tabu mehr sind. Eine Generation, die sich gleichzeitig aber auch in einem Strudel aus Xanax-Trend, Verzweiflung und Tränen als Modeschmuck verliert.

Der heutige Tag ist ein trauriger. Nicht nur für die enorme Fanbase, die an Peeps Lippen hing. Sondern auch für uns, als Musikjournalisten. Denn auch aus musikalischer Sicht geht mit Lil Peep ein unglaubliches Talent von uns. Ein Genie, zwischen Innovation und Nostalgie, das uns alle – egal ob man Emo-Rap verfallen ist, oder nicht – nur noch deutlicher gezeigt hat, dass Genregrenzen etwas für engstirnige Hater sind und dass Rap wirklich alles darf. Und auch wenn wir in manchen Augen dem Ganzen vielleicht etwas zu viel Gewicht verleihen: Egal, aus welchem Blickwinkel man den Tod von Gustav Åhr betrachtet, es sollte ein Aufschrei sein – Suchtmittel-Missbrauch sollte man ernst nehmen und Depression ist kein verdammtes Accessoire.

Gustav Åhr, 21 Jahre, gestorben am 15. November 2017.
Rest in Peace, Crybaby.