Redaktionscharts: Zina Luckow // Jahresrückblick

von am

2018 neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu und wir blicken mal wieder zurück. Insgesamt war vieles schlecht, vieles langweilig, vieles einfach nur verachtenswert. Musikalisch gesehen gab es zum Glück dennoch einige teilweise sehr helle Lichtblicke. Aber weil auch das bekanntlich Geschmackssache ist, haben wir unsere Schreiberlinge auch dieses Jahr gefragt, welche zehn Momente, Songs, Alben, Pranks oder was auch immer ihr Hip Hop-Jahr geprägt haben. Für die heutige Top Ten-Liste hat unsere Autorin Zina Luckow ihre Gedanken offenbart.

10

Visa Vie – Das allerletzte Interview (Hörbuch)

An heißen Sommertagen, im Park oder während langer Zufahrten hat mich die fiktive Figur Clara begleitet. Eine Moderatorin im Rap-Business, die einen mörderischen Plan verfolgt. Nachdem in der ersten Staffel von „DALI“ der erfolgreichste Rapper des Landes annähernd überwältigt wurde, geht der Podcast in die zweite Runde. Hat Clara es diesmal geschafft ihren Plan in die Tat umzusetzen? Die Crime Story der aufstrebenden Autorin und allseits bekannten Moderatorin Visa Vie bleibt spannend bis in die letzten Minuten. Pünktlich zum Jahresende erschien die zweite Staffel auf Spotify. Die Stimmung ist so düster wie der Berliner Winter.

09

4 Blocks (Serie)

Gleich daran anschließend die nächste Fortsetzung, die mir 2018 vor Aufregung schlaflose Nächte bereitet hat: 4 Blocks. Nach einem unfassbaren Heckmeck mit Onlinebestellung, ausverkauften Kinosälen innerhalb von Minuten, falschen Reihenplatzierungen usw., saß ich zumindest dann am 10.10. im Cineplex Neukölln. Gleich zwei Folgen der zweiten Staffel wurden präsentiert und danach ausgiebig ausgewertet. Auf jeden Fall ist Gringo mal wieder sauer…

08

Jeny Bsg (Video)

Jeny Bsg ist der Künstlername von Jennifer Bonsenge, eine junge Belgierin, die durch und durch für das Tanzen lebt. Ihr Stil wird als Afro House Dance beschrieben. In einer Tanzschule in Brüssel hat sie angefangen, performt nun auf größeren Bühnen, in Musikvideos und wird um Fernsehauftritte gebeten. Das besondere an Jeny, sie ist keine Einzelkämpferin, sondern ermutigt junge Menschen ihrer Leidenschaft zu folgen. Dieses Jahr verkündete sie die Gründung von „Dance4Kids“. Mit dieser Stiftung sollen weltweit den Kids bessere Umstände ermöglicht werden, denen keine Anlaufstellen, außer die Straße zur Verfügung stehen. Jenys Videos im Duo mit ihrer kleinen Tanzpartnerin haben auf jeden Fall bereits mega Erfolg auf Insta. Schaut’s euch hier selber an.

07

KitschKrieg feat. Trettmann, Gringo, Ufo361 & Gzuz – Standard (Song/Video)

Noch ein musikalischer Ohrwurm-Knaller zum Jahresende. Danke an die United Superstars Trettmann, Gringo, Ufo und Gzuz: Mit „Standard“ wurde so ein eingängiger Dancehall-Riddim erschaffen, der wirklich auf jeder Party zum Jahresende zum effektiven Mitsingen anregt und aus der Playlist nicht mehr wegzudenken ist. Tretti rules everything around me.

06

The Carters – Apeshit (Song/Video)

Meine Auszeichnung für das legendärste Musikvideo zu einer Single geht dieses Jahr an „Apeshit“ von The Carters (skrrt, skrrt, skrrt). Gefüllt von Anspielungen und Referenzen zeigen sich die beiden im Louvre. Der Louvre steht stellvertretend für die Vorherrschaft weißer Kunstgeschichte. Genauer gesagt: Weißer, männlicher Kunst. Im Video der Carters wird vor kolonialen Prestigeobjekten getanzt, in jeder Szene lassen sich Anspielungen auf das Leben der Carters oder auf einen Teil schwarzer Geschichte wiederfinden. Keine Macht der weißen Dominanz.

05

COSMO Machiavelli Podcast über Rap und Politik (Podcast)

Unter dem Claim: „Rap liebt Politik. Und Politik liebt Rap“ reden Politikwissenschaftler Vassili Golod und einer unserer Lieblingsjournalisten Jan Kawelke über diese besondere Beziehung. In der fünften Folge „Vienna Calling – Austrians with Attitude“ machen Jan und Vassili einen Ausflug nach Wien. Es ist an sich schon unterhaltsam den beiden bei ihren Erkundungen zuzuhören, vor Ort wird es dann richtig politisch. Im Gespräch mit einer Abgeordneten der ÖVP erfährt man viel über die Regierungskoalition, die in Österreich mit der rechten FPÖ eingegangen wurde. Nebenbei gibt Raphead Kawelke immer wieder Einblicke in die österreichische Popkultur, denn HipHop wird in Österreich nicht kleingeschrieben. Hört einfach selber rein, hier ist für alle etwas dabei.

04

Cardi B, Bad Bunny & J Balvin – I Like it (Song/Video)

Latin Vibes gehören nach ganz oben! Mit „I like it“ haben Cardi B, Bad Bunny und J Balvin es allen gezeigt. Es ist nicht erst seit gestern bekannt, dass Spanisch eine melodische Sprache ist und sich in Lyrics wunderbar macht. Remake einen Boogaloo-Klassiker, hol‘ einen kolumbianischen Popstar ran und den derzeit größten Latin-Trap-Star und das Ergebnis wird impresionante.

03

#unfollowme (Hashtag)

Unter dem Hashtag #unfollowme wurde eine Kampagne gegen Rechts ins Leben gerufen. Vorne mit dabei die Deutschrapelite wie la Sido, Savas und Smudo. Follower mit rechten Ideen werden dazu aufgefordert, die Abonnentenlisten zu verlassen. Die Aktion wurde vom Netzwerk „Laut gegen Nazis“ initiiert. Auch wenn mancher Politikwissenschaftler meint, die Leute besser nicht zu „verstoßen“, sondern mit ihnen ins Gespräch zu kommen, gibt es für viele Menschen an dieser Stelle keinen Raum für Diskussionen. Klare Statements von Vorbildern sind wichtig, um zu verdeutlichen, dass Rassismus nicht mal annähernd tolerierbar und auch Homophobie nicht cool ist.

02

Redbull Music Culture Clash Berlin (Soundclash)

Am 4. Oktober hat unter Beteiligung des DJ-Duos Hoe__mies das Team xts%255B0%255D=68.ARC3YGarIPd1ccLYrdJwfJw-SzkmhRmATPXk2HxY2a43E32vQVH39cGEOtwf04EaLQFeHho7jINkR8lf9mmu7lsrq54ZPUY8im9VJlAj8Qr6O4LlR1NHd60SlrS43qck-d776gRTjVooKQ5gp9tHSVb95SYd3TSmG3BZGXoeZXUrjFoEo4SuJp8Kx9nnIqaRzpT51PhLNdAurhmsTUC296srJfv-QAFjwSYTWPtGmqU6V2CGWy-yEoqugM-UCZ2L6EmqKXSPIOW4XwrerM6O8ApjCKg4GiyBDcH80zd3eJs1La8xBod6rtdtX4DqfDfBF8oRpim3KutomqIXg&tn=K-R“>Sick Girls, Red Bull Music Culture Clash 2018 im Berliner Velodrom gewonnen. Tanzende undefinierbare Geschlechtsteile haben die Bühne in ein queerfeministisches Schlaraffenland verwandelt. In vier Runden wurde gezeigt, dass sie auch in einer männderdominierten Szene und mit politischem Anspruch, für die Zuschauenden einfach das beste Soundsystem sind. Das Publikum entschied am Ende, wer den Sieg nach Hause trägt. Vermeintliche „Underdogs“ haben auf einem aufgeladenen Event der Musikindustrie gezeigt, wie sehr sie durch ihre Realness entzücken.


01

#wirsindmehr (Hashtag)

Am 3. September fand unter dem Hashtag #wirsindmehr eine Zusammenkunft von „Rock und Rap gegen Rechts“ auf einem vom Kraftklub initiierten Konzert in Chemnitz statt. Trettmann, Feine Sahne Fischfilet, Casper und Marteria, K.I.Z., Nura und die Toten Hosen gaben sich die Ehre. Sie traten kostenlos auf, um sich klar gegen die rassistischen Ausschreitungen in Chemnitz zu positionieren. Etwa 70.000 Menschen kamen zusammen. Das Konzert war beeindruckend. Schön, dass sich Rap immer noch im politischen Kontext verorten lässt, auch wenn die Kritik berechtigt ist, dass nach so einem Tag der rassistische Alltagszustand wiedereinkehrt.