Marteria & Casper „1982“ // Review

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Spricht man von Deutschraps Aufschwung, so kommt man nicht umher, über Marteria und Casper zu sprechen. „Zum Glück in die Zukunft“ und“ „XOXO“ hauchten dem Genre Anfang dieses Jahrzehnts nicht nur neues Leben ein, nein, sie öffneten Rap und Rappern viele Türen, die dem „Schmuddelkind“ vorher verschlossen waren. Nach einigen Features hier und da hat man sich nun zusammengetan, um eine gemeinsame Platte auf die Beine zu stellen.

Foto: Till Wilhelm / @kosher_rubchinskiy

Foto: Till Wilhelm / @kosher_rubchinskiy

Wer das nächste große Ding, den nächsten großen Evolutionsschritt im Deutschrap erwartet, der wird hier nichts zu sehen bekommen. Bitte weitergehen. Diese Erwartungshaltung wurde den meisten hoffentlich im Vorfeld der Veröffentlichung genommen. „1982“ stellt viel mehr ein Durchatmen, ein Stehenbleiben und Zurückblicken dar. Nach jeweils drei Erfolgsalben reflektieren Marteria und Casper ihren (gemeinsamen) Weg zum Erfolg. Von der Kleinstadt bis auf den (Pop-)Rap-Olymp.

Russenhocke, Sturzbesoffen, lassen die Bässe knallen

Casper – „Willkommen in der Vorstadt“

Am Anfang steht dabei das Geburtsjahr der beiden Protagonisten. Untermalt von einem warmen souligen Beat von The Krauts geht „1982 (Als obs gestern war)“ dabei von den Kindheitstagen über wichtige musikalische Stationen bis kurz vor die ersten großen Erfolge. Keine Hook, nur Storytelling. Schon hier fällt auf, dass Marteria und Casper sich dieses Mal nicht – wie so oft in der Vergangenheit – in Verallgemeinerungen verlieren, sondern konkrete Momente, Straßen und Menschen nennen.
Ein Stilmittel, das auch „Omega“, „Willkommen in der Vorstadt“ oder „Absturz“ nahbarer und greifbarer macht. Jeder kennt diese Typen, die abends durch die Dörfer fahren, jeder kennt es, an den unmöglichen Stellen einen alten Sanifair-Coupon zu finden oder mal wieder mit o2 irgendwo keinen Mobilfunkempfang zu haben. Waren die beiden schon immer eher Stars zum Anfassen, stehen sie damit auch musikalisch auf einer Stufe mit dem Zuhörer.

Mach‘ nur noch Anti-Hits, nenn‘ mich Bad Sheeran

Marteria – „Absturz“

Ein weiteres besonderes Lied auf „1982“ stellt „Denk an dich“ mit Kat Frankie dar. Auf einem ruhigen Beat von Lil Späty rappen Mar und Cas ihren Frauen nahbar und unprätentiös eine Ode. Mit einer anderen musikalischen Untermalung und ohne Frankies verrauchten Refrain, hätte dieser Song leicht in eine kitschige Richtung abgleiten können. So ist es jedoch einfach ein – sorry – erwachsenes Stück Musik. Natürlich wird auch nicht nur reminisziert. Die bereits vorab ausgekoppelten Tracks, das hymnenhafte „Champion Sound“ oder das ravige „Adrenalin“ (beide produziert von The Krauts), sind prädestiniert für die großen Bühnen für die Live-Ekstase.

Geh‘ wie Trettmann – nur mit den Echten, fahr‘ mit mein‘ Jungs an den See,
lass uns feiern und Angeln – nur mit den Hechten

Marteria – „2018 (Gratulation)“

Mit „2018 (Gratulation)“ schließen Marteria und Casper den Kreis des Albums. Auf einem reduzierten The-Krauts-Beat wird dem Hier und Jetzt gehuldigt und das Tor für neue Horizonte geöffnet. Das hätte der gute Drake weder musikalisch noch textlich ansprechender machen können.
Am Ende stehen so neun Tracks, in gut 35 Minuten. Setzen andere Kollabos auf große Namen oder große Showeffekte, stellt „1982“ schlicht ein gutes Album ohne Ausfälle dar. Casper kann sein Talent des präzisen Beschreibens genauso gut unterbringen, wie Marteria seines des bildhaften Ausdrucks. Beide ergänzen sich perfekt, mal hat der eine die schärferen Lines, mal der andere.