Best Of: Die zehn besten Rapper x Sneaker Kollabos

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HipHop und Sneaker gehen schon sehr lange einher. Was 1986 als eine sensationelle Fusion zwischen Sportswear und Rappern gefeiert wurde, gehört heute fast schon zum Grundreportoire eines jeden Artists. Unser Autor Rami hat sich 30 Jahre Sneaker-Historie angeschaut, seine zehn liebsten Modelle gepickt und für euch aufgelistet.

10

Dizzee Rascal x Ben Drury x Nike Air Max 90 »Tongue n Cheek« (2009)

Vor neun Jahren, als Skepta mit seinem Song „Too Many Man“ auf Platz 79 der britischen Charts rumdümpelte, war es Dizzee Rascal, der die Grime-Szene im britischen Königreich mit anführte. Seine Hits »Bonkers« und »Holiday« brachten ihm nicht nur die Spitze der Charts, sondern auch eine Nike-Kollaboration mit dem britischen Designer Ben Drury ein. Der daraus entstandene Air Max 90 lief unter dem Namen „Tongue n Cheek“ und war an sein gleichnamiges Album angelehnt. Neben der roten Zunge mit der Inschrift eben diesen Titels, waren es vor allem das hochqualitative Leder und die transparente Außensohle, welche die „Dirtee Stank Recordings“-Fliege zeigte, die den Look dieses Schuhs einmalig machten. Ben Drury hinterließ auch hier ein für ihn recht typisches Design-Element und platzierte die Umrisse von Dizze Rascals Silhouette auf die Ferse in reflektierendem 3M. Der Schuh erschein seinerzeit lediglich im NikeLab in London und erzielt heute einen Wert von ca. 1000-1200 Euronen. Sein Nike Air Max 180, der 2005 erschien erreicht heute sogar Resellpreise bis zu 2000,- Dollar. Schade nur, dass es um den Rapper hinter den beiden Schuhen sehr ruhig geworden ist – oder habt ihr »Raskit« in der Karre oder beim Sport gepumpt? Ich nämlich auch nicht.

Foto: Sneakerfiles.com

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09

Supreme x Vans Sk8-Hi x Public Enemy

Supreme x Vans-Kollaborationen sind normalerweise ziemlich überbewertet. Allerdings ist der Vans Sk8-Hi von Public Enemy in Zusammenarbeit mit Supreme ein wahres Highlight am Skaterhimmel. Das ikonische Fadenkreuz von Public Enemy ziert das Upper des Schuhs, zusammen mit den unsterblichen Worten „It Takes A Nation Of Millions to Hold Us Back“ entlang der vulkanisierten Mittelsohle ist dieser Schuh zu 10000% HipHop. An dieser Stelle möchte ich auch gerne eine Lanze für Supreme brechen. Die Marke hatte schon seit Jahrzehnten popkulturelle Einflüsse in ihren Kollektion. Alleine was Rapper betrifft, zollte die Brand ihren Tribut an Raekwon, N.W.A, RZA, Dipset, Three Six Mafia, Prodigy, Bad Boy Records, Gucci Mane, Rap-A-Lot-Records und unzähligen anderen Musikern – leider noch nicht Rin. Lel.

Foto: Fightclub.com

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08

Nelly x Nike Air Max CB 94 »Air Derrty« (2003)

Anfang der 2000er war Nelly fast sowas wie die Südstaaten-Antwort auf Drake. Seine Hymnen „Ride With Me“ und „Hot’n’here“ bahnten sich ihren Weg direkt in die Charts und die Clubs. Sein Song „Air Force One“ legitimierte Nellys Status als Sneakerhead und deswegen gab ihm Nike seine eigene Kollabo. Überraschenderweise gab es keinen Air Force 1 für den Mann mit dem Pflaster, sondern den „Air Derrty“. Stellt ihr euch auch vor, dass ihr Grills tragt, während ihr den Namen ausspricht? Derrrrrrty. Ach ja, der Süden. Zurück zum Modell: dies war eigentlich ein Air Max CB 94 und limitiert auf 1000 Paare weltweit. Ein Wert lässt sich nur schwer festlegen, da das Modell heutzutage seltener auftaucht, als der Rapper selber.

Foto: Fightclub.com

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07

Kendrick Lamar x Reebok Ventilator

Die Zusammenarbeit zwischen dem Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach und dem Rapper aus Compton zeigt: Ein guter Rapper ist nicht immer ein guter Designer. Und dabei fing alles so vielversprechend an. 2015 zelebrierte Reebok das Jubiläum des Ventilators. Verschiedene Partner und Shops brachten ihre Version des Retrorunners auf den Markt. Es sollte auch das erste Modell von dem damals schon sehr gefeierten Rapper Kendrick Lamar sein. Die Idee war es, die Feindschaft der beiden Comptoner Gangs Bloods und Crips innerhalb des Schuhs zu thematisieren. So stand in Rot „Blue“ und in Blau „Red“ auf der Ferse – ein Appell, dass Frieden zwischen den Gangs herrschen soll. Ich feiere diesen Sneaker, da er ähnlich wie bei Public Enemy seinerzeit, einen politischen Anspruch erfüllt und mehr sein will, als nur ein Schuh. Leider gelang es den beiden Partnern nicht wirklich dieses Niveau zu halten, weswegen Kung-Fu-Kenny zu Nike wechselte und dort auf dem Cortez seine Ideen umsetzte.

Foto: Reebok

Foto: Reebok

06

Run DMC x Adidas (1986-2016)

Ich könnte keinen Artikel über Rapper und Turnschuhe verfassen und dabei die Erfolgsgeschichte dieser beiden Pioniere unerwähnt lassen. Run DMC waren der erste HipHop Act, der ein Endorsement mit einer Sportswear Brand an Land ziehen konnte. 1986 forderte die Gruppe während eines Konzerts im Madison Square Garden ihre Fans auf, ihre Adidas-Schuhe in die Luft zu halten. Die Gruppe schaffte es der erste Markenbotschafter für eine Sneakerbrand zu sein – denn ohne den Song „My Adidas“ hätten nicht einmal die Hälfte der Fans beim Konzert 3-Streifen getragen. Zu Ehren ihres verstorbenen DJs und als Andenken an ihren denkwürdigen Auftritt brachten Run DMC vor zwei Jahren eine Jam Master Jay x Adidas Superstar heraus. Der Schuh zeigt lediglich die Initialen des Rappers auf der Ferse und 1986, das Jahr, das die gesamte Szene verändern sollte. Noch heute ist diese Zusammenarbeit exemplarisch für die gesamte Industrie.

Foto: adidas

Foto: adidas

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G-Unit x Reebok (2003)

Hier werde ich ein wenig nostalgisch. Anfang der 2000er trug ich Sir Benni Miles Jacken, South Pole Hosen und war übertriebener Fan von 50 Cent. Als der Rapper das Video zu „Candy Shop“ veröffentlichte, bekam selbst ich in meinem Hinterwäldler-Dorf mit, dass G-Unit auf Überholspur gefahren ist. Und das mit drehenden Chromfelgen und offenen Flügeltüren. Ein Schlüsselmoment war für mich, als Fiddy am Anfang des Videos aus seinem Auto stieg und das erste, was man sehen konnte, waren seine G-Unit-Sneaker. Meine Mutter war mit mir mehrere Stunden in der „großen Stadt“ aka Köln, damit ich mir endlich die cleanen, weißen Treter mit blauen G-g-g-g-g-g-UNIT-Schriftzug holen konnte. Wie das mit Trends so ist, war 50 Cents Posse – seine eigene Klamottenlinie inbegriffen – komplett out und verschwand mit den Baggy-Pants und Dipset-Style von den Straßen. Meiner Meinung nach könnte Reebok ein kleines Revival initiieren. Und wenn es nur für mich ist.

Foto: Reebok

Foto: Reebok

04

Pharrell Ice Cream Sneaker

Pharrells Vorherrschaft als coolster Mensch der Welt reicht lange zurück. Ein Schlüsselmoment in der Streetwearszene war als Pharrell Williams bei den MTV Video Music Awards 2006 auf den roten Teppich kam und seinen Freund, neuen Geschäftspartner und Bape-Gründer Nigo im Schlepptau hatte. Meines Wissens nach kann Nigo kein Englisch, von daher ist es verwunderlich wie die beiden sich so gut »verstehen« konnten. Aber naja. Ausgestattet mit den Klamotten ihrer kürzlich gegründeten Streetwear-Linie und einem eigentümlichen, überdimensionalen Bling, stellte das Duo ihr Billionaire Boys Club/Ice Cream Venture – und Nigos Brand Bape einem riesigen neuen Publikum vor. Bape würde, zusammen mit BBC/Ice Cream, eine große Popularität erreichen und einen Höhepunkt für die grelle, kaleidoskopische Ära der Streetwear Mitte der 2000er Jahre markieren. Fünf Jahre später war Nigo gezwungen Bape zu verkaufen und Pharrell kam mit Adidas zusammen, um dort seine Vision in Form von 100 bunten Superstars und NMDs auszuleben. Dennoch waren es liebevolle Details, wie eine Special Box, eine Limitierung auf der Zunge und selbst Tailor Made Schnürsenkel, die viele Ice Cream Sneaker zu etwas Besonderen gemacht haben.

Foto: Depop

Foto: Depop

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Tyler, The Creator x Converse One Star »Golf Le Fleur«

Ohne mich hier zu weit aus dem Fenster zu lehnen, würde ich behaupten, dass Tyler, The Creator einer der wohl witzigsten, lyrisch versiertesten und kreativsten Menschen unter der Sonne ist. Seine Erfolge mit Odd Future sowie seine Solo-Alben haben gezeigt, welches Genie sich hinter den Albernheiten des heute 27-jährigen Rappern verbirgt. Sein Empowerment macht sich auch innerhalb seiner Zusammenarbeit mit Converse bemerkbar. Unter dem Namen „Golf Le Fleur“ erzählte der Rapper eine Geschichte von Bienchen und Blümchen und bereitete mal eben das Comeback der legendären Converse One Star Silhouette vor. Ein minimales Branding, ein verändertes Logo und ein großzügiger Bluemenprint auf den Außensohlen ließen alle Modelle nach hoher Sneakerpoesie aussehen und waren deshalb nicht umsonst binnen weniger Sekunden sofort ausverkauft.

Foto: Converse

Foto: Converse

02

Kanye West x ALLE

Eine Auflistung unserer liebsten Sneakerkollaborationen mit Rappern ohne dabei Mr. „Imma Let You Finish“ zu nennen, wäre pure Blasphemie. Schließlich hatte Kanye West bereits vor 13 Jahren mit dem kollaborieren angefangen. Nicht einmal eingefleischte Kanye-Jünger wissen, dass der Rapper mit einem Nike Air Max 180 sein Debut in der Sneakerwelt gab. Der Schuh sollte eigentlich nur für Kanye West bestimmt sein und demnach lediglich in einer US 12 existieren. Jedoch tauchen alle Jubeljahre Samples auf Ebay auf. Doch diese sind in ungefähr genauso unbezahlbar, wie seine Bape-Collab ein Jahr später in Form des „Dropout Bear“-Bapesta. In den Folgejahren brachte der Rapper noch Reebok S. Carter, ein Air Jordan 6 „Donda West“ Promo Sample, einen Nike Air Huarache 08 „Glow in the Dark Tour“ und schließlich 2009 den ersten Yeezy bei Nike und parallel dazu seine Louis Vuitton Dons heraus. Während Letztere bereits im Retail bei 800,- Euro lagen, waren es die Nike Yeezys, die seinerzeit einen noch nie dagewesenen Hype kreierten. Heute, circa neun Jahre später, können wir mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass dieser Release einen Paradigmenwechsel innerhalb der Sneakerszene einläutete. Schuhe wurden auf einmal für weit über 1000,- Euro auf Ebay verkauft, ein Campout ging inzwischen eine Woche lang und der Hype um Turnschuhe, insbesondere um Kollaborationen, stieg ins unermessliche. 2014, nachdem der „Red October“ für Spitzenpreise um 2000,- Euro unmittelbar nach dem Release verkauft wurde, brach das Bündnis mit Nike. Kanye West ging zu adidas, schrieb einen Disstrack gegen Nike und sorgt seitdem in Calabasas dafür, dass die Marke mit den 3-Streifen gegen den starken Wettbewerber aus Oregon ankommt.

Foto: Sole Collector

Foto: Sole Collector

01

Eminem x Nike Air Max 1 »Big Proof«

Was macht eine gute Sneaker-Kollaboration aus? Neben Look und entsprechender Limitierung muss das Konzept bzw. die Geschichte hinter dem Schuh stimmen. Für mich als großen Eminem-Fan (nicht das aktuelle Album, das war sehr schlimm) kann es daher nur einen Sneaker geben, der alle anderen in den Schatten stellt. Nachdem Eminems bester Freund und D12-Member Proof 2006 verstarb, brachte Slim Shady in Andenken an den Verstorbenen DeShaun Dupree Holton aka Proof insgesamt acht Nike Air Max 1 heraus. In einem schlichten blau-roten Colorway mit dem Porträt des toten Rappers auf der Ferse und der Inschrift „D-12 & Big Proof 4-ever“ wurden die wenigen Paare auf Ebay verkauft und sämtliche Erlöse der ebenfalls in diesem Jahr gegründeten Proof Foundation gespendet. Diese kümmert sich um benachteiligte Familien in und um Detroit und ist zum großen Teil auch in der Restauration der Stadt involviert. Doch wie viel ist ein Schuh wert, den es nur acht Mal auf der Welt gibt und nur via Auktion erworben werden konnte? 2014 habe ich in Amsterdam ein Paar für 2.400,- Euro gesehen. Inzwischen dürfte der Wert jedoch beim Dreifachen dieser Summe liegen.

Foto: Sole Collector

Foto: Sole Collector