Kalaш – „Meine Message ist: Ich will alles zersägen.“

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Aufmerksame Straßenrap-Fans sollten seinen Namen mittlerweile auf dem Schirm haben: Kalaш aus Berlin-Neukölln hat jüngst sein Mixtape „Bezirk 13“ über das Label OhOh Musik von Mosh36 veröffentlicht – und sammelt mit seinen Videos mehr als respektabel viele Klicks ein. Kein Wunder, denn der Ukrainer mit dem kyrillischen Buchstaben im Namen (das Zeichen „ш“ wird übrigens ausgesprochen wie ein deutsches „sch“), beherrscht sein Handwerk: Wer auf internationales Tickervokabular, harte Delivery und eigenwillige Reimtechnik steht, der sollte hier mal ein Ohr spitzen.

Wofür steht dein Name eigentlich?

Kalaш steht für Patronen, die ich schieße, wenn ich rappe. Zum Rap bin ganz spontan gekommen: Ich hab im Café eines Freundes Mosh36 getroffen, wir haben ein bisschen gequatscht – nicht mal über Rap – uns eine Pfeife geteilt, einen Joint gebaut. Irgendwann hab ich dann mal was im Studio gerappt, er hat das gehört und gefeiert. Und so kam eins zum anderen und wir haben mal einen Song zusammen aufgenommen. Es war jedenfalls überhaupt nicht mein Plan, Rapper zu werden. Aber es ist nicht schlecht, dass ich jetzt Rapper bin. (lacht)

Weil du auf Anhieb ziemlich viel Aufmerksamkeit bekommst.

Das geht schon gut durch die Decke gerade, ja. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass das so passiert. Das war eigentlich nur ein Test, außer mir und meinen Freunden hat vorher niemand meine Musik gehört. Natürlich hab ich von meinen Freunden Zuspruch bekommen, aber ich wusste nie, ob die anderen Leute das auch so sehen. Aber die Resonanz jetzt ist sehr stark, ich freue mich wirklich krass darüber. Und natürlich gibt mir das auch die Motivation, weiterzumachen und alles zu zersägen, was geht.

„Meine Texte sind aus dem Leben gegriffen. Und da ist es egal, ob da nun Türkisch, Arabisch oder Russisch drin vorkommt.“

Hast du dir deinen Namen eigentlich selber gegeben oder hat das mal jemand gesagt, dass du rappst wie eine Kalaschnikow?

Das haben mir tatsächlich viele Leute gesagt. Der Name ist an sich durch Brainstorming entstanden und er passt eigentlich perfekt: Ich bin Ukrainer, die Kalaschnikow ist eine russische Waffe – also warum nicht? Ich könnte mich auch „Fußball“ nennen, aber Kalaш passt dann doch besser zu mir. (lacht)

Was hast du für Musik gehört, als du anfingst zu rappen? Woher kommt die Inspiration?

Ich höre alles, was sich geil anhört. Es muss nicht Rap sein, es kann auch R&B, Jazz oder Heavy Metal sein. Es müssen nur drei Dinge passen: der Beat, der Flow und der Text. Oder zumindest zwei davon müssen mir gefallen. Wenn ich zum Beispiel bei französischem Rap den Text nicht verstehe, aber der Beat und der Flow passen, dann feier ich das auch. Und das ist auch die Inspiration für meine eigene Musik: Ich wollte den Leuten zeigen, dass ich so etwas auch kann.

Gibt es eine bestimmte Message, die deine Musik darüber hinaus transportieren soll?

Meine Message ist: Ich will alles zersägen. Ich bin hungrig. Wenn ich was mache, dann will ich das gut machen. Ich will den Leuten zeigen, was starker Rap ist. Beat, Text, Flow. Bisschen Technik noch dazu, und dann hast du den stärksten Rap, den es gibt. Und das ist mein Ziel.

Nach Olexesh bist du nun der zweite Ukrainer, der im Rap auf sich aufmerksam macht. Wie siehst du das, was dein Kollege da macht?

Das ist geil, ich feier das hart. Das ist doch krass, wenn mein Landsmann so abreißt und die Leute ihn feiern. Ich gönne ihm das völlig. Ich bin der letzte Mensch, der jemandem sein Brot verwehren will oder jemanden hatet. Ich bin immer ehrlich. Wenn jemand schlecht ist, dann sag ich ihm das auch. Aber wenn es jemand drauf hat, so wie Olex, dann gebe ich Props. Ich feier ihn.

Was bei euch beiden sehr ähnlich ist, ist diese Energie, mit der ihr vorgeht. Siehst du das auch so?

Das ist einfach der Hunger, den man am Anfang hat. Aber sonst finde ich nicht, dass wir ähnlich rappen. Aber wenn die Leute mich mit ihm vergleichen – warum nicht? Er reißt doch ziemlich was. Das heißt ja nur, dass die Leute mir das gleiche Potenzial sehen.

Wenn man so ein bisschen Hype hat, dann ist man als Rapper ja gern versucht, alles auf die Rap-Karte zu setzen. Wie organisierst du gerade dein Leben und Musik gerade?

Ich bin so ein Typ, der einfach nicht still sitzen kann. Rap ist schon ein Job und man hat ein bisschen damit zu tun, aber es ist nicht so, dass ich 24 Stunden damit ausgelastet bin. Ich mache gerade einige Sachen parallel: Gerade mache ich mein Fachabitur und hab auch noch andere Dinge zu erledigen – es ist nicht so, dass ich mich ausschließlich auf Rap konzentriere. Klar, wenn ich jetzt mit Rap die Million machen würde, dann würde ich sofort auf alles andere scheißen. (lacht) Aber man muss ja am Ball bleiben und deswegen kann ich mich jetzt auch nicht auf meinem Erfolg mit Rap ausruhen.

Hast du denn nun vor, ein größeres Projekt anzugehen und direkt ein Album zu machen? Oder steht erst mal eine EP an?

Ich hab jetzt gesehen, dass es Leute gibt, die meine Sachen feiern. Aber was ich als nächstes mache, weiß ich noch nicht: Ob ich eine EP mache oder direkt ein Album, das entscheide ich spontan. Es hängt vor allem davon ab, wie stark ich meine Lieder finde und ob ich glaube, dass der Zeitpunkt für ein Album schon da ist. Aber so wie es gerade aussieht, denke ich, dass der Weg zu einem Album schon der richtige ist.

In deinen Texten kommen sehr viele fremdsprachige Vokabeln vor …

Das ist einfach die Sprache, in der wir reden. Meine Texte sind aus dem Leben gegriffen. Und da ist es egal, ob da nun Türkisch, Arabisch oder Russisch drin vorkommt. Und die Leute verstehen das ja mittlerweile auch – und für alle anderen gibt’s ja Google. (lacht)

Welche Rolle spielt Mosh für dich und deine Musik? Ist er eine Art Mentor für dich?

In erster Linie sind wir Freunde. Aber was heißt Mentor? Ich hole mir auf jeden Fall Inspiration von ihm, denn er ist ja auch ein sehr starker Rapper – da braucht man gar nicht drumherum reden. Er macht mir natürlich auch viele Sachen klar, denn ich habe bisher einfach keine Connections in diesem Game – in diesem Sinne ist er schon mein Mentor. Aber ich mache trotzdem mein eigenes Ding.

Wie ist denn bisher dein Eindruck vom Rap-Game?

Ich weiß, dass es ein sehr dreckiges Game sein kann. Aber wieso sollte ich mich beschweren? Die meisten Menschen haben viel anstrengendere Jobs. Ich bin sehr zufrieden, dass ich etwas anderes machen kann. Deswegen kann ich Rap nicht haten. Ich mag Rap viel zu sehr.

Was machst du in zehn Jahren?

(lacht) Gute Frage. Ich hoffe jedenfalls, dass ich dann immer noch so bin, wie ich jetzt bin: gechillt. Ich hoffe, ich habe dann ein wenig Geld verdient. Ich hoffe, dass ich in der Musikszene ein bisschen weiter oben stehe als jetzt. Aber eigentlich bin ich ganz zufrieden: Es könnte auch alles so bleiben, wie es jetzt ist.