Redaktionscharts: Till Wilhelm // Jahresrückblick

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Das Jahr neigt sich dem Ende zu und wir beginnen, zurückzublicken. Insgesamt war vieles schlecht, vieles langweilig, vieles einfach nur verachtenswert. Musikalisch gesehen gab es dennoch einige Lichtblicke. Aber weil auch das bekanntlich Geschmackssache ist, haben wir unsere Schreiberlinge gefragt, welche zehn Momente, Songs, Alben, Pranks oder was auch immer ihr Hip Hop-Jahr geprägt haben. Heute mit unserem Praktikanten Till Wilhelm.

10

Trettmann – #DIY (Album)

Warum? Weil’s einfach geil war. Man kann dem Hype nicht entfliehen und das ist gut so. Tretti ist der Don, es gibt überhaupt keine Hater und das hat er sich auch verdient. Mitte Vierzig nochmal das Rapgame durchputzen? Check.

09

Jay-Z – 4:44 (Album)

Jay-Z hat mit diesem Album bewiesen, dass er’s immer noch drauf hat. Auf den souligen Produktionen von No I.D. walzt er ganz entspannt dahin, rappt über allerlei Relevantes und Unrelevantes und es klingt sau geil. Dabei hat er es auch noch nebenbei geschafft, die eigene Mutter, die Tochter und die Ehefrau auf das gleiche Album zu bringen. Bester Track bleibt aber immer noch „Caught Your Eyes“ mit Frank Ocean, außerdem: Musste diese Juden-Line auf „The Story of O.J.“ wirklich sein?

08

Vince Staples – Big Fish Theory (Album)

Vince Staples hat eines der interessantesten Alben des Jahres gemacht. Nicht umsonst forderte der Kalifornier nicht nur den Grammy für das beste Rap-Album, sondern auch den für das beste Electronic-Album ein. Es sieht zwar nicht danach aus, dass er einen bekommen würde (er ist in keiner Kategorie nominiert), trotzdem trifft dieser Anspruch sehr gut den Nerv seines Albums. Völlig unaufgeregt und eher nachdenklich schlängelt der junge Mann da auf den weirdesten Beats rum, die er finden konnte. Absolutes Highlight ist selbstverständlich das Kendrick-Feature auf „Yeah Right“.

07

Injury Reserve – North Pole (feat. Austin Feinstein) (Video)

Ha! Auch ein einzelner Song kann sich gegen hunderte Alben behaupten. Während im Hintergrund eine extraterrestrische Stimme erschallt, rappen die beiden MCs Parts, die man einfach fühlen MUSS. Und wenn Austin Feinstein in der Hook einsetzt, rollt spätestens die erste Träne. Das Video dazu ist absolut wunderschön und sorgt nur noch mehr dafür, dass man es EINFACH FÜHLEN MUSS.

06

Kendrick Lamar – DAMN. (Album)

Na klar, auch Kendricks neues Meisterwerkchen kann man hier nicht ignorieren. Alle Songs sind krass, unterhalten, sind inspirierend. Und trotzdem fehlt der kleine Funke, den auch der Kopfstand in der Collector’s Edition einfach nicht zu erzeugen weiß. Nicht falsch verstehen: Das hier ist eines der absolut besten Alben des Jahres. Nur eben nicht so neu, nicht so frisch, wie es beispielsweise „To Pimp a Butterfly“ war. Deshalb gibt es „nur“ Platz sechs. Auf Heavy Rotation wird aber auch dieses Album noch einige Zeit laufen.

05

Brockhampton – Saturation I-III (Alben)

Sind Brockhampton jetzt eigentlich die 2017er Odd-Future oder eher nicht? Irgendein Rapjournalist sollte da vielleicht nochmal drüber nachdenken. Bis da jemand zu einem Schluss kommt, genieße ich die drei Alben der Boygroup, die einfach mit erfrischendem Sound und Lyrics überzeugen. Obwohl anders angekündigt, sagte Kevin Abstract zuletzt über „Saturation III“: „everybody knows it’s not really our last album“ – Gott sei Dank.

04

Smino – blkswn (Album)

Ich dachte ja das ganze Jahr über, „Anita“ wäre wirklich ein Riesenhit, denn das war er zumindest für mich. Als ich rausgefunden habe, das keiner meine Freunde den Song, geschweige denn Smino kennt, war ich zwar leicht geschockt, konnte aber gleichzeitig froh sein, ihren Horizont erweitern zu dürfen. Smino got Soul, Smino got Flow – und vor allem: eine wunderbare Stimme. Und spätestens seit der Mass Appeal-Doku bin ich einfach verliebt.

03

Jonwayne – Rap Album Two (Album)

Jonwayne war wirklich am Ende und hat sich eisern zurückgekämpft. Auf seinem diesjährigen Album zeigt er sich unfassbar reflektiert und zielgerichtet, soundästhetisch und textlich bedeutet das vor allem mehr Kontinuität. Rap zum einsam und alleine auf Albumlänge genießen. Und gerade deshalb so gut.

02

Negroman – Sequel (EP)

Negroman hat eine würdige Fortsetzung zu seiner letzten Platte geliefert: Die Beats sind reduzierter, gleichzeitig voller wunderschöner Details. Ebenso die Texte, die dich so lange zum Nachdenken zwingen, bis du beim zwanzigsten Hören endlich die kleine Anspielung begreifst, die dem Text tieferen Sinn gibt. Der Mainzer hat mit der EP endlich dem letzten hängengebliebenen Boom Bap-Fan seine ganze Weirdness ins Gesicht geklatscht, um eben diesen mit allerlei verwirrenden Erkenntnissen zu hinterlassen. Außerdem habe ich mit Negroman ein Interview zur EP geführt, das auch DU lesen solltest.

01

Tyler, the Creator – Flower Boy (Album)

Mit jeder Platte entwickelt sich Tyler ein gutes Stückchen nach vorne. Und mit „Flower Boy“ hat er ein Album abgeliefert, an dem ich jetzt schon nichts mehr auszusetzen habe. Die Produktionen sind organischer und sonniger geworden, die Featuregäste von A$AP Rocky bis Kali Uchis perfekt ausgewählt, die Texte ebenso wortverspielt wie tiefgehend. Und wenn Tyler singt, sind bei mir alle Synapsen auf Wolke Sieben.