Haltbarkeitsdauer so kurz wie die Promophase?: Future & Juice WRLD – WRLD On Drugs // Review

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Future kennt das Rapgame mittlerweile in- und auswendig und wusste auch auf „BEAST MODE 2“ mit seiner sympathischen Prise Ignoranz zu überzeugen. Juice WRLD hingegen ist Branche-Frischling, konnte aber mit selbstbewussten, emotionalen Texten und einer Wagenladung Ehrlichkeit in kurzer Zeit eine Menge Fans und Features für sich gewinnen. Ob sie ihren Erfolgskonzepten auf den 16 Tracks treu bleiben und einen neuen Meilenstein in ihren Lebensläufen schaffen, erfahrt ihr jetzt.

Sie hat es mal wieder getan. Nicki Minaj hat auf einem Album, das nicht ihr eigenes ist, den stärksten Part abgeliefert. Was nicht automatisch gegen die Qualität des entsprechenden Langspielers sprechen muss. Steht doch außer Frage, dass ihre vielzitierte “Monster“-Strophe mit Abstand die beste auf Kanye Wests “My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ war. Und gleichzeitig ist die Platte aus dem Jahr 2010 für viele bis heute Kanyes beste.

Doch im Fall von “WRLD on Drugs“ spricht es sehr wohl gegen die Qualität des restlichen Projekts, dass Ms. Minaj (mal wieder) die Show gestohlen hat. Sind ihre Zeilen doch die einzig denkwürdigen auf “WRLD On Drugs“, das auf allen Ebenen Tiefgang und Abwechslungsreichtum vermissen lässt. Was bedauerlich ist. So überraschend die Zusammenarbeit von Juice WRLD und Future nämlich auf den ersten Blick erschien, so vielversprechend war sie auf den zweiten. Rookie of the Year Jarad Higgins trifft Auto-Tune Hall-of-Famer Nayvadius Wilburn. 15 Jahre Altersunterschied? Geschenkt. Der Eine hat verstanden, wie die heutige Generation tickt und wonach sie verlangt. Der Andere hat das Rapgame durchgespielt – mehrfach.

Jedoch schleicht sich schon nach den ersten Minuten der Eindruck ein, dass das Album so monothematisch ist wie es Titel und Cover bereits befürchten lassen. Es entsteht das Gefühl, dass die Haltbarkeitsdauer von “WRLD On Drugs“ so kurz sein könnte wie die Promophase, die gerade mal eine Handvoll Tage andauerte. Zu belanglos die Zeilen der beiden Rapper, die sich inhaltlich im ermüdenden Viereck – bestehend aus Money, Drugs, Hoes und Clothes – bewegen. Zu redundant die 808-lastigen Beats, die größtenteils aus der Banger-Schmiede von Wheezy stammen. Vergeblich sucht man bei all dem nach Überraschungsmomenten. Vielmehr kommt es einem vor, als hätte man das alles schon gehört.

“Fast lane, taking it off / Breaking your ankle – Chris Paul”

Future – Hard Work Pays Off

Dabei macht Future auf “WRLD On Drugs“ genau das, was er schon immer gemacht hat. So ist es die für ihn typische Ignoranz, mit der er auf “Hard Work Pays Off“, einem der Lichtblicke des Longplayers, vier Mal hintereinander “off“ auf “off“ reimt – ohne mit der Wimper zu zucken: “They say hard work pays off, I’ve been feeling paid off / Dripping on them every day – snakes off / Put the chopper to your head, take it off / Fast lane, taking it off / Breaking your ankle – Chris Paul”. Raptechnisch zweifelsohne ausbaufähig, aber eben mit dieser futuresquen Authentizität, die ihn im Laufe seiner Karriere so erfolgreich gemacht hat.

Juice WRLD hingegen kommt auf „WRLD On Drugs“ wenig authentisch herüber. Der Junge aus Chiraq lässt vermissen, was sein Debüt-Mixtape “Goodbye & Good Riddance“ so stark und ihn selbst für eine ganze Generation so nahbar gemacht hatte: den offenen, reflektierten und schonungslosen Umgang mit seinen Emotionen und inneren Kämpfen. Er eifert Future nach, anstatt die eigene Linie durchzuziehen (no pun intended) und sowohl inhaltlich als auch stilistisch ein Gegengewicht darzustellen, wodurch das Album wohl deutlich heterogener geworden wäre. Zeilen wie “When I pop that Perc, I can fuck that bitch, make her go (Ahh) / Yeah, yeah, in the sheets / Uh, call the hotel lobby, tell ‘em we need clean sheets / Knock that pussy out, I kill it, tell it ’Rest in peace’“ („Different“) fassen das gut zusammen.

“Transform into a Billy ‘cause I really am the G.O.A.T.“

Nicki Minaj – Transformer

Trotzdem schaffen es Juice WRLD und Future auf “WRLD On Drugs“ punktuell für Aufsehen zu sorgen. In Erinnerung bleiben jene Tracks („Astronauts“ und „7 AM Freestyle“), auf denen die beiden als Tag-Team auftreten und sich abwechselnd Bars um die Ohren hauen. Das poppige Outro (“Hard Work Pays Off“) hat Ohrwurmpotenzial und ist eine der Anspielstationen, die man instinktiv mehrmals hintereinander abrufen möchte. Und schließlich wäre da noch “Transformer“. Nach knapp anderthalb Minuten übernimmt Nicki Minaj – im wahrsten Sinne des Wortes. Die selbsternannte Queen spuckt sofort los, vornehmlich in Richtung einer gewissen Cardi B, die sich nicht gerade dezent daran versuchte, Nicki den Rang abzulaufen. Jüngster Höhepunkt des niemals enden wollenden Beefs der beiden Alphatiere: eine Auseinandersetzung auf der New York Fashion Week im September, die darin gipfelte, dass Cardi mit ihren Schuhen nach Nicki warf. Was Letztere wohl zusätzlich motivierte, einen ihrer besten Parts der letzten Jahre zu verfassen und gleichzeitig ein ums andere Mal Zweifel daran zu äußern, dass Cardi ihre Reime selbst schreibt: “Four albums in, pull a milli for a show / While these bitches is servin‘ Milli Vanilli on the low“. Ohnehin scheint Nicki der Ansicht zu sein, Cardi hätte ihren Zenit bereits überschritten: “They ain’t warn her / Now she out here facin‘ karma / Had a chance, but got at me – now she’s a goner“.

Böse Zungen behaupten, Cardi habe bereits jemanden engagiert, um in ihrem Namen einen Disstrack zu schreiben. Fortsetzung folgt. Demgegenüber bleibt “WRLD On Drugs“ ein Album, das nicht gerade nach einer Weiterführung schreit.