Beside The Hype: Octavian // Kolumne

von am

In dieser wundervollen neuen Kolumne gibt’s monatlich einen neuen Artist, den ihr möglichst schnell auf eure Watchlist packen solltet. Abseits von irgendwelchen Real Rap-Schubladen und Mainstream-Hype passiert nämlich so viel, dass wir nicht mehr darauf verzichten wollen, auch euch an dem spannenden Sound unsere ausgewählten Rising Stars teilhaben zu lassen. Den Anfang macht der South Londoner Octavian, der mittlerweile nicht mehr aus unseren Playlists wegzudenken ist.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass wir über Octavians „Party Here“-Video gestolpert sind, es hat aber auch nicht lange gedauert, bis wir voll und ganz von dem jungen French-born-London-raised Rapper überzeugt waren – und das nicht nur weil Drake es auch ist, sondern weil wir (vielleicht sogar noch mehr als Drake) einen verdammt guten Riecher für aufstrebenden Talente haben.

„Wenn dir sowas wie mit Drake passiert, dann redest du nicht mehr drüber. „

Octavian

Drizzy reißt sich ja be­kann­ter­ma­ßen ausgesprochen gern junge Talente unter den Nagel um sie dann als seine eigene Brand aufzuziehen (no front, nur facts). Bei Octavian hat das jedoch nicht geklappt (sorry, Papi). Naja, Drake hat Anfang des Jahres schon massig Support für den South Londoner gezeigt indem er nicht nur eine Textzeile aus „Party Here“ als Instagram Caption verbaut hat, sondern den Track auch während seines DJs Set spielte. Dank dem ganzen Drizzy-Support gab es massig Aufmerksamkeit für Octavian, doch er selbst will eigentlich keine große Sache draus machen – was meiner Meinung nach sehr für Octavian spricht. Er will sich einen eigenen Namen machen, bevor er sich am Ruhm von jemand anderes in den Rap-Olymp schmuggelt. Und bis jetzt funktioniert das einwandfrei.

Obwohl der Londoner in der Vergangenheit ziemlich viel Scheiße erlebt hat, ist seine Musik alles andere als deprimierend. „Ich hab ’ne schlimme Zeit hinter mir, aber das ist jetzt vorbei. Ich werde nie dahin zurückgehen. Viele Leute rappen immer nur über die Vergangenheit und wie ihr Leben bisher war. Ich finde, man sollte darüber rappen, was du machen und wie du leben willst. So hab‘ ich mein Leben gemeistert und so hab‘ ich’s hierher geschafft.“ Mit 15 ist Octavian von Zuhause ausgezogen, davor war er für ein Jahr in Frankreich bei seinem Onkel. Irgendwo zwischen Sofas von Freunden und den kalten, britischen Straßen und hat er irgendwann auch die BRIT School abgebrochen – Ganz aufgeben war jedoch keine Option und die Musik viel zu wichtig. Zum Glück, denn dann kam „Party Here“ und die Reichweite schoss über Nacht weit über den Londoner Untergrund hinaus. Mittlerweile hat sich der Hustle also gelohnt.

Wir sind hier ja kein großer Fan von Real Rap und alle Einschränkungen drum herum – vielleicht sind wir auch genau deshalb so überzeugt von Octavian. Er spielt nämlich ganz vorne an der Spitze der nächsten Generation UK Rap mit. Eine Generation, die sich frei von jeglichen Genregrenzen gemacht hat und ohne Vorurteile oder Limits ans Musikmachen herangeht. „Ich glaube, es ist ein Lifestyle, der viel mit Freiheit und Kreativität zu tun hat. Dass Leute sich connecten und es schaffen, zum Beispiel Fashion und Musik zu vereinen.“

Zu hören ist das in Octavians teils selbstproduzierten Soundkonstrukten, die sich irgendwo zwischen Drill, Garage, Trap und elektronischen Clubsounds („Lightning„) einfinden. Liest sich Anfangs vielleicht etwas merkwürdig, am Ende ist es jedoch einfach pure Innovation, die sich aus dem britischen Untergrund ihren Weg an die Oberfläche freischaufelt. Gepaart mit seiner rauen Stimme, die von teils vorantreibenden Raps („Break That„, „Don’t Cry„) bis hin zu verschwommenen SingSang („Hands„) wandert, und seinem visuellen ästhetischen Level, wird das Image rund um Octavian zu einem stimmigen Gesamtbild, das hoffentlich noch viel zukünftige Raphörer beeindrucken wird. Spätestens nach seinem aktuellen Tape sollte er dabei keine Schwierigkeiten mehr haben – „Spaceman“ ist vielseitig, abwechslungsreich und doch im Ganzen so stimmig, dass man kaum etwas daran aussetzen kann.

Also, nochmal kurz zusammengefasst: Octavian ist vielleicht noch nicht im Endstadium seiner Artist-Transformation angekommen. Jedoch ist der South Londoner auf dem besten Weg – und zwar mit massig Talent beladen – die britische (und vielleicht sogar die internationale) Musikszene zu prägen und vom Vereinigten Königreich aus eine kleine Rap-Revolution zu starten. Props von Drizzy und splash! Mag Support hat er ja schon, da kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen.

Foto: Till Willhelm

Foto: Till Willhelm

Fotos/Interview: Till Wilhelm
Text: Nina Francesca Nagele