WESH RACAILLE! #10 – Rap aus Frankreich

von am

Liebe Frankreich-Fans, unser Außenkorrespondent – der eigentlich gar kein richtiger Außenkorrespondent ist, weil er ja hier wohnt und nicht in Frankreich – hat für euch mal wieder die besten neuen Rap-Sachen aus unserem wunderbaren Nachbarland gesammelt und fein aufbereitet. Also, zurücklehnen, ein Gläschen Champagner eingießen und zuhören. Ach ja, die dazugehörige Spotify-Playlist ist auch frisch gefüllt. Bisous.

01

Dadju feat. Maître Gims, Alonzo – Ma Fierté

Für Afro Trap aka 2017-Dubstep hört der Sommer niemals auf. Das Blade Runner-Wetter vor dem Fenster passt einfach nicht zum Sommer Sonne Sonnenschein-Vibe, obwohl ein Migos „T-Shirt“ Type-Video doch eigentlich auch mal ’ne Idee wär. Dadju, der mit seiner Band The Shin Sekaï regelmäßig zweistellige Klickmillionen erntet, muss sich auch um sein Soloprojekt keine Sorgen machen: Mit den Likemaschinen Maitre Gims und Alonzo hat auch dieser Track bereits zuverlässig seine 4×6 Nullen gefarmt. Es gibt Yachten, es gibt gute Freundinnen, die nach tiefgründigen Gesprächen ihre persönliche Ebene mit den jungen Rap-Personen auf diesen Yachten ausbauen, und der Himmel sieht aus, als hätte es dort noch nie geregnet. Irgendwo ist halt immer Afro Trap-Wetter.

02

Sultan – JD

Rapper sind theatralisch, das wissen wir spätestens seit Coolio von Dangerous Minds Lehrerin Louanne Johnson in einem verrauchten Klassenzimmer Rede und Antwort stand. Sultan, bereits seit 2011 am abliefern, lässt hier in bester „Das Urteil“-Manier verbuddeln, hängt auf einem Rapthron herum und fühlt sich auch sonst sehr wohl mit den eher ausladenden Bildern und Gesten. Alles in allem sehr dämonisch, obwohl Spuktober ja EIGENTLICH schon vorbei ist…

03

Aya Nakamura – Angela

Omgggg endlich mal eine weibliche Stimme in diesem Sausage-Fest! Seit zehn Ausgaben Wesh Racaille suche ich nach wenigstens einer einzigen französischen Rapperin, die in letzter Zeit mal was releast hat, stelle mich dabei aber offensichtlich nicht gerade an wie ein Nestor Burma. Die 22-jährige R&B-Chanteuse Aya Nakamura stammt aus einer malischen Musiker-Kaste und hat sich für den zweiten Teil ihres Künstlernamens von ihrem Helden Hiro Nakamura aus der Serie Heroes inspirieren lassen. In „Angela“ singt sie über eine Meuf, die nix als Party und Boys im Kopf hat und ermahnt sie, dass sie abstürzen wird und sich unter Wert verkauft. Danke für die warmen Worte.

04

Kaaris – Kébra

Unser guter Bro Kaaris baut seinen internationalen Siegeszug aus und spendiert seinem kürzlich veröffentlichten Album „Dozo“ ein weiteres Video. Hierzu begibt er sich in einen Avatar-artigen Wald und flext sich vor seinem Kalash-haltenden Schatten einen ab, dass es nur eine Wonne ist. So loben wir uns den alten Krieger. „Kébra“ übrigens mal wieder Verlan für „braquer“ (umgedreht quer-bra) und bedeutet Rrrraub, oida.

05

Lacrim – Tous les mêmes

Auch Lacrim und sein Onkelstatus wurde in dieser Kolumne aller Kolumnen schon intensiv besprochen. Das neue Tape „RIPRO 3“ steht vor den Toren und zu diesem Anlass zieht sich die Graue Eminenz von Gangsteur-Rap in eine heruntergekommene Villa zurück. Vermutlich ein bisschen zur Ruhe zu kommen oder so. Begleitet wird er von zwei Mofas, die auf den Pariser Straßen ein ähnliches Statussymbol darstellen wie hierzulande Grillz. Ja, mit Z. Genau wie Beatz. Dafür haben wir gekämpft Leute! Tatsächlich hab ich bei keinem französischen Rappern bisher Gold im Mund entdecken können, möglicherweise achtet man in unserem kultivierten Nachbarland einfach stärker auf Zahnhygiene. Schade übrigens, dass es Segways nie wirklich zum Flexobjekt geschafft haben. Zurück zum Thema: Die Cityroller bilden die Vorhut, fahren durchs Gruselhaus und eine gut bewaffnete Dame erhebt sich aus dem wirklich ausgesprochen unsauberen Badewannenwasser um mit ein paar Pitbulls Gassi zu gehen. Lacrim lässt sich davon allerdings nicht ins Bockshorn jagen, der Magga ist schon mit ganz anderen Sachen fertig geworden. Fantastisches Videokonzept.