WESH RACAILLE! #05 – Rap aus Frankreich

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Wesh Racaille“ ist unsere exquisite Feinschmecker-Kolumne, die sich den aktuellen Veröffentlichungen bei unseren baguette- und weinaffinen Nachbarn widmet. Also das Crack in den Pott…ähm…die Froschschenkel in die Casserole und ein wenig dem musikalischen Savoir-vivre fröhnen. Unser Redakteur Yacine hat hierfür mal wieder die besten französischen Gourmethäppchen für euch heraus gepickt. Bon appétit!

01

MMZ – Ma Bulle

El hamdulillah, Rap geht es gut. Wäre der historische Zeitraum der „Golden Era“ nicht von ein paar Trueschoolern (lel) für die 1980er bis ´94 angesetzt und bis auf die Karl Kany Baggy verteidigt, könnte man den aktuellen Stand der Culture kaum besser definieren. Dementsprechend gönnen sich Lazer und Moha vom Mini Mafia Zoo einen Urlaub nach dem anderen, während Crew-Member Brams und Doomams wahrscheinlich kaum erwarten können aus dem Knast zu kommen, um am Erfolg ihrer Crew teilzuhaben (beispielsweise mit einem Urlaub oder 10). Mit „Ma Bulle“ beweisen die Schützlinge der Genregötter PNL einmal mehr, dass sie ihrer kaiserlichen Frisuren würdig sind und verköstigen uns eine triefende balade sucrée auf ’nem Beat, der wahrscheinlich Weltfrieden auslösen könnte wenn Trump und Kim-Jong-Un ihn hören würden. Jemand muss ihnen mal den Link schicken! Was. Für. Ein. Hit!

02

Lacrim & Maître Gims – Ce soir ne sors pas

Auch Gangsteur Legende Lacrim verlässt die finsteren Straßen seiner Hood und begibt sich auf eine Reise (womit er sich ja gut auskennt, wie wir bereits in der letzten Wesh Racaille gelernt haben). Im marokkanischen Sand wird zur motiviert geheulten Hook von Sexion D’Assaut Vereinsmitglied Maitre Gims gewackelt. Leider scheinen die Rapgesichter auch dort nicht ihrer Vergangenheit entkommen zu können und müssen kurz aus dem Edelclub flüchten, als eine Horde Bullen die Party stürmt (obwohl der Refraintext sagt „heute bleib ich mal zuhause“ äääääh). Es wird entkommen, noch ne Runde durch die Savanne geheizt und weil zum Schluss scheinbar zu viel Budget übrig war, explodieren zwei Porsche hinter den beiden Knallköpfen, während sie slomo weglatschen und coole Shades tragen. Das nenn ich Urlaub machen.

03

Jarod – Attitude 1 „Hendek“

Hier mal bisschen was ausgeflipptes: Ahnt ihr noch das Young Thug-Video ohne Young Thug? Zuverlässigkeit ist ja keines der vier Elemente, dementsprechend halten sich in der Szene auch nicht unbedingt alle an Verbindlichkeiten – zum Beispiel zu einem Video Shoot aufzutauchen. Das soll hier mit ein paar Statisten passiert sein, die eine Beulerei darstellen sollten, welche offenbar zu ’ner tatsächlichen Auseinandersetzung eskaliert ist und dann sind alle reingesprungen und Krankenhaus und blablabla. Jarod jedenfalls scheint wirklich was ins G’sicht nei bekommen zu haben und performt hier mit Schwellfräse und Kopfhörern, weil nämlich alles so chaotisch zulief, dass es wohl nicht einmal ein Playback gab. Soso. Ob jetzt Wyclef in fake oder nicht, ein paar funny Szenen sind auf jeden Fall dabei und nächste Woche wird wohl noch nachgedreht, so dass bald der „richtige“ Clip folgt. Ich mag so Entstehungsprozesse ja immer ganz gerne stalken, mal schauen was dann aux final draus wird.

04

Naza – MMM

Weiter gehts mit einem etwas älteren Track, der aber an Aktualität und Brisanz nicht einbüßt: Es geht darum seine Badehose nass zu machen. Dazu bieten sich ja auch bei unserem verregneten Sommer zahlreiche Möglichkeiten amina… Naza, gebürtiger Kongolese, ist schon viel rumgekommen und fühlt sich zuhause am Pool pudelwohl, erinnert in diesem Planschvergnügen aber auch stets daran, dass er die Gegend kontrolliert und entscheidet wer mit ins erfrischende Nass darf. So isch recht.

05

Krisy – Ils Pensent

Zu guter Letzt wird’s nochmal richtig romantisch. Krisy aka De La Fuentes räumt mit dem Missverständnis auf er würde alle Frauen lieben, denn er liebt nur seinen einen Engel unter 1000. So sitzt er auch gerne mal mit den Frères zusammen und schreibt die ganze Zeit seinem Schatzimausi, dass seine Hände nur ihren Körper begehren. Ganz ein braver Junge.