WESH RACAILLE! #02 – Rap aus Frankreich

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Wesh Racaille“ (frei übersetzt: „Grüß dich erstmal, du alter Bagalut“) ist unsere noch neue Kolumne und widmet sich im 2 Wochen Takt den aktuellen Veröffentlichungen bei unseren baguette- und weinaffinen Nachbarn. In Frankreich (und im französischsprachigen Umland) wird seit jeher munter das Crack aufgekocht und anschließend mit einem Savoir-vivre serviert, dass die dynamische Rapszene dort der deutschen immer zwei Schritte voraus scheint. Dementsprechend inspiriert schielt auch hierzulande der ein oder andere Alman-Hopper auf die Grande Nation und schneller als du gucken kannst, hält selbst der einfallsärmste MySpace-Rapper seinen Sommer-Sonne-Afro-Track für die frischeste Froschsuppe überhaupt. Das kann wirklich niemand ertragen und deshalb sehen wir uns in der Pflicht, die Spreu vom Weizen zu trennen, um euch eine stabile Übersicht zu verschaffen. Dreh die Handybox in deiner Bauchtasche auf 100% Gesprächslautstärke: Unser Redakteur Yacine hat die fünf formidabelsten Franzrap-Joints der letzten Tage zusammengetragen.

01

Kaaris – Boyz N The Hood / Contact

Das französische CinémaFilm“>spielt die wohl bedeutendste Rolle bei der Verbreitung von Bewegtbild und Kino auf der Welt. Vermutlich deshalb lassen sich gallische Rapper seit jeher nicht nehmen, ihre Musikvideos hin und wieder zu brillanten Arthouse-Movies umzufunktionieren“. In der fabelhaften Welt des Kaaris zwingen ihn die Umstände dazu, sich die Hände schmutzig zu machen, obwohl er doch eigentlich längst vom Crimelife ins #goodlife gewechselt hat. Die Songs, irgendwo beginnend ab Minute 10, stammen vom hervorragenden Album „Okou Gnakouri“, das den Geburtsnamen des Zoo-Rappers trägt und 2016 erschienen ist.

02

KeBlack feat. Niska – Walou

Afrotrap. Wer kennt’s. Während Yung Lean immer härter seinem Gönno-Lifestyle zum Opfer fällt und mittlerweile Punkrock macht, lässt Rapdeutschland ihn gnadenlos ausgesuckt liegen, um sich sich schon am nächsten Trendcoq festzubeißen. Cloudrap ist tot, es lebe la Mula Mula! KeBlack, der grad mit so ziemlich jedem menschlichen Wesen ein Feature hat (vielleicht auch mit dir, schau besser mal kurz nach!), zeigt euch in Begleitung von Berserkerstimmchen Niska, wie es richtig geht – schau da ruhig mal etwas genauer hin, Kurdo.

03

MMZ – Ma 6-T j’vends

Ebenfalls sehr sommerlich mögen es Moha und Lazer von MMZ. Beide geboren im Jahre 2 nach 2Päcs Tod (1998, ihr Rapbanausen!), liefern die PNL-Schützlinge erneut Impressionen aus ihrem Miami Urlaub. Da Mini Mafia Zoo-Member Brams und Doomams noch einige Zeit hinter französischen Gardinen abzusitzen haben, haben die freien 50% von 2MZ noch einige Spielkameraden aus der Mif (= La Mifa = Famille, Verlan, du weißt) zum Shisha-Rauchen im Pool eingeladen, kann ja net schaden. Die grands frères PNL haben übrigens gestern ein kleines Dankeschön für ihren astronomischen Erfolg rausgehauen, hier wird Fannähe noch groß geschrieben.

04

Django – Fable

Doubletime-Rap wird hierzulande ja derzeit eher gemieden. Nicht nur ein gewisser Schwamm und der Gründer des kolligha-education-centers vermochten es, diese vielsilbige Kunstform für deutsche User gekonnt ins Aus zu trippeln. Auch legt man bei uns derzeit einfach mehr Wert auf Musikalität und – endlich – Adlibs. Wenn der Pariser Newcomer Django aber unverkrampft ganz viele Wörter hintereinander ausspuckt ohne angestrengt zu wirken, bekommt man doch wieder Lust, so etwas auf Deutsch zu hören. Wie wärs denn zum Beispiel damit mal, Kurdo?

05

Rim’K – Contrefaçon

Zu guter Letzt ein Thema, das HipHop-Heads in Alemania noch zuverlässiger Angst und Schrecken einjagt, als das Wort „HipHop-Head“ (*grusel*): Es geht um längst totgeglaubte Dino-Rapper, die sich – ohne, dass man ihnen je etwas getan hat – an einem Comeback versuchen. Ach, was waren wir alle entsetzt, als Max Herre sich plötzlich die Erde von den Schultern klopfte, um ein komplettes neues Album auf uns loszulassen. Und selbst Nico Suave musste seinen faulen Atem noch ein letztes Mal über senile Gitarrenbeats hauchen. Hilfe. Zum Glück tun sich Rap-Rentner anderswo nicht so schwer, ihrem Sound das nötige Update zu verpassen und weiterhin fraîche zu bleiben, wie zum Beispiel 113 Legende Rim’K wieder einen neuen Pétard raus, der sich nahtlos ins heutige Zeitgeschehen eingliedern lässt und verdeutlicht, dass der richtige Hunger nicht mit den dritten Zähnen gegen seichte Belanglosigkeit eingetauscht werden muss.

https://www.youtube.com/watch?v=jZEzhnN30