#lldt – Wer sind die Features auf Caspers neuem Song?

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„Lang lebe der Tod“, die brachiale Comeback-Single von Casper polarisiert. Nicht nur der industrielle Dark Wave-Sound und das kryptische Songwriting lassen manchen YouTube-Hater reflexartig die ewige Frage „Ist das noch HipHop?“ in die Timeline hämmern. Auch die Features sind nicht weniger provokativ gewählt. Wer sind die Beteiligten hinter diesem mysteriösen Song?

Markus Ganter

Auch wenn die schländliche Popjournaille nicht gerade sparsam mit Superlativen umgeht, ist die Bezeichnung „Superproducer“ bei Markus Ganter nicht unangebracht. Seit seinen ersten Sporen, pardon Spuren, auf Sizarrs Debütalbum „Psycho Boy Happy“ ist der Deutsche Pop-Absolvent zu einer Art Go-To-Guy für dunkelbunten Schwermut-Pop mit nuancierten Einflüssen zwischen The Cure, Joy Division und den Anfangsjahren der Technokultur geworden – call it 80s-Baby. Neben eigenen Remixen unter dem Pseudonym Pink Ganter für u.a. die neuseeländischen Elektropopper von The Naked & Famous oder Herbert Grönemeyer, produzierte der Müllheimer Wahl-Berliner auch die Indie-Legenden von Tocotronic oder den Industrial-Wave-Hybrid Drangsal. Gloomy Boyz, Muso – Ganter hat auch im HipHop einige beeindruckende Momente geschaffen. Für seine Arbeiten an Caspers Erfolgsalbum „Hinterland“ erhielt er sogar eine Echo-Nominierung. Getreu dem Motto „Never change a running system“ ist er auch an Caspers viertem Album beteiligt – und Produzent von „Lang lebe der Tod“.

Sizarr

Auch Sizarr sind Melancholiker. Als 2012 „Psycho Boy Happy“ erschien, ein Debütalbum voller wehleidiger Teenage Angst-Hymnen, stiegen die Ex-Landauer schnell vom Indie-Geheimtipp zum Festivalliebling auf. Das Trio bewegt sich auf der musikalischen Schnittstelle zwischen weltschmerzlicher Depression und der juvenilen Aussichtslosigkeit in der Einöde, kombiniert Einflüsse aus schwarzmalerischen Electronica, bittersüßen Alternative Rock oder sphärischen Clubmusik-Fundamenten – und ist damit sogar schon im Guardian gelandet. Es dürfte vor allem die Aufarbeitung ihres Erfahrungsschatz vom Leben in der Provinz sein, der sie mit Casper verbindet. Beide teilen einen Hang zur pathetischen Dramatik und lyrischer Landschaftsmalerei. Überraschender ist, dass das eigentlich englisch-singende Trio auf „Lang lebe der Tod“ mit einem deutschen Part vertreten ist. 2015 erschien Sizarrs zweites Album „Nuture“.

Dagobert

Als „Indie-Schlager“ wird die Musik von Dagobert bezeichnet, da sie sich vordergründig demselben kulturellen Idealismus aus Kleinbürgerlichkeit und Romantik bedient, dem auch der ZDF Fernsehgarten anhaftet. Doch der Schweizer mit Wohnsitz in Berlin besingt Alltags- und Lebensweisheiten über Tod, Trauer und Verzweiflung (zeitweise soll er sogar obdachlos gewesen sein und lange Zeit mit keinem Menschen gesprochen haben, was oft Kaspar Hauser-Vergleiche nach sich zieht) und ist gleichermaßen von den düsteren Releases der Neuen Deutschen Welle sowie dem simplifizierten Songwriting von der Countrylegende Hank Williams beeinflusst. Der König des kauzigen Elektro-Mischmasch stellt auf „Lang lebe der Tod“ einen ironischen Bruch zur bedeutungsschwangeren Schwere der ersten Casper-Single. Im letzten Jahr veröffentlichte Dagobert sein zweites Album „Afrika“ über die Hamburger Indie-Instanz Buback Tonträger.

Blixa Bargeld

Das Gründungsmitglied der Einstürzenden Neubauten ist eine Musiklegende. Punkt. Gerne mal als Underground-Ikone bezeichnet, war der 57-Jährige West-Berliner maßgeblich an der Emanzipation deutschsprachiger Pop-Musik beteiligt. Wegen ihren unorthodoxen Klangexperimenten auf den ersten Veröffentlichungen Anfang der 1980er Jahre (unter anderem wurden Aufnahmen im Innenleben einer Autobahn getätigt) werden die Neubauten gerne dem Punk- bzw. Post-Industrial zugeordnet, späteres Schaffen bezieht sich eher auf die damaligen Dark-Wave-Anleihen aus OMD oder Depeche Mode. Sampling, Field Recording, Soundscapes – Blixa Bargeld hat diese Produktionstechniken in Deutschland zumindest mit-etabliert und damit auch einigen HipHop-Producern den Weg geebnet. Darüber hinaus war er jahrelang Gitarrist in der Band The Bad Seeds, der Band der australischen Rock-Kultfigur Nick Cave. Sein Gastauftritt auf dem Song kann als Ritterschlag der deutschen Pop-Avantgarde für Casper gesehen werden.