(Weihnachts)-Liste: Christmas Rap

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Alte Musikbranchen-Weisheit: mit einem Weihnachtshit musst du dir keine Sorgen mehr machen. Alle Jahre wieder rieseln die Tantiemen ins Haus, und die Geschenke für die Liebsten – und für den Urheber selbst – finanzieren sich im Alleingang. Auch zahlreiche Rapper haben sich das in den letzten 35 Jahren zu Herzen genommen und waren damit mal mehr, mal weniger erfolgreich. Aber Rap ist eben auch Realität, und wenn Weihnachten in der Hood keinen Spaß macht, weil Santa statt Spielkonsolen wieder nur Nüsschen und Ärger bringt, ist das ein noch viel interessanteres Thema als die heile Welt mit Schleifchen. Rechtzeitig zum Fest sammelt unser Autor Ralf Theil 20 essenzielle Rap-Songs zu Weihnachten.

 

Kurtis Blow »Christmas Rappin’« (1979)

Nicht nur die historisch eindeutige Nummer Eins in jeder Weihnachtsrapliste, sondern auch die erste Rap-Single auf einem Major-Label überhaupt – Mercury nämlich. Noch vor »The Breaks« setzte man mit »Christmas Rappin’« auf zwei Novelty-Effekte gleichzeitig und verkaufte damit fast eine halbe Million Singles. Nicht ganz unbedeutend.

 

Treacherous Three & Doug E. Fresh »Santa’s Rap« (1984)

Eine der unvergesslichen Szenen aus »Beat Street«, dem von Harry Belafonte produzierten HipHop-Film von 1984: ein Weihnachts-Skit mit den Treacherous Three und Doug E. Fresh. So richtig intakt ist die Feiertagsidylle hier aber schon nicht mehr.

 

Audio Two »A Christmas Rhyme« (1986)

Noch etwas düsterer geht es zu, wenn Audio Two über Weihnachten ohne Geld – und ohne Santa – erzählen. Aber immerhin verteilen sie dann selbst Geschenke in Bed-Stuy.

 

Run-D.M.C. »Christmas in Hollis« (1987)

Der ewige Blueprint für Rap zum Jahresende: die funky Hymne aus Queens bleibt vergleichsweise harmlos, wird aber ein riesiger Hit und inspiriert viele Nachahmer. Ursprünglich veröffentlicht wurde »Christmas in Hollis« auf der Compilation »A Very Special Christmas« zugunsten der Special Olympics.

 

Sweet Tee »Let The Jingle Bells Rock« (1987)

Gleich acht weitere weihnachtliche Rap-Songs – neben »Christmas In Hollis« – landen im selben Jahr auf der Compilation »Christmas Rap«, die zur Pflichtdekoration in jedem HipHop-Haushalt gehören sollte. Exemplarisch hier der von Hurby Luv Bug produzierte Beitrag von Sweet Tee, die im Folgejahr ihr erstes und einziges Album »It’s Tee Time« auf Profile Records veröffentlichte.

 

Juice Crew All-Stars »Cold Chillin’ Christmas« (1988)

Der wohl beste Weihnachtstrack aus der goldenen Ära Ende der Achtziger kommt von der Juice Crew, die Big Daddy Kane, Roxanne Shante, MC Shan und natürlich Marley Marl an den Boards in die festliche Saison schicken. Sauwichtig.

 

Die Fantastischen Vier »Frohes Fest« (1991)
https://www.youtube.com/watch?v=-RSIc0RtbU8

Und endlich spielt auch Deutschland mit: Auf der Suche nach jährlich wiederkehrendem kommerziellem Erfolg machen sich die jungen Fantas an einem Weihnachtslied zu schaffen, das letztendlich aber derart zynisch ausfällt, dass man es nicht so recht unter dem elterlichen Baum auspacken will. Ganz nebenbei landen die Vier damit zwei Jahre später als erste deutsche Rapper auf dem Index – aus heutiger Sicht ein alberne Entscheidung, die aber absichtlich nie angefochten wurde.

 

De La Soul »Millie Pulled A Pistol On Santa« (1991)

De La Soul, die 1991 von ihrem Hippie-Image ohnehin die Nase gestrichen voll hatten, legen hier mal eben den ernüchterndsten, bittersten Festtags-Song vor, den Rap bis heute gehört hat. Auch wegen solcher Moves war das Album »De La Soul Is Dead« ein wichtiger Neuanfang.

 

Eazy-E »Merry Muthafuckin‘ X-Mas« (1992)

Wortmeldung von der Westküste: Eazy-E feiert auf seiner EP »5150: Home 4 Tha Sick« Weihnachten, the Compton way.

 

Snoop Dogg »Santa Claus Goes Straight To The Ghetto« (1996)

Das darf man nicht vergessen: Es gab tatsächlich einen Labelsampler namens »Christmas On Death Row«. Was Snoop hier aus einem alten Isaac-Hayes-Groove macht, ist nicht zuletzt dank Daz Dillinger und Nate Dogg extrem hörenswert. Und den James Brown-Song (https://www.youtube.com/watch?v=cz48PR__uSo), auf den sich der Titel bezieht, sollte man auch gleich diggen.

 

Rev Run & the Christmas All Stars »Santa Baby« (1997)

Papa Run wärmt für die dritte Runde von »A Very Special Christmas« die Tradition seiner Band auf, mit tatkräftiger Unterstützung von Salt-N-Pepa, Onyx, Snoop Dogg, Diddy, Keith Murray und Mase. Alleine für dieses Staraufgebot lohnt sich der Tune, der auf einem geflippten Fugees-Beat basiert.

 

Sido »Weihnachtssong« (2003)

Sidos ohrwurmiger, rotziger »Weihnachtssong« war das spaßige Hintertürchen, durch das Aggro Berlin erstmals massive Präsenz im deutschen Musikfernsehen bekam. Ein wichtiger Punkt in einer der größten HipHop-Erfolgsgeschichten Europas.

 

Jim Jones »Ballin‘ on Xmas« (2006)

Richtig geraten, es gab ein ganzes Dipset-Weihnachtsalbum. Und das war auch gut so.

 

Ludacris »Ludacrismas« (2007)

Die Vince-Vaughn-Klamotte »Fred Claus«, hierzulande »Die Gebrüder Weihnachtsmann«, war wahrscheinlich verdientermaßen ein Flop. (Jemand gesehen?) Für »Ludacrismas« sollten wir ihr trotzdem dankbar sein.

 

OFWGKTA »Fuck This Christmas« (2010)

Als Earl, Tyler und Hodgy Beats noch im Stundentakt für helle Aufregung sorgen konnten, war natürlich auch Weihnachten ein Thema von vielen, das sie echt scheiße fanden. Haben sie gut gemacht.

 

Kanye West »Christmas In Harlem« (2010)

Mit etwas höherem Glamour-Faktor kam im gleichen Jahr Kanye um die Ecke und veröffentlichte im Rahmen der »GOOD Fridays«-Reihe diese astreine Hit-Boy-Produktion auf Schnipseln von Shuggie Otis und Marvin Gaye. Nicht ganz sicher, wie erfolgreich Cyhi the Prynce und Teyana Taylor inzwischen sind.

 

Sean Price »How Sean Price Stole Christmas« (2010)

Jetzt mal ehrlich, wer soll bitte der Grinch in Person sein, wenn nicht Sean Püh? Und von wem würden wir uns das Fest lieber versauen lassen als von dem wenig besinnlichen flowenden Brooklynite? Eben.

 

Lil B »Santa Is Coming« (2010)

2010 war offensichtlich eine gute Saison für Weihnachtsrap. Ob Santa Claus nun based ist oder nicht, ist nicht abschließend geklärt, aber viel mehr Spaß als mit Lil B kann man bei der Bescherung so oder so kaum haben.

 

R.A. The Rugged Man & Mac Lethal »Crustified Christmas« (2012)

Genau so nasty, wie man es von diesen pöbelnden älteren Herren erwarten würde. Ho, ho, ho.

 

Run the Jewels, »A Christmas Fucking Miracle« (2013)

Die Kritiker- und Publikumslieblinge El-P und Killer Mike können es kaum mit sich vereinbaren, die Weihnachtssaison ungeschoren davonkommen zu lassen. Und wie fast alles, was sie in den letzten Jahren gemeinsam anpacken, ist das Ergebnis über so ziemlich alle Zweifel erhaben. Kein Wunder.

 

Bonus Track 1: DMX »Rudolph The Red-Nosed Reindeer« (2012)

Kein Weihnachtsfest mehr ohne den Modern Day Frank Sinatra.

 

Bonus Track 2: Morlockk Dilemma feat. DJ Mirko Machine & die Mixery Redaktion »Rohes Fest« (2010)

Auch splash! Mag Kolumnist Ralf Theil hat eine weihnachtliche HipHop-Vergangenheit, die hier nicht verschwiegen werden darf. In Mo‘ Dilemmas legendärem Weihnachtssong, initiiert von der Mixery Redaktion um Falk Schacht, gab er überaus überzeugend einen Weihnachtsbaum.

In diesem Sinne: frohes Fest.