Die besten Tapes der Woche // Weekly Releases

von am

Das beste an dieser Weekly-Release-Liste ist, dass sie das Ende einer weiteren überstandenen Arbeitswoche symbolisiert. Dazu kommt noch, dass diese Woche wieder verdammt geniale Tapes dabei sind. Neben Wandls überragendem Erstling gibt’s noch kitschigen Straßenrap von Jugo Ürdens – damit wäre die Ösi-Spalte schon perfekt bedient. Dann schickt uns Jay Prince den perfekten Soundtrack für laue Sommerabende, Partynextdoor liefert wieder Musik für’s Schlafzimmer, Adamn Killa raunzt über Shlohmo-Beats und A.CHAL präsentiert nach einer harten vergangenen Zeit den Soundtrack einer Rückbesinnung.

Adamn Killa – I Am Adamn

Der Chicago-MC hat coole Haare und seine Freundin hat sich seinen Namen auf den Arsch tattowieren lassen – ja, wir betreiben investigativen Journalismus. Neben diesen verdammt relevanten Fun-Facts, schafft es Adamn Killa aber irgendwie sich die Crème de La Crème an Support zu angeln: seinen Hype verdankt er dem schwedischen Sadboy Yung Lean und die Beats auf seines neuen Album kommen von Producer-Genies wie Shlohmo, Ryan Hemsworth, UV Boi, Brodinski und Sam Tiba.

Wandl – It’s All Good Tho

Alles ist gut, wirklich alles. Nicht nur unsere Lebensqualität hat sich dank Wandls Debütalbum um einiges gebessert, sondern auch der Langzeitspieler selbst ist einfach nicht zu bemängeln. Stabile Soundkonstrukte spinnen sich quer durch Schulhöfe, Fieberschübe und Wohnsiedlungen und eröffnen uns eine komplett neue Welt an träumerischen Piano-Partituren, Gitarrenriffs und wunderschöner Lo-Fi-Melancholie. Der schüchterne Singsang lässt den (Beat)Wunderknaben zum perfekten Beispiel werden, dass sich auch Producer ans Mic trauen dürfen. Es lässt sich nicht mehr sagen, als: beruhigt euch, „It’s All Good Tho“!

Jugo Ürdens – DiesDas

Fünf Tracks, vier Feature-Gäste, 100 Cevape und gefühlt drei Flaschen Jägermeister – so ungefähr sieht Jugo Ürdens zweite EP „DiesDas“ in Zahlen aus. Zwischen dreckigen Straßen, teurer Kunsthochschule und kitschiger Wiener Schickeria steht Jugo mit seiner frisch polierten Glatze und klatscht jedem eine Portion Ironie über gar nicht so ironische Thematiken ins Gesicht, währen der am Strohhalm in der Cola-Flasche nippt. Und gerade als wir dachten, wir könnten den Cevape-Fetischisten irgendeinem Genre zuordnen, ballert er (Anti-)Lovesongs wie „Betrugo“ mit einer mächtigen Portion Kitsch von den Schönbrunner Gloriettenstürmer. Ajde, wir geben auf – Jugo macht eh was er will, aber das ist auch gut so, denn es klingt verdammt gut.

A.CHAL – ON GAZ

Das letzte Jahr war kein leichtes für A.CHAL. Trotz oder Dank steigender Bekanntheit sorgten Streitereien dafür, dass sich der „GAZI“-Sänger von langjährigen Freunden, Mitstreitern und sogar seinem Management trennte. Es folgten Depressionen und die Erkenntnis, einen Fehler gemacht zu haben. „ON GAZ“ ist nun laut eigener Aussage der Soundtrack der Rückbesinnung und des langsamen Prozesses der Wiederannäherung. Und so sind Reue, Besinnung und die Abkehr von materiellen Dingen wiederkehrende Motive, auf die in den meistens Tracks Bezug genommen wird. Ausnahmen sind lediglich das French Montana-Feature „Round Whippin (RMX)“, das ohne Frenchie bereits auf dem Vorgänger „Welcome to GAZI“ war, und das vorab rausgebrachte „Love N Hennessy“, das auf spitzbübische Art diese beiden Dinge thematisiert. Musikalisch ist der Weg von „Welcome to GAZI“ hin zu „ON GAZ“ nicht allzu weit. Wie in vielen Texten scheint auch in den Instrumentals die peruanische Herkunft durch. Oftmals werden die durchweg top-produzierten Beats mit lateinamerikanische Rhythmen gewürzt. Auch ein Grund, wieso dieses Release sich positiv abhebt und mal wieder beweist, dass echte Künstler in harte Zeiten ihre besten Werke schaffen.

Jay Prince – Late Summers

Der schon als „UKs Antwort auf Kendrick Lamar“ bezeichnete Jay Prince hat ein traumhaftes Händchen, was Timing anbelangt, „Late Summers“ funktioniert nämlich auch wunderbar zu Sommer-Anfang. Der Ost-Londoner verbreitet durchgehend gute Vibes in Form von angenehm harmonischen, souligen, melodiegetriebenen Beats, einer Vortragsweise, die durchweg on-point ist und einer Positivität, die tatsächlich ansteckend wirkt. Eine stimmliche Nähe zu unser aller Lieblings-Kung Fu Kenny ist nicht von der Hand zu weisen, trotzdem wird Eigenständigkeit bewiesen, abgesehen von ein paar gesungenen Hooks nämlich auf Features verzichtet. Alles in allem der perfekte Soundtrack für laue Sommerabende. Und jetzt gebt mir verdammt noch mal meinen Schirmchen-Drink.

Partynextdoor – Colours 2

„These lines right here gon‘ really really make you fuck“. Mit dieser Zeile aus „Freak In You“ ist zu Vibe und Inhalt eigentlich alles gesagt, was gesagt werden muss. Der OVO-Crooner hat inhaltlich ein sehr klar abgestecktes Territorium und verlässt dieses nur selten. Und so werden auf „Colours 2“ Liebe, Sex, und Seitensprünge auf beiden Seiten thematisiert. Die musikalische Untermalung ist mal langsamer, mal schneller, aber betont mit einer Soundästhetik, die durch den Künstlernamen präzise beschrieben wird, jedes Mal perfekt die Stimmung des jeweiligen Songs. Tatsächlich klingen die Beats, abgesehen von den Drums, als wären sie nebenan aufgenommen worden. Zusammenfassend lässt sich der Erfolg dieser EP erst in neun Monaten abschätzen. Die richtigen Zutaten sind zumindest alle da.