Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Es ist Freitag, das heißt, es wird Zeit für unsere wöchentliche Sammlung an großen und kleinen, geschliffenen und rohen Diamanten in Soundform. Gleich sieben Anwärter streiten sich um die Gunst unserer Ohren. Soll es Selbstgemachtes von Trettmann sein oder doch lieber die albumgewordene Rückkehr der Könige, Savas & Sido? Darf es eine „Blaue Orchidee“ von Juicy Gay oder doch ein liebevoll gehauchtes „BLYAT“ von Capital Bra sein? Für was man sich letztendlich auch entscheiden mag, hier habt ihr die Auswahl!

Smokepurpp – Deadstar

Smokepurpp steht in einer Riege mit Necomern, die sich ihren Hype in DIY-Manier über Soundcloud aufgebaut haben und mit ihren Songs, die oftmals nicht länger als ein bis zwei Minuten sind, eine enorme Fanbase rekrutieren konnten. Der Rapper aus Florida ist einer der Frontmänner eines Distorted 808-Movements, das thematisch nicht in Suicide Boys/XXX-Gefilde abdriftet, sondern viel mehr dem guten Leben fröhnt. Soundtechnisch zeichnet sich insbesonders Producer Ronny J verantwortlich, der nun selbst einen Deal bei Atlantic Records abgesahnt hat und mit seinen simplizistischen Beats durchweg für ausrastende Massen und Begeisterung sorgt. Zudem versammelt Smokepurpp einige Hochkaräter wie etwa Chief Keef, Juicy J oder Kompagnon Lil Pump, der nächste Woche ebenfalls sein Debüt feiert. Ein kompromissloses Tape, das nur eine Richtung kennt – nach vorne. Das macht bereits der Chief Keef-featurende Opener „I Don’t Know You“ klar. Ausnahme ist maximal das Harry Fraud-produzierte und von D.R.A.M. gefeaturete „Count Up“ und das abschließende „Purgatory“.

Trettmann – #DIY

Eine gefühlte Ewigkeit ist (Ronny) Trettmann schon Teil der deutschen Musik-Szene. Eine gefühlte halbe Ewigkeit wartet man, seit sich die Wege zwischen ihm und Produzenten-Kollektiv KitschKrieg kreuzten, aber auch auf ein Full Length-Album. Nun ist es da und wir sind noch ein bisschen mehr verliebt als vorher. Die Vorab-Singles „Knöcheltief“, „Grauer Beton“ und „Gottseidank“ haben die Messlatte in die Höhe geschraubt und eine Erwartungshaltung erzeugt, unter der Andere zusammengebrochen wären. Nicht so Trettmann, nicht so „#DIY“. Traumhaft ausproduzierte Songs zwischen Leichtigkeit und Schwermut, karibischen Rhythmen und Melodien in Moll. Dass das Album lediglich zehn Anspielpunkte bietet, ist kein Malus, sondern unterstützt die Kompaktheit, die Stimmigkeit des Projekts. Wir haben lange gewartet, das Warten hat sich gelohnt – der Anwärter für unser Lieblingsalbum 2o17 ist da!

Capital Bra – BLYAT

Der Bratan, der in frühen Jahren aus Russland erst in die Ukraine und dann nach Deutschland kam, veröffentlicht mit „BLYAT“ sein drittes Album in knapp anderthalb Jahren. Der Workaholic, der durch „Rap am Mittwoch“ in den Fokus rückte, hat dabei ein äußerst stabiles Album auf die Beine gestellt. Der Hit “ Nur Noch Gucci“ zeigt dabei nur eine Facette des auf dem Album tatsächlich ein paar mal nachdenklich wirkenden Capitals. Songs wie „Wie Alles Begann“ bezeugen, dass der Berliner durchaus in der Lage ist, Geschichten zu erzählen. Was nicht heißt, dass das auf Lasten der Banger geht, die selbstverständlich wieder in großer Zahl vertreten sind. Unterstützung bekommt Capital auf dem Album selbstverständlich durch Langzeit-Kompagnon Gzuz, aber auch von anderen Szenegrößen wie Sido, Ufo361, Olexesh und RAF Camora.

Savas & Sido – Royal Bunker

Es ist endlich da! Groß und effektvoll in Szene gesetzt beim Sido-Auftritt auf dem splash! 20, wird am heutigen Tag die Ankündigung in die Tat umgesetzt. Das Gipfeltreffen der Berliner Rap-Szene, insgesamt 40 Jahre Deutschrap-Erfahrung, gebündelt auf 14 Songs. Das Kreuzberger Café, Treffpunkt für Jams und Battles, später Label, ist viel mehr als die Summe seiner Teile, sondern viel mehr Lebensgefühl seit Ende der 90er. Dieses Gefühl wird auf dem Album gehegt und gepflegt. Der Selbstbeweihräucherung wird ordentlich Platz eingeräumt, Reminiszenzen enden in dem Schluss, dass man selbst mehr oder wenig verantwortlich ist für den Status des Deutschraps heutzutage. Und liegt damit vermutlich gar nicht so verkehrt. Die Beats orientieren sich nicht an derzeitigen Sound-Standards, was dem Sound des Albums absolut zu Gute kommt. Ein gutes Album, dem wenig fehlt und das beweist, dass man auch nach 20 Jahren im Business noch hungrig klingen kann.

Juicy Gay – Blaue Orchidee

Nachdem man mit Videoauskopplungen und Singles in den letzten Tagen gradezu bombardiert wurde (im positivsten Sinn, den das Wort „bombardieren“ zulässt), releast Juicy Gay heute seine langerwartete EP „Blaue Orchidee“. Und diese EP ist ein wahres Wundermittel gegen jede Art der Herbst/Post Electio-Depression. Die fünf Anspielpunkte (+ Skit) transportieren einen dermaßen sommerlichen Flair, dass man sich als Mensch des Hauttyps 1 reflexartig mit Sonnencreme einkleistern möchte. Wir reden hier von Sommer im eigentlichen Sinne des Wortes, nicht von Sommer’17. Kalimba, Steel Drum, Reggaeton/Afrotrap/Baile Funk-Rhythmen, alles zusammengehalten von augenzwinkernden, sympathischen Lines über ganz alltägliche Dinge und einer großartigen Autotune Vocal-Performance. Spart euch das Geld fürs Sonnenstudio, „Blaue Orchidee“ ist Serotonin in Soundform!

hnrk & Kodyak – Geosmin EP (2015)

Wenn die beiden TeamSesh-Produzenten, die jeweils beide schon etliche Beats für Bones, Corbin, Xavier Wulf etc. produziert haben, ihre Köpfe zusammenstecken, kann es nur atmosphärisch werden. Trap-Standards werden außer Acht gelassen, die Erzeugung einer packenden Atmosphäre steht im Fokus. Der treibende Titeltrack zieht einen mit tief im Raum versteckten Synth-Melodien in den Bann, der zweite Song“aerosol“ wartet mit einer unglaublich detaillierten Soundkulisse auf. Überall klimpert es, fluoreszierende Jungle-Breaks kommen rein und verlassen die Szenerie wieder. Abgeschlossen wird die EP von der Burial-Hommage „petrichor“. Ein wabernder Bass, Off-Beat 2Step-Drums, eine hölzerne Snare und leises Klimpern sorgen für den perfekten Unterbau für melodieführende Synths, die mal an-, mal abschwellen. Ein Meisterwerk in Taschenformat.

A Boogie Wit Da Hoodie – The Bigger Artist

Der XXL Freshman 2017 bringt am heutigen Freitag sein Debütalbum raus und obwohl er ein wenig im Schatten anderer Freshmen-Rapper wie XXX oder Kyle steht, hat die großartige Singleauskopplung „Drowning“ (feat. Kodak Black) gleichermaßen Erwartungen und Vorfreude geschürt. Doch hat das Album des Rappers aus Queens das Potential, New York wieder auf die Trap-Map zu bringen? Ein ausdrückliches Ja ist angebracht. Unterstützt von etlichen Hochkarätern wie 21 Savage, Kodak Black, Trey Songz oder PnB Rock hat Boogie das Rezept gefunden für ein abwechslungsreiches, aber stimmiges Album. Unterschiedliche Vibes werden in einen Topf geworfen. Mal lustig, mal ernst, mal FSK 18, mal ohne Altersbeschränkung – A Boogie Wit Da Hoodie setzt mit „The Bigger Artist“ ein ordentliches AusRufezeichen!