Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Samstag = Weekly Release = ein Wochenende voller Sound-Schmankerl. Wir haben wieder fleißig gesammelt und unseren Senf zu all den Eps, Alben und Mixtapes dazugegeben, die uns die letzten Tage erreicht haben. Neben deutschen Releases von Dexy und KDM Shey gibt’s unter anderem auch was feines aus Boston, Carol City und Bangkok.

Denzel Curry – 13

Denzel ist wie immer mit rasanten, ratternden Bars am Start. Und wir sind mächtig froh darüber, denn das Demo-Treatment der letzten Wochen war teilweise ein bisschen belastend – Tracks die nicht länger als anderthalb Minuten dauern sind uns nämlich eindeutig zu wenig. Aber jetzt ist wieder alles gut, denn mit „13“ erreichen uns endlich die vollen Versionen der vergangene Appetizer. Der Carol-City-Rapper beweist ein weiteres mal: „ULT for live“ bleibt unser Lebensmotto. (Ps: Demos sind nicht sehr befriedigend!)

Clams Casino – Instrumentals 4

Vier lange Jahre musste man warten, bis die berühmt-berüchtigte Instrumental-Serie des Atmo-Beat-Gotts endlich weitergeführt wird. Als Überbrückung gab es letztes Jahr zwar sein grandioses Album „32 Levels“, aber wahre Beat-Afficionados warteten weiter ungeduldig. Und werden nicht enttäuscht. Atmosphärische Flächen und Soundlandschaften, gespickt mit mal gepitchten, mal nicht-gepitchten Vocal-Samples machen dieses Tape zu einem akustischen Erlebnis erster Güteklasse. Neben bekannten Instrumentals, wie etwas zu Vince Staples „Norf Norf“, Ghostemanes „Kali Yuga“ und Danny Browns „Worth It“ gibt es auch unreleaste Perlen wie das von einem beeindruckend bedrückendem Björk-Sample unterstütze „Uncle“.

XXXTENTACION & Ski Mask the Slump God – Members Only Vol. 3

XXXTentacion ist ein schwieriger Fall: unsere Liebe zu guter Musik steht in einem ständigen Kampf mit unserer Moral. Wollen wir einen Artist supporten, der sich aus menschlicher Sicht nicht mit unserem Gewissen vereinbaren lässt? Wollen wir Musik von jemanden hören, der Frauen schlägt, Fans angreift und ausschließlich mit negativen Schlagzeilen Aufsehen erregt? Diese Fragen werden uns wohl für immer begleiten, trotzdem versuchen wir XXXTentacion aus einem rein musikalischen Blickwinkel zu betrachten. Macht man das, muss man zugeben: der Junge hat Musik verstanden. Das wird mit dem gemeinsamen Projekt mit Ski Mask The Slump God nur noch deutlicher. Von engelsgleichem Gesang bis hin zu aggressivem Geschrei findet man eigentlich alles auf „Members Only Vol. 3“ – also ja, es ist wieder einmal ein geniales Werk.

Vintage Lee – PiMP

Achtung, kleiner Geheimtipp: Vintage Lee aus Boston schlägt große Wellen. Für Musik-Kenner im (manchmal nicht so) schönen Amerika, ist die 21-jährige schon längst ein fester Bestandteil der unterirdischen HipHop-Landschaft. Es wird also Zeit, dass auch wir in Alemania die verschwommene Bars, trappigen Beats und Laid-Back-Ad-Lips der Künstlerin in unseren „Artists to watch“-Katalog aufnehmen. Also, Augen auf Boston!

KDM Shey – Bando am Wasser

Schlager-Rap? Ist das cool? Wollen wir das? KDM Shey macht uns das Beantworten dieser Frage einfacher als gedacht: Ja, verdammt! Der Deutsch-Iraner aus Bayern, der im Teenager-Alter nach New Jersey emigrierte ist schon seit geraumer Zeit unser heimliches Vergnügen – „Bando Am Wasser“ verstärkt das Verlangen nach seinen frankophonen Tönen.

Thaiboy Digital – S.O.S

Thaiboy Digital lebte seit seinem neunten Lebensjahr in Schweden. Dort bastelte er mit der Drain Gang und im nahen Umfeld von Yung Lean und den restlichen Sad Boys an seinem außergewöhnlichem Sound. Doch vor zwei Jahren erschütterte ein einschneidendes Ereignis seine Welt: Thaiboy Digital wurde abgeschoben. Die komplette Musikszene kämpfte mit Petitionen, scheiterte doch kläglich. Für seine neuste EP „S.O.S.“ reiste er für einen Sommer lang zurück nach Skandinavien um an seinem aktuellen Tape zu arbeiten. „Suicide or Sacrifice“, wie der Titel schon erahnen lässt, befasst sich mit dieser düsteren, schrecklichen Zeit seines Lebens. 80s Synths, Trance-Einflüsse und Happy-Hardcore-Beats kombiniert mit herzergreifenden Storys machen „S.O.S“ zu dem tiefgründigsten und eigentlich besten Werk seiner Diskografie.

Dexter – Haare nice, Socken fly

Drei Video-Auskopplungen haben uns gezeigt, wo die Reise bei Dexters Rap-Album in etwa hingeht. Vor Verzückung mit der Zunge schnalzen möchte man aufgrund der entspannten, wunderbar durchdachten und detailverliebten Beats, die gekonnt die von Dexter gewohnte Sampleverliebtheit mit kontemporären Drum-Installationen verbinden. Gepaart mit lockeren, leicht hedonistisch-angehauchte Lines mit dem ein oder anderen Seitenhieb an die Szene und, wie der Albumtitel durchaus erraten ließ, einigen Ansagen in Sachen Mode- und Stilbewusstsein, entsteht ein wunderbar rundes Gesamtpaket. Die Features um Retrogott, Ahzumjot und Lgoony ergänzen die jeweiligen Songs um ihre jeweiligen, uniquen Facetten und ergeben summa summarum ein absolut vergnügliches Hörerlebnis.

JAY-Z – 4:44

Nach den vergangenen Wochen, die uns mit einer der mysteriösesten Promophasen überhaupt maltretierten, erreichte uns endlich Jay Hovas 13. Studioalbum. „4:44“ ist erstmal nur auf Jays eigenem Streamingservice Tidal verfügbar – wir liefern euch den Stream, sobald er für uns Normalsterblichen zu hören ist.