Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

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In den Weekly Releases prallen die zwei meistgehyptesten Projekte dieser Tage auf fünf Künstler, die den Weg an die Spitze gerade erst antreten. Hunger scheint ein guter Koch zu sein.

V.A. – Black Panther: The Album

Der meistgehypteste Soundtrack des Jahres zu einem der meistgehyptesten Filme des Jahres ist endlich da. Okay. Kendrick kuratiert und mischt sonst auch ordentlich mit und wie wir wissen, wird zurzeit alles, was der junge Mann anfasst, zu Gold – oder geht zumindest Gold. Und Platin. Und Doppelplatin. Naja. Dementsprechend variiert auch die Qualität der hier gelieferten Tracks: Während der erste Track uns noch leicht in „To Pimp a Butterfly“-Zeiten zurückwirft, spielt gleich der zweite Track und Vorabsingle „All the Stars“ das Pop-Game durch. Soweit auch ganz schön, aber halt auch leicht anbiedernd. Und so geht es auch teilweise weiter. Aber teilweise gibt es eben auch Bretter wie das Vince Staples-Feature, den Jorja Smith-Track oder den garantierten Überhit „Big Shot“. Schwarz ist das neue Gold.

SHIRT – Pure Beauty

Aus dem State of the Art werden wir jetzt straight in die 90er zurückgeworfen. Das klingt schlimmer als es ist. Denn SHIRTs Idole sind zwar eindeutig und auch, dass für ihn die letzten 20 Jahre Rapgeschichte wohl nicht stattgefunden haben. Doch macht er dieses Oldschool-Ding so verdammt stimmig, dass wir nicht anders können, als die Air Force 1 rauszuholen und heftig mit dem Kopf zu nicken. Psychedelische Gitarrensamples und höchstinteressante Drum-Arrangements geben dem kratzigen Sound einen leicht experimentellen Anstrich und stimmen zumindest die Indie-Rap-Untergrund-Fans unter uns glücklich. Was sich vielleicht auch durch diese kleine Überraschung am Rande erklärt: Das Album erscheint über Third Man Records, das Label von Indie-Ikone Jack White.

Ravyn Lenae – Crush EP

Falls ihr das neueste R’n’B-Talent bisher verpasst habt: Ravyn kommt aus Chicago und sollte vielleicht von Nonames letztem Album bekannt sein. Wenn nicht, dann vielleicht, weil sie mit SZA auf Tour war. Falls euch das immer noch nicht auf die Sprünge hilft, hört euch einfach ihre neue EP „Crush“ an. Mit einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein schmiert sie darauf die von The Internet’s Steve Lacy (auch der sollte euch mittlerweile bekannt sein, aber dazu ein anderes Mal mehr) produzierten Instrumentale mit einer dicken Schicht Liebe ein und liefert den Soundtrack für – äh, alles eigentlich. Danke.

Mist – Diamond in the Dirt

Don’t judge an album by its cover. Das sieht nämlich hart nach Trash aus – ganz im Gegensatz zum Klang des Tapes, das dem UK-Newcomer hoffentlich seinem verdienten Ruhm näherbringen wird. Obwohl grimy angehaucht, finden sich hier nicht die größten Partybanger: Inhaltlich dreht sich „Diamond in the Dirt“ um Knastaufenthalte, verlorene Familie, die eigene Tochter und lauter weitere ernste Themen. Das passt perfekt zum entspannten Flow des Birminghamers und auch zu den sorgsam erlesenen Featuregästen: MoStack, Jessie Ware, Mr. Eazi sind nur einige der unterschätzten Namen, die auf der EP auftauchen.

Bausa – Powerbausa

Bausa ist offiziell der Rockstar der deutschen Rapwelt. Bis zur Villa in Bietigheim-Bissingen (Deutschraps Hauptstadt) dauert es wahrscheinlich nicht mehr lange und so fühlt sich dieses Tape auch an. Rap zum Abgehen, eigentlich ist jeder Track ein Hit. Kann man nicht haten, muss man aber auch nicht besonders gut finden. Inhaltlich ist nicht besonders viel zu holen, aber der Vibe ist fühlbar. Auch die Featuregäste bewegen sich zwischen Turn Up und der typischen Rotzigkeit, gerade Capital Bra und Nura passen perfekt. Und mit ein wenig mehr humoristischer Ebene würde uns bei Tracks wie „Szenen im Hotel“ leicht übel.

AOB – Absitzen Ohne Bewährung

Obwohl das, was die Jungs da erzählen, eher angrifflustig und kriminell als nach einem angenehmen Leben im Wohlstand klingt, liegt hier das sympathistische Straßenraprelease des noch jungen Jahres vor uns. Die Army of Brothers veröffentlicht also den zweiten Crewsampler und rappen sich auf zwischen BoomBap und Trap changierenden Instrumentalen durch die kalten Straßen Neuköllns und schaffen es, auf 16 Tracks keinen einzigen richtigen Cringe-Moment zu provozieren. Sweetest Gangsters Alive.

Chima Ede – Sünder EP

Chima Ede fährt den Output hoch. Nach längerer Abstinenz haben wir von ihm zuletzt die „Sand“-EP bekommen, die uns sofort davon überzeugte, dass 2018 endlich Chimas Jahr werden kann. Auf dem Follow-Up „Sünder“ holt uns der Weddinger dort ab, wo immer wir gerade sind und nimmt uns mit auf eine Reise durch seine Kindheit. „Die Stadt der Engel, komm, wir nehm’n ein Rundflug durch das Herz.“ Das Stadtbild ist grau und trotzdem steckt in jedem Detail ein bisschen Hoffnung. Und ein fucking Maxwell-Feature ist auch noch dabei.