Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

von am

Irgendwo finden die größtmöglichen Persönlichkeitsentwicklungen statt, während anderswo alles beim Alten und trotzdem verdammt fresh bleibt. So ist das Leben und so sind auch die besten Tapes der Woche.

Rich Brian – Amen

Eine 88rising-Mitgliedschaft macht alles möglich: So wurde aus dem „Dat $tick“-Jungen ein ernstzunehmender aufstrebender Künstler, der nicht nur mit Swagger und Skills, sondern auch mit Delivery zu überzeugen weiß. Ganz „new year, new me“ gab’s zum Jahresbeginn einen neuen Namen und jetzt das Debütalbum. Darauf changiert Brian auf abwechslungsreichen und dennoch zueinander stimmigen Produktionen zwischen melodiösem Halbgesang und blitzschnellen Rapparts hin und her, als wäre es nichts. Nebenbei glänzt er noch in weiten Teilen mit textlicher Tiefe wie sonstwas und lässt uns mit offenem Mund und Freudentränen zurück.

Bby Mutha – Muthaz Day 2

Bby Mutha gehört zu der glücklicherweise immer weiter wachsenden Gruppe starker Frauen im Rapgame, die auch noch verdammt coole Musik machen. Die Beats ballern dank gleichsam wummernder Synthies und Bässe und es ist immer schön, weibliche Perspektiven repräsentiert zu sehen. Der Rapstil der Dame klingt zwar ein bisschen, als ob sie zwar könnte, aber einfach keine Lust hätte, mehr abzugehen und trotzdem bespielt sie die Beats sehr angenehm.

Rejjie Snow – Dear Annie Pt. 2

Oh Mann. Der zweite Teil von Rejjies Debütalbum ist da und es ist wieder alles wunderschön. Wir starten in den ersten Track und schon harmoniert die tiefe Stimme des Iren perfekt mit dem hellen Beat. Lyrics sind durchweg gewohnt selbstreflektiert und der Vibe stimmt von Grund auf. Auge auch auf die Features: Die Londoner Jesse James Salomon und Jesse Boykins III sollte man sich dringend auf die Watchlist packen, wenn man das nicht bereits getan hat und Dana Williams säuselt so wunderschön um unsere Ohren wie schon im ersten Teil.

Wifisfuneral & Cris Dinero – Last Time Doing Drugs EP

Wann war denn jetzt die „Last Time Doing Drugs“? – „I do this all the time“. Also von vorne: Längst-nicht-mehr-Geheimtipp Wifisfuneral macht gemeinsame Sache mit Schon-eher-Geheimtipp Cris Dinero und heraus kommt diese EP. Die beiden nehmen Drogen, machen sonst alles, was man ebenso macht, wenn man jung und das Leben langweilig ist und haben nebenbei auch noch das ein oder andere psychische Problem auszubreiten. Das alles machen sie sehr gut und verdienen sich damit unsere Anerkennung.

Waldoe – High of Life EP

„Nie zu spät – Fick die AfD ins Hitlerface“ – Waldoe (fka. Waldo The Funk) startet mit starkem Statement in die neue EP und spart auch sonst nicht an klaren Aussagen. Auch hier irgendwie ein bisschen „new year, new me“ – Neuer Name, neuer Hunger. Oder auch neue Selbsterkenntnis, wie auf „Flucht“. Auf jeden Fall so selbstsicher, dass es keine Features braucht. Die Beats von Nu Mak und Enaka hingegen klatschen ordentlich und dass alles so gut klingt, kann auch daran liegen, dass Dexter gemischt und gemastert hat.

digitalluc – re:ups

digitalluc verwöhnt uns mal wieder mit einer Runde selbstgebastelten Beats. Einige vielleicht schon von hier und da bekannt, sind auch einige ganze frische dabei. Die Samples mit einer grundsätzlichen Entspanntheit, die Drums rollen gemütlich und trotzdem hier und da ziemlich klatschend dahin. Außerdem gibt es kleine instrumentelle Gastbeiträge von Bill Adlib, Made in M und den Sichtexoten Anthony Drawn & Knowsum. Programm ist: Zeitgeist-Anbiederung sucht man hier definitiv vergeblich. Und das ist gut so.