Die besten Tapes der Woche // Weekly Releases

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Diese Woche war es kaum möglich, alle Tape-Releases auf dem Schirm zu haben. Auf der Relevanz-Skala ganz oben steht natürlich niemand anderer als Gucci Fucking Mane. Der gestrige 26. Mai war nämlich kein normaler Tag für alle Guwop-Fans, sondern der erste Jahrestag und wichtigster Feiertag – genau vor einem Jahr wurde Gucci aus dem Gefängnis entlassen. Aber natürlich gab es die vergangenen sieben Tage noch viel mehr Schmankerl: von Frauenarzt & Taktlo$$ über Audio88 und Marteria bis Lil Yachty und Dumbfoundead. Setzt euch und höret!

Gucci Mane – Drop Top Wop

Ok, wir haben nachgezählt (Zahlen sind nicht unsere Spezialität): 71 Mixtapes, zehn Studioalben, sieben EPs und unzählige Feature-Parts, Singles und Kollabo-Kram. Auch wenn wir uns um +,- fünf Releases verzählt hätten, ist die Menge von Guccis Output innerhalb der letzten zwölf Jahre immer noch außerhalb unserer Vorstellungskraft. Dazu kommt, dass er knapp drei Jahre davon hinter Gittern verbrachte. Um die Freilassung, die gestern genau ein Jahr her ist, zu feiern, droppt der ATL-Trap-König gemeinsam mit Metro Boomin „Drop Top Wop“ – zehn Tracks inklusive Gastbeiträge von Rick Ross, 2 Chainz, Young Dolph und Offset. Keinesfalls erfindet er das (HipHop)Rad neu, trotzdem aber ist jedes Guwop-Release ein kleines Kunstwerk für alle 1017-Anhänger. Also, hoffentlich habt ihr den gestrigen wichtigsten Feiertag des Jahres vernünftig zelebriert!

Dumbfoundead – Foreigner

Dumbfounded ist einer dieser YouTube-Götter, die uns spätestens mit den grenzgenialen Musikvideos an sich fesseln. Letztes Jahr war er mit „Safe“ in unzähligen „Bestes Video des Jahres“-Listen – seine Visuals sind mehr Hollywood-Filmchen, als einfache Musikvideos. Aber auch mit seinem Sound überzeugt der LA-based Rapper voll und ganz. Mit massig Ironie und Witz wandert er quer durch Gesellschaftskritik und menschliche Absurditäten (wie das Spektakel rund um Harambe), verliert aber nie die eigentliche Ernsthaftigkeit der Probleme aus den Augen. So wird auch seine neuste EP „Foreigner“ zu einem kleinen Kunstwerk rund um den Begriff „Ausländer“, die negative Konnotation und den eigentlichen positiven Wert dessen.

Lil Yachty – Teenage Emotions

Wir sind immer noch sauer auf Joe Budden – ihn als fake zu bezeichnen, nur weil man den Vibe des 19-jährigen nicht versteht, ist ignorant. Sorry, Budden, aber wir haben 2017 und es ist völlig ok, wenn man als Rapper weder mit Drogen dealt, keine riesige Waffensammlung besitzt oder sich nicht 24/7 auf den Streets rumtreibt. Viel mehr wirkt es so, als würde der Neid aus dem Ex-Slaughterhouse-Member sprechen – Lil Yachty schafft es nämlich zwischen jugendlicher Dummheit, charmantem Singsang und leichtfüßigen Bars, auch ohne das übliche Gepose ein stabiles Debütalbum abzuliefern. „Teenage Emotions“ ist ein kleines Kunstwerk voller guter Laune von einem HipHop-Outcast der einfach macht, worauf er Lust hat.

Frauenarzt & Taktlo$$ – Gott

„Verbeugt euch ihr Toys, hier ist Gott am Mic“ – schon im ersten Track machen Frauenarzt & Taktlo$$ klar, was uns erwartet. Also, kniet nieder wenn die Battle-Rap-Götter unsere verlorenen Seelen mit niederschmetternden Beats und verdammt dreckigen Bars füttern. Denn der letzte Tighte und der beste Weiße predigen auf 16 Tracks ihr Battle-Bibel-Knowledge und laden neben Sido, Marteria und Prinz Pi auch Jack Orsen, Burak, MC Bogy, Corus 86, Justus Jonas und Locke zum Gottesdienst ein. „Gott“ ist wie versprochen „das härteste Kollabo-Album des Jahres“.

Marteria – Roswell

Marteria ist von seinem Outta-Space-Ausflug gelandet und hat uns Erdbewohner sein viertes Studioalbum „Roswell“ mitgebracht. Erst „Aliens“, dann „Das Geld muss weg“ – bevor ein Marteria-Album ansteht, gibt’s erstmal HD-Blockbuster in Musikvideolänge. Nach den visuellen Kunstwerken folgt dann ein Album voller klarer, politischer Botschaften wie „Glaubt mir, ihr könnt nicht wollen, dass wir gehen/Die meisten Fremden haben immer etwas Neues zu geben“, massig gewohnt lyrischer Doppeldeutigkeit und einem Haufen eingängiger Hooks, vor denen auch die Radiosender nicht die Finger lassen können. Marteria balanciert wieder gekonnt zwischen guter Laune, ernsthaften Statements und Marsimoto-Einflüssen.

Audio88 – Sternzeichen Hass

Ein Album voller gerechtfertigtem Hass – so ungefähr würde man „Sternzeichen Hass“ in einem Satz zusammenfassen. Denn Audio88 verteilt mal wieder Schellen gegen alles, was in unserer verdorbenen Welt falsch läuft – und wie wir alle wissen, läuft verdammt viel falsch. Wahrscheinlich ist der Berlin-based Hater genau deswegen so sauer. Trotz gewohnter Wut bleiben die provokanten Punchlines fokussiert und genial – also, alles wie immer bei Audio88. Das ist aber keinesfalls negativ gemeint, denn wenn Weltschmerz und Hass immer einwandfrei funktionieren, wieso soll man dann die Rezeptur ändern?