Die besten Tapes der Woche // Weekly Release

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Während die $uicideboy$ ihr Releasedate verschieben und das Post Malone-Album noch nicht verfügbar ist, haben wir uns die sonstigen Releases der Woche angehört, damit ihr es nicht tun müsst – oder im besten Fall: Damit ihr es auch tut. Wir wünschen ein gesegnetes erstes Adventswochenende!

Miguel – War & Leisure

Während Miguels letztes Album „Wildheart“ zahlenmäßig ziemlich gefloppt ist, verspricht das vierte Studioalbum des Kaliforniers zumindest dem Antizipations-Hype entsprechend eine größere Nummer zu werden. Klar enthält das Album Hits, gerade die vorab veröffentlichte Single „Sky Walker“ mit Travis Scott ist wunderbar eingängig und unterhaltsam. Aber sobald mal kein Featuregast da ist, zieht sich jeder einzelne Song wie Bonbonmasse. Alles ist süß, klebrig und irgendwie auf die Dauer zu viel. Klare Anspielempfehlungen von uns damit auf jeden Fall die eben erwähnte Single, die J. Cole-Kollabo „Come Through and Chill“ – und „Caramelo Duro“ wäre sicherlich auch spannend, wenn das Kali Uchis-Feature aus mehr als einem „oh la la la la la“ bestehen würde.

T9 – Plastik aus Gold

Torky Tork und Doz9 sind viel zu real, um sich für jedes Album pseudomäßig neu zu erfinden. Vielmehr wird am bekannten Konzept gefeilt: Torkys Sound wird immer fetter, die Flows des schönsten Mannes im Raum immer präziser, die Querverweise häufen sich immer höher an. So arbeiten sie sich langsam, aber sicher auf das perfekte Deutschrap-Untergrund-Album hin. Bis dahin sind wir froh, das dope Alben wie dieses, uns den Spaß an Rap zurückbringen. Dabei helfen auch nicht zuletzt die Features von Sonne Ra, Döll und Karate Andi.

Knxwledge – MEEK​.​VOL1

Wenn sich Knxwledge mal wieder an vintage Rap-Versen vergeht, endet das wie sonst auch immer in einer unerwarteten aber unglaublich stimmigen Smybiose. Das kennen wir schon von seiner „Wraptaypes“-Reihe und genau das passiert nun auch auf „MEEK​.​VOL1“ – trübe Jazz-Samples treffen auf Meeks arrogante Raps und alles beweist mal wieder, dass Knxwledge ein verdammtes Beat-Genie ist. #FreeMeek

Booba – Trône

Neben Kaaris oder PNL ist Booba einer der erfolgreichsten französische Rap-Stars, die man auch ohne Franz-Rap-Faible kennt. Stark von der amerikanischen HipHop-Landschaft beeinflusst und den obligatorischen Afro-Trap-Anleihen hat er sich aus den Pariser Banlieus direkt nach Miami gerappt, von wo er uns nun sein 9. Studioalbum zukommen lässt. Und auch „Trône“ überzeugt mit den üblichen Argumenten – sanfte Rap-Parts kollidieren mit harten Trap-Banger und lassen uns jegliche fehlende Sprachkenntnisse vergessen.

Chief Keef – Dedication

Sosa liefert 2017 fleißig ab. Am ersten Tag des Jahres droppte er sein „Two Zero One Seven“-Mixtape, darauf folgten mit „Thot Breaker“ und „The W“ zwei weitere Tapes und weil nicht alle guten Dinge drei sind, erreicht uns jetzt mit „Dedication“ schon das nächste Tape – sein 3. Studioalbum, sein 22. offizielles Projekt und sogleich eine Hommage an Lil Waynes „Gangsta Grillz“-Mixtape-Reihe. Und während wir bei dem A Boogie Wit Da Hoodie-Feature immer noch ein wenig zittern (#justiceforlilb), fesselt uns „Come On Now“ mit Lil Yachty um so mehr.

Roy Woods – Say Less

Der Herbst war recht OVO-geprägt – Schon im Oktober releasten dvsn, PARTYNEXTDOOR und Majid Jordan. Jetzt zieht der letzte Drake-Schützling mit „Say Less“ nach. Darauf finden sich vor allem smoothe, schnulzige Tracks mit eingängigen Melodien, wie es sich gehört. Wirklich neu oder experimentell ist dabei nichts, trotzdem schafft es der Kanadier, einiges an Fühls zu transportieren. Alles sehr entspannt; Musik, die niemanden stört, aber auch niemanden wirklich zum Denken anregt. Was man sich aber auf jeden Fall hätte sparen können, ist das PnB Rock-Feature – dementsprechend erneut: #justiceforlilb.

Retrogott – Hardcore

Der Retrogott hat irgendwo auf einem herumliegenden Fourtracker ein 2013 fertiggestelltes Album gefunden, die Songs reichen in ihrer Entstehung sogar teilweise bis ins Jahr 2009 zurück. Irgendwas muss damals passiert sein, dass dieses mit „Hardcore“ betitelte Projekt in Vergessenheit geraten ist. Wichtig ist jedenfalls, dass der ENTBS-Member dieses wiedergefundene Stück Musik jetzt for free veröffentlicht hat. Auf dem Album finden sich gewohnt jazzige, funkige Beats und Lines, die irgendwo zwischen sinnlosen Wortspielen und weltpolitischer Relevanz rangieren. Überraschend ist daran höchstens, wie früh der Retrodios anscheinend schon die Entwicklung begonnen hat, sich auf komplexere Themengebilde und reflektierte Lyrics anstatt des gewohnt dreckig-unkorrekten Battleraps zu konzentrieren. Hier wird das Rad nicht neu erfunden, aber bewiesen, dass es immer noch rund läuft.

Einen offiziellen Stream gibt es zwar nicht, aber dafür einen Gratis-Download.